Schon die serbischen Fans hatten nach ihrem Auftaktsieg hupend ihre Bahnen um Solothurn gezogen, doch am letzten Freitag herrschte dann der Ausnahmezustand: Siegestrunkene Schweizer Fans blockierten den Baseltorkreisel, «und eineinhalb Stunden ging rund um Solothurn nichts mehr. Wir erhielten deswegen Reklamationen sogar aus Zuchwil und Lohn-Ammannsegg.» Doch Stapo-Kommandant Peter Fedeli bleibt gelassen: Mit solchen Verkehrszusammenbrüchen müsse man halt nach bestimmten WM-Spielen rechnen und dies einkalkulieren. «Und irgendwann verleidet es ihnen. Sie wollen ja herumfahren und nicht herumstehen.»

Wo nichts mehr geht

In der Halbzeit stand es für die Schweizer Nati gegen Serbien zwar noch gar nicht gut, doch «fingen wir bereits mit dem Absperren an.» Für Fedeli und sein Korps gilt an solchen WM-Abenden: lieber einmal zuviel als zu spät. Wichtig sei, die Hauptverkehrs- und Rettungsachsen sowie die öV-Routen offenzuhalten. Dagegen werden an sich beliebte Corso-Abschnitte rigoros abgesperrt und das Einsickern von Fans verhindert. «Die Wengibrücke ist nach WM-Spielen ohnehin unsere Rettungsachse»; meint der Kommandant. Doch was halten entfesselte Fans schon von Fahrverboten? Und so bleiben vor allem die Vorstadt auf der Achse Berntorstrasse - Rossmarkt - Niklaus-Konrad- und Schänzlistrasse abgeschottet.

Auf der Altstadtseite dagegen wird vor allem der Amtshauplatz abgeriegelt, dann aber auch der Bereich Wengistrasse und Postplatz, auf der östlichen Altstadtseite wird so das Hinunterfahren zum Ritterquai verhindert. «Und natürlich ist die Altstadt wie immer gesperrt» - hier wird die Stadtpolizei durch die ausgefahrenen Poller am Zeughausplatz und vor dem «SolHeure» wirkungsvoll unterstützt.

Anhalten wird schwierig

Natürlich ist nie alles mit dem Strassenverkehrsgesetz vereinbar, was da auf den Fan-Corsos so abgeht. Die Fussball-Freaks sitzen auf den Rückenlehnen ihrer Cabrios, stehen aufrecht und so natürlich nicht angegurtet in den offenen Schiebedächern und schwingen oft überdimensionierte Fahnen ihrer Lieblinge. Peter Fedeli weiss um die illegalen Bräuche bei solchen Rundfahrten – viel dagegen können er und seine Einsatzkräfte dagegen nicht tun.

«Um fehlbare Fans anzuhalten, fehlt es uns schlicht und einfach an Personal», muss der Kommandant einräumen. Zumal bei den meisten Tatbeständen nicht einfach eine Ordnungsbusse verhängt werden kann, sondern eine Strafanzeige fällig würde. «Und damit wirds kompliziert», so Fedeli. Aber in krassen Fällen habe man das Verfahren schon durchgezogen, und dann wirds je nach Sachverhalt happig. Abgesehen davon gilt natürlich auch bei Fan-Corsos die übliche Promillegrenze....

Nun, neben der Schweiz sind noch vor allem die Fan-Gruppen der Deutschen und Kroaten im Rennen. Die Weltmeister im Hupen, die Azzurri dagegen, die lassen uns diesmal in Ruhe.