Solothurn

Autor Banao Nambo: «Viele Flüchtlinge werden hier nicht glücklich»

Banao Nambo ist seit 17 Jahren in der Schweiz.

Banao Nambo ist Autor und Flüchtling von der Elfenbeinküste. Seit 2018 wohnt der Migrationskritiker in Solothurn.

Sein Weg hat Banao Nambo aus seiner Heimat, der Elfenbeinküste, in die Schweiz und zuletzt nach Solothurn geführt. «Der Liebe wegen», wie der heute 57-Jährige selbst sagt, sei er 2018 von Winterthur nach Solothurn gezogen. Es ist der vorerst letzte Wegabschnitt einer Reise, die unter dramatischen Vorzeichen begann: Die Flucht aus der Heimat liegt 17 Jahre zurück. Damals kam er als politischer Flüchtling in die Schweiz.

In seiner Heimat war Nambo als Englischlehrer und Journalist tätig, dann begann er, sich als Sprecher der National Party der Elfenbeinküste politisch zu betätigen. Diese hatte zu einer stärker reglementierten Einwanderungspolitik in der Elfenbeinküste gedrängt. Damals galt das Land als prosperierende «Insel» unter den westafrikanischen Staaten, was vor allem der Kakaoproduktion geschuldet war. Immigration wurde zu einem politischen Brennpunkt.

Wie Nambo zum Verfolgten wurde

Als 2002 wirtschaftsbedingt der Bürgerkrieg entbrannte und das Land entzweite, wurde Nambo als Anhänger der National Party zum politisch Verfolgten und verliess – nun selbst ein Flüchtling – sein Heimatland. Via Togo, wo er ebenso wenig sicher war, floh er Richtung Europa und gelangte ins Bundeszentrum in Kreuzlingen am Bodensee, womit sich der Kreis schliesst.
Heute ist Nambo ein anerkannter Flüchtling. Politische Gründe waren es, die ihn dazu gezwungen hatten, die Elfenbeinküste zu verlassen.

Doch viele Begegnungen mit anderen Flüchtlingen und Recherchen veranlassten ihn, die Beweggründe für die Migration kritisch bis skeptisch zu betrachten. Während seiner Zeit in Winterthur begann er Bücher zu schreiben, fiktive Geschichten, die seinen Erfahrungen und Begegnungen entnommen sind und doch in erster Linie eine Mission verfolgen: in Afrika verbreitete Mythen über Europa, über die Schweiz zu entzaubern. «Es gibt unterschiedliche Typen von Migranten», erklärt Nambo. Er selbst zählt sich zu jenen, die als politisch Verfolgte ihre Heimat verlassen. «Dann aber gibt es jene, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Europa gelangen oder jene, die sich die Heirat mit einer europäischen Frau erhoffen», so Nambos Wahrnehmung.

Ein verklärtes Bild von Europa

«Oft erhalten gerade junge Menschen in Afrika über die Massenmedien ein verklärtes Bild von Europa. Eines, bei dem das Geld auf der Strasse liegt und die Schönheit der Natur lockt. Eines, auf dem alles einfach scheint.» Oder dann seien es Menschen, die durch Mittel aus ihrem Heimatdorf nach Europa entsandt werden – in der Hoffnung, die Investition würde sich bei der Rückkehr auszahlen.

Doch die Entzauberung, so Nambo, folge auf Schritt. «Bald nach ihrer Ankunft scheitern sie an Hürden wie der unterschiedlichen Kultur und Sprache.» Sie fänden oft keinen anderen Weg als jenen in den Drogenhandel oder in die Prostitution. Nambo hat es durch Gespräche und Begegnungen festgemacht: «Sehr viele sind überhaupt nicht glücklich. Sie gelangen in eine Welt, die sie nicht verstehen können, leiden, werden depressiv. Diesen Menschen möchte ich die Wahrheit aufzeigen.»

Aber: Viele erkennen in Nambo, seinen Ansichten und seinen Büchern mehr als nur Systemkritik. Für sie sind seine Überlegungen eine Bedrohung. Auf der anderen Seite wurde er auch schon als Redner an Veranstaltungen eingeladen, beispielsweise von der SVP, die ihn von der Ausrichtung an die National Party der Elfenbeinküste erinnere. «Zudem bin ich beratend für die eidgenössische Migrationskommission tätig.»

Appell ans gegenseitige Kulturverständnis

Eine weitere Dimension, die er in seinen Büchern thematisiert, ist jene der Mischehen. Der Brennpunkt beschäftigt ihn, der selbst mit einer Schweizerin verheiratet ist, auch persönlich. «In meinen Büchern appelliere ich ans gegenseitige Verständnis der unterschiedlichen Kulturen.»

In Solothurn heisst es für ihn nun erst einmal ankommen. «Ich merke, dass dies nicht Zürich ist», sagt Nambo. Und ein weiteres Buch hat er in Arbeit, einen «roman noir», wie er verrät, also einen Kriminalroman. Und natürlich hat Banao Nambo als Autor auch ein Auge auf die Literaturtage geworfen: Er will sich ebenfalls für eine Teilnahme bewerben.

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