Kunstmuseum Solothurn
Ausstellung zeigt Überblick über Otto Morachs Schaffen

Das weitgehend unbekannte zeichnerische Werk von Otto Morach gilt es neu zu entdecken. Eine Ausstellung im Kunstmuseum machts möglich.

Simon Baur
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Otto Morachs «Tambour», Entwurf für die Holzfigur des Marionetten-Balletts «La boîte à joujoux», 1918.

Otto Morachs «Tambour», Entwurf für die Holzfigur des Marionetten-Balletts «La boîte à joujoux», 1918.

Das Medium der Zeichnung findet im Kunstmuseum Solothurn seit Jahren besondere Beachtung. Nach Ausstellungen zum zeichnerischen Werk von Cuno Amiet, Giovanni Giacometti und Félix Vallotton, ist jetzt in den Kabinetträumen ein Überblick über Otto Morachs Schaffen zu sehen.

Suche nach eigenem Weg

Der gebürtige Solothurner ist, wie die Ausstellung an zahlreichen Beispielen treffend illustriert, ein Vermittler zwischen den Zeiten. Sein Frühwerk, vor allem Landschaften, zeigt, wie agil er sich im Spannungsfeld von Postimpressionismus und Symbolismus bewegt.

Die dargestellten Motive sind auf Anhieb erkennbar, mit Farben und Formen entwickelt er jedoch eine Spannung und Dynamik, die seine Kunst in die Nähe von Cuno Amiet und das Spätwerk von Giovanni Giacometti rückt.

Doch Otto Morach steht erst am Anfang. Auch seine weitere künstlerische Entwicklung ist von einem unentwegten Suchen geprägt. Und auch dies ist für seine Zeit nicht untypisch, der Weg hin zur Abstraktion war steinig und von Umwegen geprägt.

Wie sich seine Suche vollzieht, zeigt sich in Morachs frühen Baumstudien. Der Stamm und die daneben stehende Person erscheinen in den Bleistiftschraffuren nur flüchtig hingeworfen.

Wie er von einem Zentrum nach Aussen arbeitet, vieles nur andeutet und offenlässt, das erinnert an Paul Cézannes Zeichnungen

Er, der wichtigste Wegbereiter der Abstraktion, löst die klassische Bildkomposition auf und schafft in seinen Bildern eine Art Puzzle aus benachbarten Farbklängen, die schliesslich ein Motiv ergeben.

Erinnern an Cézanne

Otto Morach greift dies Mitte der 1910er-Jahre auf und verfährt auf seine Weise ganz ähnlich, wenn er die kristallinen Formen expressionistischer Malerei mit der Dynamik des Futurismus kombiniert.

Die Zeichnungen, die an Cézanne erinnern, entstehen im Sommer 1913 im Basler Jura, anlässlich eines Aufenthalts mit dem Basler Maler Fritz Baumann, dem Begründer der Künstlergruppe «Das Neue Leben», der neben Morach auch Hans Arp und Sophie Taeuber angehörten.

Launisch schreibt Otto Morach von diesem Aufenthalt im Jura: «Die Hitze ist schon gross/ Mit dem Malen geht’s famos/ Wir cub- und futuristen / helfen daneben auch misten.» Das Zitat unterstreicht, wie bewusst ihm sein Suchen war.

Die Ausstellung besticht durch exzellente Leihgaben und eigene Bestände und der Möglichkeit, Holzschnitte, Zeichnungen und Ölgemälde simultan nebeneinander zu sehen. Man entdeckt hier einen völlig neuen Morach, der bis anhin unbekannt war.

Wie Sophie Taeuber für «König Hirsch», entwirft auch Otto Morach 1918 Figuren und ein Bühnenbild für das Marionetten-Ballett «La boîte à joujoux». Das Stück wurde damals nicht gezeigt, erst 1987 fand zur Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstags des Künstlers im Kunstmuseum Solothurn die Uraufführung statt.

Das Werk weist Parallelen zu Strawinskys «Histoire du Soldat» auf und unterstreicht wie nah Morach, trotz oder aufgrund seines Suchens, am Puls seiner Zeit war.

Otto Morach. Arbeiten auf Papier. Kunstmuseum Solothurn. Bis 31. Januar 2016. www.kunstmuseum-so.ch. Zur Ausstellung erscheint bei Scheidegger & Spiess ein umfassender Katalog.

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