Naturmuseum Solothurn
Ausstellung will Denkanstösse für den Einkaufszettel geben

Eine Sonderschau im Naturmuseum Solothurn thematisiert die Klimathematik in Form einer Shoppingmeile. Sie soll zum Nachdenken anregen, soll allerdings keinen Mahnfinger darstellen.

Andreas Kaufmann
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Konsum steht im Zentrum der Ausstellung
18 Bilder
Herr Kalbfleisch und Mister Rüebli streiten darum, wer klimafreundlicher ist
Elektroschrott und nachhaltige Textilproduktion als weitere Themen der Ausstellung
Das eingepackte Schrottbündel zeigts - Soviel Elektroschrott verursacht eine fünfköpfige Familie pro Jahr
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Am Energierad lassen sich die unterschiedlichen Energieträger von ihrer Verfügbarkeit, ihren Vorzügen und Nachteilen und von ihrem Energiewert vergleichen
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Der Hamster produziert seinen Strom selbst
Der Zug - ein CO2-freundliches Gefährt
Sonderausstellung im Naturmuseum Solothurn: «Erdbeeren im Winter – ein Klimamärchen»
Die Konferenz der Vögel brütet über der Frage, wie sie in eine Zukunft geht, in der sie keine Federn lassen muss
Die Konferenz der Vögel brütet über der Frage, wie sie in eine Zukunft geht, in der sie keine Federn lassen muss
Das Murmeltier erhebt schwere Einwände gegen den Verkehr vor seiner «Haustüre»
Der Igel wird politisch
Kurbeln, was das Zeug hält
Ein ernstes Thema - die Klimaerwärmung - wird auch humoristisch aufgearbeitet

Konsum steht im Zentrum der Ausstellung

Andreas Kaufmann

Man wähnt sich geradezu im Einkaufscenter – hier im Untergeschoss des Naturmuseums Solothurn. Gemüse präsentiert sich in Regalen, jegliche Fleischsorten werden präsentiert, und sogar eine Zoohandlung findet der Besucher neuerdings. Aber dort, wo man eigentlich die Preisschilder vermuten würde, stehen stattdessen Kilowerte. Es sind «Kosten», die in Form von Treibhausgasen – vorderhand CO2 – zu Buche schlagen und die der Erdenbürger seinem Zuhause zumutet: Ab heute Donnerstag wendet sich das Naturmuseum nämlich in der Sonderausstellung «Erdbeeren im Winter – ein Klimamärchen» der Frage zu, wie gross der Handlungsspielraum für den Einzelnen ist, den bedenklichen klimatischen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Ausstellung ohne «Mahnfinger»

Die Wanderausstellung, die bis 25. August in Solothurn gastiert, wurde vom Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern und der Expoforum GmbH erdacht und realisiert. Dass mit der Ausstellung fast ein politisches Statement «mitausgestellt» wird, dessen ist man sich sowohl bei den Machern, als auch im Naturmuseum bewusst. Ungeachtet einer breit geführten Klimadebatte zwischen Akzeptanz und Skepsis hält sich die Ausstellung aber mit einer eindeutigen Positionierung zurück: «Sie soll lediglich zum Nachdenken anregen und stellt keinen ‹Mahnfinger› dar», verdeutlicht auch Museumspädagogin Joya Müller. Dass aber in Sachen Konsum ein Handlungsbedarf bestehe, «dahinter stehen wir.»

Darüber hinaus geht die Ausstellung nicht explizit auf die Klimadebatte ein und stellt auch nirgends den wissenschaftlich akzeptierten Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und Erderwärmung in den Vordergrund. Stattdessen setzt die Sonderschau beim Konsum an und macht mit den Mitteln moderner Museumsdidaktik Vergleiche möglich.

Bei Erdbeeren siegt «Swissness»

Unumstritten ist beispielsweise, dass die «Wintererdbeeren», die der Ausstellung ihren Namen gaben, in der CO2-Bilanz nicht sonderlich gut abschneiden. Auf Kissen gebettete Modelle zeigen in der Ausstellung die Mengenverhältnisse auf: Für ein Kilogramm Kohlendioxid gibts für Ungeduldige schon vor der Saison via Schifftransport 2,6 Kilo ägyptische Erdbeeren oder per Lastwagen 2,8 Kilo aus Spanien. Wer sie bereits im Winter möchte, kriegt bei gleicher Emission 50 Gramm aus Südafrika per Flieger angeliefert. Dagegen gibts in der Saison für ein Kilogramm CO2 satte 6,5 Kilo Schweizer Erdbeeren.

In vielen Vergleichen werden weitere Lebensmittel auf ihre «Klimaverträglichkeit» abgeklopft. So erfährt man, das für die Produktion und den Transport eines Kilos Kalbfleisch rund viermal mehr Treibhausgase anfallen als bei Schweinefleisch. Insgesamt zeigen die Vergleiche: Das Produkt, Anzahl an Produktionsschritten, Transport und Verpackung spielen allesamt eine Rolle. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Fair-Trade-Rohrzucker aus Paraguay trotz grauer Transportenergie klimafreundlicher abschneidet als ein heimischer, konventioneller Rübenzucker; gerade weil viele Faktoren zusammenwirken.

An der Konferenz der Tiere

Doch klimasensitives Einkaufen geht bei dieser Ausstellung nicht nur durch den Magen. Auch Themen wie Elektroschrott, nachhaltige Textilproduktion, Reisegewohnheiten oder Mobilität im Allgemeinen werden fokussiert. Spannend auch das Energierad, das die unterschiedlichen Energieträger hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit, ihrer Vorzüge und Nachteile und ihres Energiewerts vergleicht. Trotz der ernsthaften Thematik fehlt der Sonderschau aber auch der humoristische, fast sarkastische Anstrich nicht. So debattiert eine Vogelschar an ihrer eigenen Klimakonferenz über die Zukunft unserer Erde. Und auch Igel, Murmeltier und Co. melden sich kritisch über das Vordringen des Menschen zu Wort. Der eigens für die Wanderausstellung produzierte Trickfilm «Der Planet der Ziemlichschlauen» rundet die Sonderschau schliesslich ab. Er zeigt, wie mit der Entdeckung des Feuers das Streben nach Fortschritt entzündet wurde – und weiterlodert bis zum heutigen Tag.

Vernissage ist heute Donnerstag ab 18.30 Uhr im Naturmuseum. Es spricht Andrea Burkhardt, Abteilungsleiterin Klima beim BAFU. Der Eintritt zum öffentlichen Anlass ist frei.