Willkommen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit, der in Solothurn Jahr für Jahr vom 13. Januar bis Aschermittwoch gastiert. Leicht beleidigt – oder: niederschwellig betupft – sind aber nicht nur jene, deren Gringe als Pappmaché-Karikatur unfreiwillig von einem Umzugswagen herunterglotzen (nicht zu verwechseln mit strassennaher Wahlwerbung). Oder deren Verfehlung von 2016 überzeichnet in einer Fasnachtszeitung breitgeschlagen wird. Oder denen Schnitzelbänkler einen sauglatten Vierzeiler widmen.

Wenn in Solothurn im Februar bereits die Mimösli blühen, dann sind oft Fasnächtler selbst gemeint, dünnhäutig und alles mit Entrüstung oder Trotz strafend, was ihnen an den Karren fährt – den Umzugskarren zum Beispiel. Sei es, dass nicht lückenlos alle Umzugsnummern mit gleicher Inbrunst gewürdigt werden. Oder dass man es wagt, das Fasnachtsmotto linguistisch zu hinterfragen. Oder dass man der Schnitzelbankgruppe X weniger Lobhudelei zukommen lässt als der Gruppe Y. Als würde ein Briefmarkensammler Anerkennung für sein Hobby einfordern: «Mit deiner Tätigkeit leistest du einen unschätzbaren kulturellen Beitrag zugunsten der Öffentlichkeit. Mercischön.» Richtig wäre: «Wenn du keinen Spass daran hast und nur ein Merci willst, dann lass es bleiben.»

Aber eben: Die Fasnacht ist eine todernste Sache, ein Minenfeld, auf dem man nur eiertanzend überlebt, ein Regelwerk, das eigentlich die Befreiung von Regeln zum Ziel hat. Ausserdem ist hier das Austeilen – wie auch ausserhalb der närrischen Zeit – um Längen einfacher als das Einstecken.