«Mögen Sie Clooneys Kaffee nicht?» steht auf einem Transparent von «Adriano’s» im Refektorium des Kapuzinerklosters. Die provokante Botschaft des Berners Adrian Iten fasst zusammen, was die ganze «Authentica»-Messe verkörpert: die Betonung des Selbstgemachten, des Nachhaltigen. Itens Kaffeemaschinen werden von Hand zusammengebaut, die Bohnenplantagen besucht er selbst.

Und damit wirtschaftet er im gleichen nachhaltigen Sinn und Geist wie die übrigen 56 Anbieter von Kunst über Handwerk bis hin zum Kulinarischen. Wissen, woher die Rohstoffe stammen, und wissen, an wen das fertige Produkt geht, lautet die Devise.

Rafael Waber, Projektleiter der Authentica.12

Rafael Waber, Projektleiter der Authentica.12

Im gut bevölkerten Garten bewundert Ursula Konings geflochtene Dekokugeln und erklärt: «So etwas lässt sich maschinell gar nicht herstellen.» Sie lebt nach dem Grundsatz: «Weniger, dafür authentisch.» Doch dies ist nicht ihr einziger Grund herzukommen: «Ich wohne in der Nähe und wollte schon lange hinter die Klostermauern blicken», will heissen: auch in Räume, die bisher der Öffentlichkeit vorenthalten blieben.

Die Geschichte des Klosters fühlen

Die Energie der alten Räume spürt Schneiderin Christine Schönbächler aus Deitingen. Passenderweise ist ihr Stand mit selbst gefertigten Gewändern und Kleidern in der erstmals geöffneten Klosterschneiderei untergebracht: «Dies ist für mich fast schon ein Zuhause», schmunzelt sie und stellt sich vor, «wie die Kapuziner hier ihre Kutten gebügelt haben.»

Raumformer Toni Kaufmann präsentiert seine Arbeit an der Authentica

Raumformer Toni Kaufmann präsentiert seine Arbeit an der Authentica

Ebenso passend stationiert ist Franz Kreienbühl-Ruch vom Archehof Russberg aus dem Napfgebiet. Seine Mostbröckli präsentiert er nämlich in der Klosterküche. Gleich nebendran wird der Besucherstrom auch durch den Duft von Biopoulet zum Bremsen veranlasst.

Dort bietet Franziska Meyer aus Attiswil Probiererli an Bio-Geflügel aus der Pfanne an. Geschlachtet wird auf dem eigenen Hof. Sie spürt, dass der Gegentrend zur Massenhaltung eine Chance darstellt, und ist zuversichtlich: «Die Leute kaufen wieder bewusster ein.» Darüber hinaus habe sie trotz aller Entbehrlichkeiten «immer noch einen der schönsten Berufe».

Geradezu überrumpelt wurde Laura Sasso, die mit ihren Arancini, einer sizilianischen Spezialität, den Geschmack der Besucher getroffen hat. Schnell wird aus dem noch jungen Geheimtipp der frittierten Kugeln ein Renner, und Sasso eilt davon, um Nachschub zu holen: «Wenn jemand herkommt, weil er von meinen Arancini gehört hat, ist das ein wirklich echtes – eben authentisches – Lob.»

«Wir sind auf dem richtigen Weg»

Rafael Waber, «Authentica»-Projektleiter, zeigt sich bereits nach wenigen Stunden zufrieden über den Besucherstrom, ebenso Initiant Urs Bucher, der schon rasch positive Rückmeldungen entgegennehmen durfte: «Aus diesen Reaktionen heraus spüre ich, dass wir mit dem Konzept auf dem richtigen Weg sind.»

Urs Bucher, Initiant der Authentica

Urs Bucher, Initiant der Authentica

Dies dürfte vor allem auch den Sinn und Geist betreffen, der hinter der Messe steht: «Es braucht heutzutage ein Umdenken dahingehend, dass man zu würdigen weiss, was die Region an Produkten hergibt.» Dass die Präsentationsmesse nicht bis Sonntag dauert, erklärt Bucher damit im Übrigen damit, dass gerade für Kleinproduzenten schon drei Tage an der oberen Grenze seien.

Noch heute und morgen ist die «Authentica.12» von 10 bis 19 Uhr für Besucher offen, sei es für einen Blick hinter die Klostermauern, sei es, um eine Antwort auf die in der TV-Werbung herumgereichte Frage «What else?» («Was sonst?») zu erhalten.