Derzeit schliesst im Raum Solothurn ein Nachtclub nach dem anderen seine Türen. Ende April fand im «Besenval» die letzte Party des «Palais Club» statt. Im gleichen Monat verabschiedete sich der Anlass «Zellstoff», der das Industrieareal in Attisholz in einen Partytempel verwandelte.

Nun hat es sich bald auch im Solothurner «Volkshaus» ausgetanzt. Dessen Festsaal war seit fünf Jahren eine beliebte Destination für zahlreiche Nachtschwärmer. Jetzt sei der Mietvertrag abgelaufen, berichtet Kevin Rickli, Veranstalter der Partys im «Volkshaus». Nach dem zweiten Juli ist Schluss.

Die Pause ist aber voraussichtlich nur von kurzer Dauer. Rickli: «Der Vertrag wurde unter anderem nicht verlängert, da wir nach einer neuen Herausforderung streben.» Die Veranstalter sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe, damit die schlaflosen Nächte sehr bald fortgesetzt werden können. Jedoch sei dies in Solothurn sehr mühsam. «Viele wollen ihre Räumlichkeiten nicht an Partyorganisatoren vergeben», so Rickli. Besitzer würden ihre Räume lieber als Lager verwenden oder sie Vereinen zur Verfügung stellen.

Markus Moerler, Club-Mitbegründer des ehemaligen «Eleven», klagt über ähnliche Probleme. Die Kündigung des Vertrages durch die Vermieter führte vor zwei Jahren zur Schliessung des bekannten Nachtclubs an der Fabrikstrasse in Solothurn. Mit verantwortlich dafür waren Reklamationen seitens der Anwohner. Auch Olcay Oruc Sahin, Veranstalter des «Palais Club», erlebte dieselben Probleme: «Der «Palais Club» verwandelte sich innert kürzester Zeit zu einem Publikum-Magnet. Jedoch reklamierten die Anwohner aufgrund von Lärmbelästigungen», sagt er. Zusätzlich sei das Gebäude suboptimal für publikumsintensive Nutzung gewesen. Diese Probleme hätten zum Schluss die Schliessung des beliebten Partytempels an der Solothurner Aare zur Folge.

Keiner will investieren

Die sich nach und nach verabschiedenden Nachtclubs machen den Anschein, dass die Entwicklung des Solothurner Nachtlebens harzig verläuft. Das Problem sei teilweise auch regional bedingt, so Markus Moerler: «Die Clubs in den Grossstädten wie Zürich haben viele Sponsoren.» Diese seien aber nicht bereit, in eher kleineren Städten wie Solothurn Fuss zu fassen. «Uns fehlt auch die Unterstützung der Investoren, da niemand ein Risiko eingehen will», sagt der Veranstalter, der nach der Schliessung des «Eleven» ein neues Projekt startete.

Auf dem Attisholz-Areal in Riedholz führte er vom Dezember letzten Jahres bis zum Frühjahr sechs mal den Anlass «Zellstoff» durch. Im Underground-Club dominierten die Musikrichtungen House, Electro und Deep House. Jedoch sei diese Probephase nun vorbei. «Die sechs Events verliefen super und theoretisch würde ich diesen Anlass weiterführen wollen», so Moerler. Auch Lothar Kind, Geschäftsführer der Attisholz Infra AG erwähnt, dass das Resultat der Testphase für beide Seiten positiv sei: «Zellstoff war ein beidseitiger Versuch und was wir vereinbart haben ist nun abgeschlossen», so Kind.

Der Geschäftsführer würde einen permanenten Party-Betrieb grundsätzlich unterstützen. Solche Veranstaltungen jedoch würden hohe Ausgaben mit sich bringen. «Wann oder ob es eine Fortsetzung gibt, steht noch offen. Wir brauchen eine bestimmte Zeit, um darüber nachzudenken», sagt Lothar Kind. Auch Moerler ist sich der finanziellen Herausforderungen bewusst: «Auch wenn man eine passende Location findet, ist es schwierig, ein langfristiges Projekt zu starten, da man unzählige Sicherheitsvorschriften und zusätzliche Ausgaben beachten muss.» Diese seien ohne finanzielle Mittel eine Hürde für den Veranstalter. Bedauerlicherweise sei die fehlende Unterstützung der Investoren besonders in Solothurn ein ernsthaftes Problem.

Das «Eleven» kannte jeder

Die mangelnde Unterstützung löste bei Markus Moerler schon vor zwei Jahren Kopfschütteln aus. Nach der Kündigung des Vertrags durch den Vermieter konnten er und sein Partner Olcay Sahin keine neue Bleibe für das damalige «Eleven» finden. «Unser Bekanntheitsgrad war sehr hoch, da wir acht Jahre lang für eine super Party sorgten. Dennoch hatten die meisten Gebäudeeigentümer andere Pläne», so Moerler. Der Veranstalter Kevin Rickli, der mit denselben Problemen kämpft, lässt sich nicht entmutigen. «Bis Sommerende ist eine Tanzpause eingeplant». Danach werde es mit den langen Partynächten hoffentlich erneut weitergehen.

Arbeit, Glauben – und Party

Nur schon der Gedanke an den hohen Lärmpegel einer Party löst bei Kritikern Kopfschmerzen aus. Sportvereine oder kulturelle Angebote seien doch eine Alternative, meinen viele. «Diese sind sich nicht bewusst, dass auch der Besuch von Nachtclubs zum sozialen Leben gehört», so Moerler. Er beschreibt Partys als extrem wichtigen Treffpunkt für Jugendliche, die dort jeweils einen bedeutenden Teil ihrer Freizeit verbringen. Auch Olcay Sahin ist dieser Meinung: «Partys sind ein elementarer Teil der Kultur wie Sport, Arbeit und Glauben.»

In einer von Social Media und TV-Serien beherrschten Zeit, die viele Menschen vereinsamen lässt, haben Partys eine wichtige Bedeutung, so Sahin. Er habe bereits einige Standorte für einen neuen Club in Aussicht, hält er fest. In der Zwischenzeit führt er zusammen mit Markus Moerler in Locations wie dem «Rothus» oder dem «Solheure» eine Reihe von Partys durch. Sahin: «Damit behalten wir die früheren Clubs in Erinnerung.