Dicke Betonkötze und Pfähle sichern die Bruchsteinmauer des Hofes gegen aussen, während drinnen seit einer Woche die Sicherungsarbeiten auf Hochtouren laufen. Zuerst wurde ein Betonfundament entlang der Innenmauer errichtet, mit dem ein Verbundeisengitter hochgezogen wurde. Die nun in der nächsten Woche entstehende Betonkonstruktion, die an der Mauer emporwachsen wird, soll die Hofmauer des denkmalgeschützten Ensembles künftig sichern. Die gut sichtbaren Risse auf der Aussenseite werden dabei zugemörtelt. Sie waren auf das Wurzelwerk eines alten Baums im Hofinnern zurückzuführen, das die Mauer in eine gut sichtbare Schräglage brachte. «Die Wurzeln wurden ebenfalls entfernt», bestätigte man vor Ort an der Baustelle.

Schreckensort «Prison»

Früher wurden Gefangene in Türmen eingekerkert, beispielsweise im Krummen Turm. Mitte des 18. Jahrhunderts investierte Solothurn in neue Haftanstalten. Für Kleinkriminelle entstand das Arbeitshaus am Unteren Winkel 7, für die «schweren Jungs» wurde zwischen 1753 und 1761 durch Bauherr Urs Joseph von Sury das wuchtige «Prison» aus Quadern des damals noch reichlich vorhandenen Solothurner Steins erstellt. Während spätere Inhaftierte über die niederen Zellen klagten, die kein aufrechtes Stehen erlaubten, musste es anfänglich noch weit übler zu- und hergegangen sein. Denn der Neubau enthielt neben einer «Examinations-Stube» für Verhöre auch ein «Tortur-Zimmer» – die Folter war damals noch absolut gebräuchlich. 1859 wurde das alte Kornhaus im Kreuzacker zum neuen Solothurner Gefängnis umgebaut, das «Prison» blieb Untersuchungsgefängnis bis noch 1977 – ältere Leute nennen das «Chefi» deshalb noch immer kurz «UG», obwohl es heute das kantonale Amt für Gemeinden beherbergt.

Knapp dem Tod entronnen

Im Brennpunkt der Geschichte stand das «Prison» am 2. März 1798. Morgens um 11 Uhr hatte General Bernhard Altermatt den Stadtschlüssel den einmarschierenden Franzosen übergeben. Viele Solothurner schäumten vor Wut über die Kapitulation, und ein fanatisierter Haufen machte sich in die Vorstadt auf. Erstmals wollte im «Prison» niemand aus-, sondern jemand einbrechen. Waren doch drinnen die sogenannten «Patrioten» eingekerkert, Oppositionelle, die mit der Französischen Revolution sympathisierten. Der Mob hatte vor, an ihnen eine Lynch-Justiz zu vollziehen und sie umzubringen. Französische Kavallerie sprengte dazwischen und rettete die Patrioten vor dem Volkszorn. Die Szene ist in einem eindrücklichen Stich von Laurent Louis Midart festgehalten.