Stadtpräsidiumswahlen
Ausser SPesen nichts gewesen

Eine Analyse zum schon fast desaströsen Abschneiden der SP-Herausforderin von Kurt Fluri.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
Merken
Drucken
Teilen
Franziska Roth (SP) hat am Sonntag 1922 Stimmen geholt.

Franziska Roth (SP) hat am Sonntag 1922 Stimmen geholt.

Hansjörg Sahli

Vierzigtausend Franken. 40'000. Soviel haben sich die SP und Franziska Roth ihr Abenteuer kosten lassen. Das Abenteuer «Erstürmung des Stadtpräsidiums» hat viel gekostet – und wenig gebracht.

Mit 1300 Stimmen weniger als Stadtpräsident Kurt Fluri kann kaum mehr ein Achtungserfolg reklamiert werden. Das Rütteln am Denkmal Fluri hat nichts gebracht, ausser einer Erkenntnis: So holt sich die SP den Sessel an der Baselstrasse 7 nie und nimmer.

Juniorpartner steht abseits

Warum die SP? Da fängt das Malheur an. Die 1922 Stimmen von Franziska Roth entsprechen fast auf die Stimme genau dem Gesamtresultat von Klaus Koschmann (SP) und Marguerite Misteli (Grüne) von 1993. Nur dass Kurt Fluri damals noch über 3400 Stimmen holte. Die Geschichte wird nur bemüht, um aufzuzeigen, dass das Linkslager in Solothurn als solches einfach nicht funktioniert. Hätte dieses nämlich ernsthaft Kurt Fluri vom Thron stossen wollen, wäre ein ganz anderes Vorgehen nötig gewesen. Denn die Kandidatin dafür, die hätte es gegeben. Sie ist jetzt Regierungsrätin.

Sie wusste genau, warum sie nicht gegen «KuFlu» antreten wollte. Da kann man nur den Ruf als ewige Verliererin zementieren. Clever. Doch die Karte Brigit Wyss wurde nie ernsthaft erwogen, ja gezogen. Schon gar nicht von der SP. Früh, noch im Winter, brachte sich Franziska Roth keck in die Position der Herausforderin.

Die Grünen behandelte man beim Sturm auf die Baselstrasse als Juniorpartner. «Bittschön, macht mit!» – ansonsten hatten sie nichts zu melden. Das wurde damals in grünen Kreisen nicht goutiert. Nun holte Heinz Flück 2405 Stimmen in der Vizewahl, fast 500 mehr als Roth. Das Linkslager stimmte geschlossen für den Grünen – aber nicht für die SP-Frau.

Kurt Fluri wird zum siebten Mal Stadtpräsident
6 Bilder
Franziska Roth gratuliert Kurt Fluri Fluri holte 63% der Stimmen, Roth deren 37%.
Stadtschreiber Hansjörg Boll verkündete das Ergebnis
Zum siebten Mal zum Stadtpräsident gewählt: Fluri freut sich über seine Wahl
Franziska Roth im Interview mit dem Regionaljournal Aargau/Solothurn
Die Vizepräsidiums-Kandidaten Heinz Flück (Grüne) und Pascal Walter (CVP) Weil Pascal Walter im 1. Wahlgang das absolute Mehr knapp nicht erreichte, braucht es einen 2. Wahlgang.

Kurt Fluri wird zum siebten Mal Stadtpräsident

Hansjörg Sahli

Rotes Kastendenken

Bei den Bürgerlichen war für sie ohnehin nichts zu holen – ausser bei zwei, drei Exponenten, die mit Fluri nicht klarkommen. Die SP verfügt zwar über etliche Leute, die sehr engagiert, aber unelastisch politisieren. Sind sie doch dem sozialdemokratischen Kastendenken zutiefst verhaftet. Oft aus dem Bildungs- und Erziehungsbereich stammend, stehen sie auch gesellschaftlich für einen Zirkel, der sich von vielem, was Solothurn ausmacht, distanziert. Vereinsleben? Bünzlige Vereinsmeierei! Verbindungen? Ein reaktionärer Hort des Spiessbürgertums! Fasnacht?

Aus der Distanz unkostümiert belächelt. Dabei gibt es Hunderte von Fasnächtlern, die Wählerinnen und Wähler sind. «Polo», so der Studentenname von Kurt Fluri, hat in der «Wengia» einen treuen Rückhalt. Genauso im Umfeld der Stadtmusik, deren Präsident er war. Bleibt noch der «Kulturkuchen». Durchaus ein SP-Terrain. Hat aber Kurt Fluri bereits besetzt. Der 400-köpfige Verein Freunde des Stadttheaters dürfte ihrem «Haus-Sanierer» kräftig den Rücken gestützt haben.

Dann gabs noch 54 Prozent Stimmberechtigte, die sich einen Deut um Fluri noch Roth scherten. Immerhin 5500 potenzielle SP-Wählerinnen und Wähler. Doch sie bewegten sich nirgendwo hin. Trotz einem Aufwand von 40 000 Franken und viel eingesetzter human Power wie Telefonanrufen. Die SP muss erkennen, dass ihr Parteiprogramm und Machtgelüste allein nicht reichen, um Wahlen zu gewinnen. Dazu braucht es breit abgestützte, für alle Kreise wählbare und in vielen Kreisen bekannte Köpfe. Die hat derzeit (und auch in vier Jahren?) die SP so wenig wie die FDP. Aber die hatte wenigstens Kurt Fluri.

wolfgang.wagmann@azmedien.ch