Velofestival

Aussteller lassen sich an den Bike Days für neue Technologien inspirieren

Das Velofestival der Schweiz kam heute ins Rollen. Abseits der Wettkämpfe lockt die Velo-Expo Besucher mit Produkten und mit Gelegenheiten zum Ausprobieren. Aussteller erfahren an den Bike Days mehr über die Bedürfnisse ihrer Kunden.

Walter Zingg macht es vor: Aus Wangen hergeradelt ans grösste Velofestival – und dann wieder retour. Für den 76-jährigen dreht sich alles ums Zweirad – und heute, am Starttag der Bikedays, ganz besonders. «Ich wollte mir zwei Marken genauer anschauen kommen.»

Wer wie er täglich mindestens 25, manchmal auch 50 oder 100 Kilometer, per pedales zurücklegt, will gut ausgerüstet sein. Abseits des «Sprungschanzengrabens», wie er derzeit heissen könnte, interessiert sich Zingg vor allem für die Velo-Expo. Selber in die Pedale treten statt nur zuschauen, lautet die Devise.

Thomas Eberle, Produktionsleiter und OK-Mitglied der Bike Days erklärt, was es braucht, damit alle Stände richtig stehen

Thomas Eberle, Produktionsleiter und OK-Mitglied der Bike Days erklärt, was es braucht, damit der Anlass reibungslos über die Bühne gehen kann.

Ein Velodrom in klein

Mitmachen ist – der Name gibts vor – vor allem in der Active Zone angesagt. «Hast Du mir einen ‹17›-Schlüssel?», schallt es vom Pump-Track herüber. «Na klar», antwortet Robert Wehner vom Förderverein «Bike Platform», während Werkzeug durch die Luft fliegt. Man hilft einander aus. Und ausserdem ist die eigene Konstruktion schon für den Ansturm bereit: ein Mini-Drome. «Wie ein grosses Velodrom, nur in klein», erklärt Nora Berg kurz und bündig.

Kriegt man da die Kurve? Eine Frage, die zwangsläufig aufkommt: «Aber sicher», meint Berg schmunzelnd. «Mindestens eine Runde schafft jeder. Sogar wir.» Seit fünf Jahren ist der ehrenamtliche Verein in Solothurn dabei. «Es macht enorm Spass, hier zu sein», schwärmt Berg. «Und ich kenne keine Jugi, die so schön ist wie die hier in Solothurn.»

In besonderer Mission ist auch «Velafrica» unterwegs. Die Institution aus Bern sammelt ausgestaubte Drahtesel, macht sie fahrtüchtig und schickt sie dann nach Afrika. Dies schafft Integrationsarbeitsplätze in der Schweiz; ebenso gibt es so in den Ankunftsländern Arbeit, konkret auch Ausbildungsplätze für Velomechaniker.

An den Bikedays dürfte die Institution aber insbesondere wegen der sportlichen Herausforderung locken: Wer eine Strecke von sechs Metern am langsamsten fährt, gewinnt. Nicht so einfach, denn rückwärtsfahren oder hüpfen gilt nicht. «Am Urban Bike Festival gab es einen Jugendlichen, der blieb fast eine halbe Stunde im Sattel», weiss Programmleiter Matthias Maurer.

Präsenz ist wichtig

Zum zweiten Mal dabei ist die Jobfactory aus Basel. Zwar wirtschaftlich orientiert, setzt sich das in unterschiedlichen Branchen tätige Unternehmen soziale Ziele. Jährlich werden 200 Jugendliche ohne Arbeit und Ausbildung hier als Praktikanten für eine Lehre vorbereitet. Seit drei Jahren ebenfalls im Angebot: E-Bikes unter dem Markennamen Veo. «Die Praktikanten helfen bei der Montage der Bikes tatkräftig mit», so Urs Müller, Leiter von Veo Bikes. «Die Präsenz hier ist uns sehr wichtig.» So gehe es darum, die Marke aufzubauen, ebenfalls aber den Kontakt zu Branchenmitstreitern und zu Endkunden zu stärken.

Sonst kaum mit Endkunden im Kontakt ist die Firma Fuchs-Movesa AG. Sie ist Vertreterin der Firma Shimano, die lediglich Komponenten herstellt. Sie steht vor allem mit anderen Fachpartnern der Branche in Kontakt: «Genau deshalb ist es uns ein Anliegen, an Orten wie den Bikedays die Ohren für die Bedürfnisse der Endkunden zu spitzen», sagt Niklaus Koller, Product Manager bei Fuchs-Movesa. Entsprechend hat er auch den Riecher für Trends.

Während E-Bikes schon längst nicht mehr als Randsparte im Velogeschäft zählen, sind seit einigen Jahren auch elektronische Schaltungen auf Vormarsch und werden derzeit langsam breitentauglich. 4'000 Kilometer hält eine Batterie hin, erklärt Koller – natürlich nur fürs Schalten, nicht fürs Treten. «Aber die Schaltperformance ist besser: schneller und genauer.» Gerade Velofahrer, die auf eine Pulskontrolle bedacht sind, können von der Technologie profitieren.

Die Velo-Expo zeigt sich abermals als Spiegel der technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Trends, aber auch der Weltanschauungen. Die Digitalisierung hält auf dem Tacho ebenso Einzug wie bei der Erfassung biometrischer Fitnessdaten.

Die Elektronik auf der anderen Seite hilft beim Fahren und Schalten mit. Doch es gibt sie noch, die Verfechter der Muskelkraft: «Wir fahren nach wie vor ohne Motor», meint eine Besucherin im Vorbeigehen. Und ihr Begleiter erwidert schmunzelnd: «Nur wer ohne Motor auf den Berg kommt, hat sich oben auch ein Bier verdient ...»

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