Zentralbibliothek
Ausstellung des Solothurner Tonarchiv ermöglicht Zeitreise in die Siebziger

Eine Veranstaltung der «Gesellschaft der Freunde der Zentralbibliothek Solothurn» beleuchtet das solothurnische Tonarchiv – einen aussergewöhnlichen Bestandteil der hiesigen Datensammlung.

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Die Ausstelllung des Solothurner Tonarchivs findet am Dienstag in der Zentralbibliothek statt.

Die Ausstelllung des Solothurner Tonarchivs findet am Dienstag in der Zentralbibliothek statt.

Andreas Kaufmann

Das solothurnische Tonarchiv ist ein besonderer Bestandteil der Datensammlung der Zentralbibliothek Solothurn. Es ist 1973 von Hans-Rudolf Dürrenmatt angelegt worden, dem Gründer und ersten Leiter der Musikbibliothek der Zentralbibliothek. Er hat damals mit einem Revox-Gerät systematisch solothurnische Konzertaufführungen und Radiosendungen über den Kanton Solothurn aufgenommen – oft, wenn die Sendungen spät in der Nacht programmiert waren, und hat die Tondokumente in Zettelkatalogen erschlossen.

Die Bandbreite der Themen ist gross: Konzerte mit Kompositionen von Hans Huber, Sendungen zu Geburtstagen wichtiger Solothurner, wie zum Beispiel zum 50. Geburtstag von Peter Bichsel, Hörspiele und viele andere Trouvaillen mehr.

Einige Jahre nach Dürrenmatts Rücktritt musste der weitere Ausbau des Tonarchivs aus Kapazitätsgründen aufgegeben werden. Die Zentralbibliothek hat die 122 Tonbänder in den letzten Jahren von der Schweizer Landesphonothek Lugano digitalisieren und inventarisieren lassen. Sie sind nun Bestandteil des Angebots an klingenden Dateien der Hörstation in der Halle.

Bewahrer und Vermittler

Eine Veranstaltung vom Dienstag Dienstag, 20 Uhr, in der Eingangshalle der Zentralbibliothek würdigt diese Sammlung. Nach einem Grusswort des Präsidenten der Gesellschaft der Freunde der Zentralbibliothek Max Flückiger folgt ein Kurzbeitrag von Hans-Rudolf Dürrenmatt selbst und von Verena Bider, der Direktorin der wissenschaftlichen Bestände und Sammlungen.

Hans-Rudolf Dürrenmatt studierte in Bern Musikwissenschaft, deutsche Literatur und allgemeine Geschichte und besuchte an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst die Dirigentenklasse von Hans Swarowsky. In den Jahren 1965 bis 1968 erfasste er für das Internationale Quellenlexikon der Musik (RISM) die vor 1800 publizierten Musikdrucke in Schweizer Bibliotheken. 1967 promovierte er in Bern bei Arnold Geering. Anschliessend erforschte er als Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds an der New York University bei Jan LaRue die thematische Differenzierung in Sinfonien des 18. Jahrhunderts.

Die wissenschaftliche Tätigkeit bildete fortan das eine Standbein seines Wirkens: Dürrenmatt war zunächst Lehrbeauftragter, seit 1984 Titularprofessor für Musikwissenschaft an der ETH Zürich. Das zweite Standbein war die bewahrende und vermittelnde Tätigkeit. 1971 wurde Hans Rudolf Dürrenmatt Leiter der neu eröffneten Musikabteilung der Zentralbibliothek Solothurn. Unter anderem gehörte der Aufbau eines «Solothurnischen Tonarchivs» zu seinen Aufgaben.

Sein Engagement für die Erhaltung der Tonquellen hat jedoch nicht nur in Solothurn Früchte getragen: Im Jahre 1976 wurde er von der Pro Helvetia mit einer Projektstudie für die Einrichtung einer schweizerischen Landesphonothek beauftragt. Mit seiner Studie trug er massgeblich dazu bei, dass die Institution gegründet werden konnte. Ab 1981 war er als Leiter des Bereichs «Dokumentation und Archive» bei Schweizer Radio DRS im Studio Bern tätig. Schliesslich war er 1990 Gründungsmitglied der Ländergruppe Deutschland/Deutschschweiz der Internationalen Vereinigung der Schallarchive. (szr)

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