Altes Spital

Ausländerorganisationen im Alten Spital feiern ein farbiges Jubiläum

Tanz, Folklore, Gesang und Emotionen prägten das Jubiläumsfest der Ausländerorganisationen im Alten Spital von Solothurn. 40 Jahre sind vergangenen, seit sich junge Italiener, Spanier und Portugiesen in Vereinen zusammenschlossen.

In ihren Vereinen retteten sie ein Stück Heimat in die «Neue Welt» hinüber. Im Verein lernten Neuankömmlinge, wie man sich im Alltag des Gastlandes benehmen muss, um nicht anzuecken, wie man Formulare ausfüllt und mit den Behörden den richtigen Ton findet. Dass ausgerechnet das Alte Spital die Gastarbeiter aufnahm, war kein Zufall. Das alte Gemäuer hatte schon immer Zuwanderern und Minderheiten Unterschlupf geboten.

«Ich war 14 Jahre alt, als ich in die Schweiz kam», erzählt Santiago Pérez, der als Kassier der «Asociacion de Familia y Padres de Alumnos» tätig ist und heute als Rentner zwischen Spanien und Solothurn hin und her pendelt. Ihm tun es noch andere gleich, die in ihr Ursprungsland zurückgegangen sind, um dort ihren Lebensabend zu geniessen. Ein-, zwei- oder dreimal pro Jahr kommen sie zurück und verbringen ihre Abende im spanischen Klublokal im dritten Stock des Begegnungszentrums. «Wenn man wie ich 46 Jahre in der Schweiz verbracht hat, kehrt man immer wieder zurück, zumal auch die Kinder hier geblieben sind», sagt Pérez, der zu spüren bekommt, dass er nun auch in seiner Heimat «ein Ausländer ist». Früher habe der Verein, der für Schulbücher aufkommt und Landsleuten Reisen ermöglicht, 50 Mitglieder gezählt, «heute sind es noch 32». Die zweite und dritte Generation verbringe die Wochenenden längst im «Kofmehl» und sei nicht mehr wie die Grossväter und Väter auf das Vereinslokal angewiesen. Im Klublokal wimmelt es dagegen von Schweizern, die die herzliche Atmosphäre und die südländische Lebensart geniessen. Von den einst 15, oft auch politisch geprägten Ausländerorganisationen sind fünf übrig.

Einrenken bei einem Glas Wein

«Trotzdem», sagt Eva Gauch, derzeitige Betriebsleiterin des Alten Spitals: «Ohne die Ausländerorganisationen wäre es in unserem Haus nicht so bunt, lebendig, und lustig.» Die Menschen aus anderen Kulturen hätten Spuren hinterlassen und selbst wenn die Stimmung oft zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt schwanke und die Emotionen hoch gingen: «Bei einem Glas spanischem Wein lässt sich alles wieder einrenken.» Und: «Wenn die tamilischen Kinder nach dem Sprachunterricht die Treppe hinauf und hinunter rennen, während im Raum nebenan ein Seminar stattfindet, erfüllt das Haus voll und ganz seinen Zweck.»

«Brücken-Bauer»

Viel Herzlichkeit bekam auch der ehemalige Betriebsleiter des Hauses, Jürgen Hofer, zu spüren, der in einer kurzen Ansprache seine ehemaligen Gefährten begrüsste. «Ihr seid in die Schweiz gekommen, um Brücken und Strassen zu bauen und unsere Häuser zu verschönern. Ohne euch wäre dies nicht möglich gewesen», richtete Hofer seine Dankesworte an Menschen, die in der rauen Berufswelt und im Alltag nicht immer gastfreundlich empfangen wurden und deren Offenheit und Art Feste zu feiern oft missverstanden wurde.

«Im Gegensatz zu den nach aussen gerichteten Südländern der ersten Stunde haben wir es heute auch mit Kulturen zu tun, die sich gegen aussen verschliessen», analysiert Gauch die gegenwärtige Situation. «Das sorgt für ständige Veränderungen, deren Ausgang wir noch nicht kennen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1