«Bis Ende Jahr wird das Haus verkauft. Der Laden und das Café gehen zu.» Ein Entscheid, den Bäckermeister Ueli Trüssel getroffen hat, weil er 65-jährig in Pension gehen möchte. «Der Laden mit der Backstube und das Café an der Hauptbahnhofstrasse werden jedoch weitergeführt; der Mietvertrag mit der Besitzerin dauert noch bis 2018», ergänzt Trüssels Lebenspartnerin Marianne Ricklin für alle, die auf Trüssel-Spezialitäten wie Meitschibei, Studenten- und Crèmeschnitten nicht verzichten mögen.

Ricklin, als Vizepräsidentin des kantonalen Bäcker- und Confiserie-Verbandes vom Fach, wird sich mit der Trüssel AG weiterhin um die Vorstadt-Filiale kümmern, die schon seit Generationen als Bäckerei besteht, und 1994 zum heutigen Betrieb umgebaut wurde. Womit am Friedhofplatz die Backstube entfiel und der Einbau des Cafés möglich wurde.

Am Platz übernahm Ueli Trüssels Vater die dortige Bäckerei 1970, ehe er 1978 das Haus von der Mühle Landshut erwerben konnte. Doch jetzt geht diese Ära zu Ende, die Sohn Ueli mit der Meisterprüfung 1983 - zuvor war er Elektriker - weitergeführt hatte. Mit einer bitteren Note: Fünf bisherige Angestellte verlieren ihren teils langjährigen Arbeitsplatz. «Das hat uns sehr beschäftigt», so Ueli Trüssel, der zu den künftigen Besitzern und der Nutzung seines Hauses noch nichts sagen kann.

Brot ist zur Nebensache geworden

Die beiden Fachleute stellen massive Veränderungen in ihrem Gewerbe fest: «Ohne Café kann eine Bäckerei mehr leben. Ein solches ist ein guter Kostenträger», glaubt Ueli Trüssel. «Die Kundschaft ist unberechenbarer geworden. Alle leben vom Snack-Bereich, das Brotbacken erfordert zwar die grössten Investitionen, ist aber zur Nebensache geworden», weiss Marianne Ricklin, die noch andere Trends ausmacht: So verlagerten sich die Produktionszeiten immer mehr in den Tag hinein, und die Konkurrenzsituation hat sich in der Vorstadt mit dem Auftauchen neuer Take-away-Anbieter im und beim Hauptbahnhof verschärft.

Dabei hat Ueli Trüssel stets ein saisonales Angebot hochgehalten. «Schenkeli und Schlüferli gabs nur vom Hilari am 13. Januar bis zum Aschermittwoch. Da waren wir stur.» Und bei einer frühen Fasnacht gabs halt deutlich weniger Umsatz. «Früher waren die Monatsmärkte vom Umsatz her noch eine Bombe», blickt Trüssel auf Zeiten zurück, als am Friedhofplatz einmal im Monat Söilimäret war. Nun macht er Anfang Dezember letztmals am Chlausemäret mit und auch die legendären Aprikosen-Törtli am Märet-Fescht sind bereits Geschichte.

Fasnächtler und Schiedsrichter

Ueli Trüssel vermisst aber auch das idyllische Leben in der Altstadt von einst. «Früher trafen sich die Gewerbetreibenden am Platz jeweils gegen neun zum Kafi. Heute hat niemand mehr Zeit dafür.» Nein, wirft Marianne Ricklin ein, die Leute zum Kaffeetrinken, «die gibt es gar nicht mehr».

Der Beck vom Friedhofplatz war stets ein geselliger Mensch, ob als Fasnächtler bei den Hudibras Chutze, wo er als «Ehrenchutz» geführt wird, oder als Ehrenbruder und langjähriger Säckelmeister der St. Margrithen-Bruderschaft. Der Fasnächtler schaute am Märet-Fescht zu seinen «Chutze» ebenso wie zu den Stedtli-Gumsle, die während des Fests seinen Hinterhof benutzen durften. Aber auch dem Fussball war Ueli Trüssel stets verbunden: «Ich bin schon über 50 Jahre Mitglied des FC Solothurn.»

27 Jahre lang wirkte er zudem als anerkannter Schiedsrichter. Und was Gewerbetreibende heute schon fast nur noch vom Hörensagen kennen, war für den Bäckermeister vor Jahrzehnten noch eine Selbstverständlichkeit: das politische Engagement als Gemeinderat in einer gewerbenahen FDP.