Stadtbummel Solothurn
Bald haben wir das Geschenk

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Regen an Tag 1 des Soledurner Wiehnachtsmäret 2018.

Regen an Tag 1 des Soledurner Wiehnachtsmäret 2018.

Tom Ulrich

«Schenk nochmal ein», sang schon Udo Jürgens. Dazu gibts auch in Solothurn genügend Gelegenheiten: Obwohl in der Regel am Chlausemäret, dem Winter-Wunderland oder dem am Sonntag endenden Wiehnachtsmäret am Kreuzackerquai eher glühender als griechischer Wein zu haben ist. Womit nicht auszuschliessen ist, dass dieser nicht auch mit hellenischer Traube hergestellt werden kann. Auf jeden Fall dauerts nicht mehr lange, und Solothurn stiehlt dem süddeutschen Limes an Christkindlmärkten die Show – nicht nur wegen des Glühweins.

Was man sich schenken kann: A) den Nebel als herbstlichen Nachzügler B) den Regen als atmosphärischen Miesmacher in einer sonst stimmungsvollen Stadt, C) die Kälte, da nicht durch Schnee begleitet, sowie D) die Erkältung, die unnötigerweise aus A, B und C sowie einer Portion Optimismus bei der Kleiderwahl (z.B. wasserdurchlässige Schuhsohlen) resultiert.

Quasi geschenkt ist das Angebot, mit dem seit kurzem beim Restaurant Flora Werbung gemacht wird. Das Lokal bietet Künstlern auf Anfrage kostenlos sein Säli für Ausstellungen an. Und es ist kein Angebot, das nur zur besinnlichen Zeit offenstehen soll. Davon kann man sich durchaus eine Scheibe abschneiden. Die sich mehrenden leeren Schaufenster lassen in die potenziellen Pop-up-Ausstellungsräume dahinter blicken.

Nichts schenken mochte sich der Stimmbürger an der vergangenen Gemeindeversammlung: Nach langjährigem Sinkflug des Steuerfusses bremste der Souverän jetzt für einmal ab. Vermutung: Mitunter bereiteten ihm wohl die noch unbekannten Kosten der Stadtmist-Sanierung kalte Füsse – womit wir wieder bei den wasserdurchlässigen Sohlen wären.
«Was schenken wir denn sonst, ausser neue solothurntaugliche Schuhe?», fragt sich unsereiner. Während die Türchen des Adventskalenders mit jedem Tag in noch schnellerem Tempo aufklappen und wir die vollgepackten Taschen durch die Gassen schleppen, gibts vor allem eines, das zuoberst auf der Wunschliste steht – oder stehen sollte: Zeit.