Der Sanierungsplan für die Baselstrasse ist kontrovers: Einige rufen lautstark zur kompletten Abschaffung des Bipperlisi auf, andere plädieren für den Erhalt der Bahn und für die Sanierung der Baselstrasse.

Dabei soll mit dem Agglomerationsprogramm der zweiten Generation die Baselstrasse in Solothurn sicherer werden. Das Bipperlisi, das bisher eingleisig auf einem Eigentrassee fuhr, soll daher zweigleisig in den Personalverkehr eingegliedert werden und der Veloverkehr eine eigene Fahrbahn bekommen.

Auf der einen Seite wird es mit einem in den Autoverkehr integrierten Bipperlisi möglich sein, separate Velowege von der Strasse abzutrennen, was die Sicherheit des Langsamverkehrs erhöht. Auf der anderen Seite wird das Bipperlisi viel näher am Autoverkehr sein als zuvor.

Andere Städte in der Schweiz, allen voran Zürich, Basel und Bern, kombinieren schon lange den Tramverkehr mit dem übrigen Strassenverkehr. Schweizer Städte haben oft eher enge Strassenverhältnisse, vor allem in den Innenstädten, was die Koexistenz von verschiedenen Verkehrsteilnehmern etwas schwierig gestaltet. Schwierig, aber nicht unmöglich: Durch Mischverkehr können die engen Strassen sowohl mit dem Tram, dem Auto, dem Bus als auch mit dem Velo befahren werden.

«Der grösste Vorteil ist, dass Mischverkehrslösungen platzsparend sind – das ist gerade in einer kleinräumig gebauten Stadt wie Basel ein wichtiger Aspekt», so Nicole Stocker, stellvertretende Leiterin Kommunikation des Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt.

Auf dem Bankverein in Basel teilen sich Autos, Trams und Velos die Strasse.

Auf dem Bankverein in Basel teilen sich Autos, Trams und Velos die Strasse.

Doch der Mischverkehr hat seine Tücken. Viele verschiedene Fahrzeuge auf engem Raum können miteinander im Konflikt stehen, nicht zuletzt da der Mischverkehr eine Kompromisslösung ist. Im konkreten Beispiel der Baselstrasse in Solothurn ist die Bahn jedoch schon im Konflikt mit dem restlichen Verkehr und stellt ein Risiko dar.

Wie soll also nun die Sicherheit in der Baselstrasse erhöht werden? Klar, die Velofahrer werden von den separaten Velowegen profitieren. Aber was ist mit dem restlichen Verkehr? Lichtsignale sowie Bodenmarkierungen werden an vielen Orten gebraucht, um sowohl Fussgänger als auch Verkehrsteilnehmer an die vorbeifahrenden Trams zu erinnern. Dies wird auch in Solothurn der Fall sein: Laut Projektleiter Patrick Kissling soll der Verkehr mithilfe von Ampeln zurückgehalten werden, bis das Bipperlisi eine genug weite Strecke zurückgelegt hat, um keine Gefahr mehr darzustellen.

«Mischverkehr hat keinen Einfluss auf die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, jedenfalls solange das Verkehrsmanagement funktioniert. Der Verkehr im System muss störungsfrei laufen», so Karl Vogel, der Leiter Verkehrsplanung der Stadt Bern.

Laut Vogel ist es beim Mischverkehr besonders wichtig, dass der öffentliche Verkehr nicht vom Privatverkehr behindert wird und die Fahrpläne eingehalten werden können. Daher wird in der Stadt Bern wenn möglich eine separate Tram- und Busspur bevorzugt.  Auch müsse der Autoverkehr vor dem Mischverkehrsabschnitt reguliert werden können, damit der Strassenabschnitt im Mischverkehr nicht überlastet wird. Dies ist an der Baselstrasse in Solothurn aber nur bedingt möglich: Eine separate Tramspur ist unmöglich, wenn gleichzeitig auch eine abgetrennte Velospur geplant ist.

Auch in Bern gibt es Strassenabschnitte mit Mischverkehrslösungen. Wichtig dabei: Das Tram hat immer Vortritt.

Wie in Bern werden auch in Zürich Mischverkehrlösungen benutzt, wenn wenig Platz vorhanden ist. Nachteile des Mischverkehrs sind laut dem Kommunikationsverantwortentlichen der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich, Heiko Ciceri, dass sich die Priorisierung des öffentlichen Verkehrs eher schwierig gestaltet.

Ausserdem seien laut Ciceri Einfahrten bei Mischverkehrabschnitten gefährlich, vor allem wenn sie nicht genügend durch Lichtsignale gekennzeichnet sind. Bei Ein- und Ausfahrten bestehe eine erhöhte Kollisionsgefahr, da der lange Bremsweg der Trams unterschätzt werde.

Diese Probleme besteht schon jetzt bei der Baselstrasse. Nur werden die roten Ampeln und die Stoppschilder genauso übersehen wie das knallrote Bipperlisi selbst. So müsste die Signalisierungen um einiges effizienter und klarer werden.

Auch bei der Grimmengasse, die auf der Seite des jetzigen Bahntrassees in die Baselstrasse mündet, ist die Verkehrssituation unübersichtlich. Ein Autofahrer, der sich nicht auskennt, kann leicht vom Bipperlisi erfasst werden: Wenn die Stoppmarkierung überfahren wird, um sich eine bessere Übersicht zu verschaffen, ist das Auto schon halb auf den Gleisen der Bahn. Dieses müsste auch mit einer besseren Signalisierung gelöst werden 

Wie die Sanierung der Baselstrasse jedoch genau aussehen wird, ist noch nicht klar. Bis jetzt liegen noch keine konkreten Baupläne vor. Das Vorprojekt soll diesen Mai veröffentlicht werden, der Baustart wird erst in 2020 erfolgen. (naj)