Solothurn
Autobiografie von Altrocker Crown Kocher: «Hart, unerbittlich, schnörkellos und voll in die Fresse»

Altrocker Crown Kocher hat seine Autobiografie geschrieben. Der Bandleader schreibt darin über sein Leben und vor allem seine Erlebnisse "auf dem Minenfeld Rock n' Roll".

Fabio Vonarburg
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Crown Kocher

Crown Kocher

Pesche Weber, www.p-f-g.ch

Wenn man ihn auf sein Alter anspricht, verzieht er das Gesicht. 68 Jahre alt ist Crown Kocher, was den Hardrocker eigentlich nicht davon abhält, weiterhin auf der Bühne zu stehen. Dass seine Gitarren derzeit in seiner Wohnung verstauben, liegt an Corona und den deswegen ausbleibenden Auftritten. Ende Februar trat seine Solothurner Band Killer zuletzt auf. Und was tut ein Rocker, wenn ihm langweilig ist? Er steigt auf sein Motorrad. Doch als Crown Kocher während des Lockdowns ein Foto von einem solchen Ausflug in die soziale Medien stellte, kassierte er einen Shitstorm. «Kocher, nun musst wohl auch du zu Hause bleiben», sagte sich der Gitarrist.

Buch ist kein rhetorisches Meisterwerk

Keine Motivation zur Gitarre zu greifen, keine Motorradausflüge und so begann Kocher, der sich als der spontanste Mensch auf dieser Welt beschreibt, aus einer Laune heraus auf die Tasten seines Computers zu hauen und sein Leben «auf dem Minenfeld Rock’n’Roll» niederzuschreiben. Entstanden ist die Autobiografie «Hardrock», die der Autor selber als «kein rhetorisches Meisterwerk» bezeichnet. Oder wie er es noch deutlicher im Vorwort schreibt: «Wer in diesem Buch eine subtile Federführung und rhetorisch ausgefeilte Wortwendungen erwartet, wird enttäuscht werden. Es enthält ausschliesslich Facts und ist geschrieben, wie die Musik von Killer: hart, unerbittlich, schnörkellos und voll in die Fresse.»

Einige Passagen seines Buches kann er auch bereits auswendig rezitieren, wie der Musiker beim Treffen unter Beweis stellte. Und zwar den ersten Abschnitt, auf den er besonders stolz ist, «weil er Strom hat». Genau gleich, wie ein guter Song. «Der liebe Gott sass auf seinem Thron, runzelte die Stirn und dachte ‹Mein Gott, ob das wohl gut geht ...?› Der Teufel hockte verzweifelt in einer Ecke und weinte bittere Tränen. Nachdem die Pest, Cholera, die Spanische Grippe sowie zwei Weltkriege erfolgreich überstanden waren, brach eine neue epochale Katastrophe biblischen Ausmasses über die Menschheit her.» Was er damit meint, wird im nächsten Abschnitt klar, als Kocher seine eigene Geburtskarte zitiert: «Wir freuen uns, Ihnen die Geburt eines gesunden Knaben bekanntzugeben: Edgar Eugen Kocher, geb. 01. Juli 1952 in Solothurn.»

Die nächsten 59 Kapitel, respektive 276 Seiten ziehen sich linear durch das Leben von Edgar Eugen Kocher, der heute nur noch von den Behörden unter diesen Namen angeschrieben wird. Für andere ist er seit seiner Jugend Crown, «ich kann als Rocker doch nicht Edgar Eugen heissen». Beschrieben im Buch seien seine Erfolge, aber auch Pleiten, Pech und Pannen. «Wobei man sich wohl vor allem für die Pleiten, Pech und Pannen interessiert», sagt Crown, der sich selber nicht so ernst nimmt.

Crown Kocher als Baby 1952.
3 Bilder
Crown Kocher mit seinen Eltern 1966.
Crown Kocher 1972 mit seinem geschrottetem Auto.

Crown Kocher als Baby 1952.

zvg

Wie er die Geburt seiner Tochter verpasste

Ziemlich viel schief ging etwa bei der Geburt seiner Tochter. Denn statt seiner damaligen Frau beizustehen, verbrachte Crown Kocher die Nacht im Gefängnis. Um vor der Geburt «herunterzufahren», kaufte sich Kocher Haschisch. Doch kaum gekauft, erwischte ihn die Polizei mit den Drogen. «Mein Goldschatz war alleine zu Hause mit ihren Ängsten und ich sass wegen ein paar Gramm Haschisch in einem versifften Loch aus dem letzten Jahrhundert», lässt Kocher im Buch seine Gefühle von damals Revue passieren. «‹Gratuliere Herr Kocher, sie sind letzte Nacht Vater einer Tochter geworden›, tönte es am nächsten Morgen höhnisch aus dem Mund des Kerkermeisters mit dem Atem eines überladenen Müllcontainers. Zum Glück aller Beteiligten hatte er seinen dicken Wanst schon wieder aus dem Raum entfernt, als ich alle mir zur Verfügung stehenden Wurfgeschosse Richtung der vergitterten Türe schmetterte.»

«Hoffentlich brauche ich jetzt keinen Bodyguard»

Der Auszug beschreibt den Schreibstil von Kocher gut: Geradeaus, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und dementsprechend sind Fluchwörter keine Ausnahme – bei der vorherigen Gefängnisepisode sind wir aber erfolgreich um diese herumgeschifft. Wenn man das Buch liest, spürt man, Kocher hat Hardrock im Blut, nennt die Dinge beim Namen. «Ich hoffe, dass ich mit der Veröffentlichung des Buches keinen Bodyguard brauche», witzelt Kocher, weist aber daraufhin, dass es noch Sachen gibt, die er nicht erzählt hat. «Vielleicht dann in einem zweiten Buch. Mal schauen, wie es jetzt läuft.» Im Blickfeld hat er nun zuerst allerdings die Realisierung eines Hörbuchs. Wie er danach seine Zeit totschlägt, bis er mit Killer wieder auf der Bühne steht, weiss der Kreativkopf noch nicht. «Ich weiss jeweils selber nicht, was ich als Nächstes tue.»

Buch "Crown Kocher - Hardrock"

Mit seiner Autobiografie «Hardrock» will Musiker Crown Kocher einen Leitfaden bieten, wie man auf dem brüchigen Eisfeld der internationalen Rockszene überlebt. Crown Kocher war Gitarrist der Schweizer Rockband Kaktus und gründete später mit der Band Killer seine eigene Formation. Diese erlebte 1982 das grosse Highlight, als sie als Vorband von Motörhead durch Deutschland und die Schweiz tourte. Die Autobiografie von Crown Kocher kostet 20 Franken und ist im Onlineshop der Band Killer erhältlich: www.killermetal.ch/webshop. Oder etwas günstiger als E-Book auf Amazon. (fvo)