In ihren 33 Jahren waren «Killer» schon einige Male Geschichte, jetzt sind sie es wieder. Wie Crown Kocher, Gründer der Hardrock-Band mit Heimstatt Solothurn, bekannt gibt, habe er nach dem letzten Konzert in Sursee «die Reissleine ziehen müssen, und zwar blitzartig.» Für das definitive Aus der Band seien nicht musikalische Differenzen oder Knatsch verantwortlich gewesen, winkt Kocher ab: «Vielmehr sind die Prioritäten innerhalb der Gruppe voneinander abgewichen. In zwölf Monaten haben wir gerade mal drei neue Songs zustande gebracht.» Für ein neues CD-Projekt waren «Killer» schon seit Januar 2011 im Studio. Ein bescheidener Produktivitätsgrad, den der Altrocker nicht mehr länger hinnehmen will.

Vor einigen Monaten klang es aus den Reihen von «Killer» noch anders: Noch bei ihrer Schweizer Tournee waren sie, wie Crown Kocher es ausdrückte, «back in the saddle» (wir berichteten). Doch die Tournee-Derniere in Winistorf deutete bereits an, dass die Formation kränkelte: 33 Besucher zählte dieses Konzert. Doch es deutete sich auch andernorts an: Bei einem Konzert in Pratteln kassierten sie keine Gage, sondern mussten sich gar am Defizit beteiligen: «‹Pay for play›, das mag Mode sein und für andere hinhauen, aber ich will das sicher nicht», verdeutlicht Crown, der nach diesen bescheidenen Zuschauerzahlen über die Bücher gehen musste : «Und nach unserem Defizit-Konzert wusste ich: Die Kacke ist am Dampfen.»

Nach «Killer» wieder «Kaktus»?

Apropos Dampf: Der ist für ihn nun raus, Kocher kehrt der 1979 gegründeten Band definitiv den Rücken zu: «Solche Erlebnisse brauche ich nicht.» Und dass die restlichen Bandmitglieder auf irgendeine Weise «Killer» am Leben erhalten werden, glaubt er selbst auch nicht. «Derart ambitiöse Musik ist für mich gestorben.» Jedoch zeigt er sich gleichzeitig dankbar für die treuen Fans, und insbesondere für Drummer Andy Schumacher aus Freiburg im Breisgau, der zweimal wöchentlich 300 Kilometer für den Probebesuch zurücklegte.

Zunächst will Kocher eine Auszeit nehmen, «das Leben geniessen.» Doch für den Gitarristen, der die Bühnen oft in Sträflingskleidung unsicher machte, könnte es bald eine musikalische Fortsetzungsgeschichte geben: «Duco Aeschbach bearbeitet mich derzeit, wieder bei ‹Kaktus› einzusteigen», verrät Crown Kocher bereits heute. Die Band – sie nennt sich die «Mutter aller Solothurner Rockbands» – geht ursprünglich auf den Sommer 1969 zurück. Kocher spielte ab 1976 mit, gründete dann aber 1979 «Killer». «Es ist nicht auszuschliessen, dass ich in der nächsten Zeit wieder mit ‹Kaktus› auf lockerer Basis Musik mache.» Denn schliesslich habe er ja noch mindestens die drei geschriebenen Songs von «Killer» in der Hinterhand.