Seit vergangener Woche werden im Grafischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn zum ersten Mal ausschliesslich Arbeiten auf Papier von Ian Anüll gezeigt. Der 1948 geborene Künstler, der seit 1969 nur unter seinem Künstlernamen bekannt ist, ist in Solothurn kein Unbekannter. Bereits im Jahr 2003 widmete das Haus seiner Kunst eine grosse und viel beachtete Retrospektive. Diesmal sind es ausschliesslich ausgesuchte Arbeiten auf Papier aus den vergangenen 50 Schaffensjahren, welche Robin Byland, der wissenschaftliche Mitarbeiter des Kunstmuseums, mit dem Künstler zur Ausstellung «Untitled R» zusammengestellt hat.

Robin Byland in «seiner» ersten grossen Ausstellung.

Robin Byland in «seiner» ersten grossen Ausstellung.

Es ist eine grosse Fülle von Arbeiten zu entdecken und so wird auch in den kleineren Papierarbeiten Anülls Handschrift deutlich sichtbar. Der Künstler zaubert beispielsweise aus kleinen Fundstücken oder Schnipseln, aus ganz banalem Abfall oder Resten etwas Neues und Unerwartetes. Etwas, was so eine weitere Dimension, eine neue Aussage erhält. So macht er beispielsweise eine Erdbeere, einen Schluck Kaffee oder einen Kaugummi zum Kunstwerk, indem er solche Esswaren zum Werkstoff seines Schaffens macht. Es können aber auch Geldscheine sein, welche er zerschneidet und für seine Kunst verwendet und deren Wert er so infrage stellt.

Ian Anülls Kunst wirkt oft zufällig und rein nach dem Lustprinzip heraus entstanden. Jedoch beinhaltet sie bei genauerem Hinsehen eine Vielschichtigkeit, welcher ein intensiver Denkprozess vorangegangen ist. Nicht zu vergessen ist der gesellschaftskritische und politische Hintergrund, der sich aber gerne satirisch und poetisch verpackt präsentiert. Anüll ist kein Zyniker, auch wenn er sich in seiner Kunst selbst und den Kunstbetrieb allgemein gerne infrage stellt.

Zum ersten Mal «Lackskins»

Die Ausstellung ist thematisch gegliedert und zeigt auf diese Weise die ganze Bandbreite von Anülls Schaffen. Zum ersten Mal zu sehen ist die Werkreihe «Lackskins», bei welcher der Künstler von ihm gesammelte Einladungskarten – vorwiegend zu Kunstausstellungen – mit Industrielack übermalt, bekleckst hat. So hinterfragt er den Kunstbetrieb und schafft gleichzeitig neue Kunstwerke.

In einer Vitrine werden Notizhefte und –Alben des Künstlers gezeigt. Diese zeigen die Art der Herangehensweise an seine Kunst deutlich.

Robin Bylands erste Schau

Anülls Ausstellung «Untitled R – Arbeiten auf Papier» ist die erste Ausstellung, welche der wissenschaftliche Assistent des Kunstmuseums Solothurn, Robin Byland, eigenständig kuratiert hat. «Eine schöne und herausfordernde Arbeit, die ich zusammen mit Ian Anüll tätigen konnte», sagt der gebürtige Niedergösger. Er arbeitet seit Mai vergangenen Jahres im Kunstmuseum Solothurn mit, nachdem er 2015 den Master in Kunstgeschichte an der Uni Basel in der Tasche hatte. Nach dem Studium bekleidete er zunächst eine Stelle im Kunstvermittlungsteam des Kunstmuseums Aarau. Und nun also Solothurn: «Eine solche wissenschaftliche Assistenz wie hier im Kunstmuseum bietet einem Absolventen wie mir die Möglichkeit, praktische Erfahrungen auf allen Gebieten eines Kunstbetriebes nach dem theoretischen Studium zu machen.»

Bis 13. Mai. Öffentliche Führungen: Sa 10. März 16 Uhr; So 6. Mai 11 Uhr in Anwesenheit des Künstlers. Am Sa 24. März 19 Uhr Konzert mit dem Künstler mit experimenteller Musik.