Witzig, wohltuend, wortgewandt und temporeich. In etwa so könnte man den Solothurner Kleinkunsttag bezeichnen, der seit zehn Jahren unzählige Liebhaber der darstellenden Künste in die Kultrufabrik Kofmel lockte.

«Ausverkauft!» Dieser Schriftzug war von weitem sichtbar und beruhigte all jene, die ein Ticket in der Tasche hatten. Die Menschenschlangen, die sich vor dem Eingangstor bildeten, waren unübersehbar ein Indiz dafür, dass der Kleinkunsttag zu einem Geheimtipp geworden ist.

In der Kürze liegt die Würze

10 bis höchstens 15 Minuten Zeit hatten die in irgendeiner Beziehung zu Solothurn stehenden Talente, um das Publikum zu beglücken. Zehn Künstler, welche die Kofmel-Bühne auch im Jubiläumsjahr in eine bunte Arena der Superlativen verwandeltem. Üppig sollte es gemäss den Organisatoren werden, und ihr Wunsch ging durchwegs in Erfüllung.

Endlich ist der Weihnachtsstress vorbei und unangenehme Verwandte für ein Jahr wieder aus dem Blickfeld verschwunden, kalauerten Remo Streit und Christoph Stapfer, die mit viel Witz und herrlichen Wortspielen durchs Programm führten.

Fulminant und beeindruckend war gleich zu Beginn das Schlagzeugduell zwischen Andy David, Bandleader der Kanti-Big Band, und dem Schlagzeuger Simon Steiner, der sich durch sein Mitwirken in verschiedenen namhaften Bands einen Namen gemacht hat.

Slam Poetry und Jaz

Mit einem grossartigen Auftritt überzeugte auch Kilian Ziegler, der zu den derzeit erfolgreichsten Schweizer Slam Poeten gehört. Alt bewährt das Randy Wirz Trio mit Randy Wirz am Piano, Martin Albrecht am Bass und Andy David, Drums, das die Zuhörer mit Jazz vom Feinsten in den Bann zog.

Leidenschaftlich die perfekte Tanzeinlage von Romano Solano und Jessica Paradiso, das Schweizer Tanztraumpaar, das sich seit der Kindheit kennt und erst kürzlich den Sprung über die Landesgrenzen hinaus geschafft hat.

Zauberhafte «Nachtigallen»

Ein Höhepunkt des Abends waren sicher auch die Nightingales, die mit ihrem neuen Programm «On Air» und den wunderschönen Stimmen die Kofmehl-Halle verzauberten und in nostalgischen Erinnerungen des Radiohörens schwelgten.

Ungewohnt für die A-Capello Sängerinnen und Sänger waren die zahlreichen Mikrofone, in die sie sich von Zeit zu Zeit verstrickten.

Musikalisch hervorragend auch Daniel Hildebrand, der das Publikum mit seiner Mundharmonika einzunehmen verstand und europaweit bereits mehrere Preise mit nach Hause nehmen konnte.

Von herberer Natur zeigte sich Bluedög Phippu Gerber, der einen Kontrast setzte zum poetischen Höhenrausch der drei biegsamen Luftakrobatinnen in Gelb von Ars volandi. Das mühelose Schweben in der Luft mit dem Vertikaltuch entzückte das Publikum ebenso sehr wie das ergreifende Spiel in den Reifen.

Bichsel und eine Turnstunde

Mit ganz anderen Dingen befasste sich Peter Bichsel in seiner Lesung über die direkte Demokratie und die sich einigelnde Schweiz. Mit Markus Cslovjesek schliesslich war es vorbei mit dem gemütlichen Sitzen auf Stühlen und Bänken.

«Aufstehen» hiess es, Arme schwingen und in die Hände Klatschen. Eine spassige «Turnstunde» mit dem Musikpädagogen, der weiss, wie man Menschen dazu bringt sich zu bewegen. Ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm, das mit seinen verschiedenen Inszenierungselementen die Lust auf mehr weckte.