Eigentlich wollte Pater Antony Kolencherry nur gerade fünf Jahre in der Region Solothurn bleiben, nun sind es vierzehn geworden. Der Salesianer aus Indien zieht weiter. «Als Ordensmann kann ich nicht frei wünschen, wie lange ich an einem Ort bleibe. Nun schickt mich mein Orden nach Afrika und ich bin dankbar, für die inspirierende Zeit, die ich mit den Menschen in Solothurn, Lommiswil und der ganzen Region verbringen durfte», kommentiert Pater Antony den bevorstehenden Abschied.

Lange Liste von Aktivitäten

Der für seine Spiritualität und seinen Humor geschätzte Pfarrer hat nicht nur das Wort Gottes verkündet, sondern östliche Weisheiten und vor allem auch das Lachen in die Kirchen getragen. Als der Seelsorger die Stelle in der Pfarrei St. Marien antrat, musste der von der Theologie her eher konservative und in seinen Projekten erfrischend unorthodoxe Kirchenmann einige Vorurteile überwinden. Bei den Gläubigen hingegen kamen die neuen Programme von Beginn weg gut an.

Die Aufzählung der Aktivitäten ist lang: Rosenkranzgebet, Meditationsgruppen, Bibelgruppen, Jugendgruppe «Living Lights», die New-Springs-Gemeinschaft mit dem Bibel-Teilen, Anbetung, monatlicher Kindersegen im Kloster Visitation, Vortragszyklen, Erwachsenenbildungsprogramme, Exerzitien und Musikalische Andachten. Er war so erfolgreich, dass er den Musikalischen Andachten auch dann treu blieb, als er als Pfarrverantwortlicher nach Lommiswil wechselte. Nicht zuletzt, weil er damit auch viele kirchenferne Menschen aller Konfessionen ansprach und ins Gotteshaus brachte.

Spiritual des Klosters Visitation

Zumal er mit seiner offenen, auf die Menschen zugehenden Art, schnell Anschluss wie auch Helferinnen und Helfer fand, die ihn unterstützten. Gemeinsam mit den Salesianerinnen der Visitation und dem von ihm mitgegründeten Förderverein Kloster Visitation, brachte er schon bald eine erste Gruppe Schwestern aus dem von ihm in Indien gegründeten Orden der Sisters of Sacred Sciences (SSS) nach Solothurn und damit junges Leben in die alten Klostermauern. Als Spiritual des Klosters begleitete er sowohl die SSS-Gemeinschaft wie auch die betagten Visitationsschwestern. Dieser Initiative ist es auch zu verdanken, dass das Kloster noch immer Gottesdienste und Bildungsprogramme für die Region anbieten kann. Pater Antony drückte allem seinen Stempel auf.

Zweimal jährlich kommt er zurück

Anfangs Dezember wird der Spiritual die Schwesterngemeinschaft verlassen. Die Frage, wie es ohne ihn weitergehen wird, beschäftigt viele Anhänger. «Die Sisters organisieren selbstständig viele geistliche Projekte. Dies wird auch ohne mich weitergeführt. Ein oder zweimal jährlich komme ich für Exerzitien und Kurse zurück. Die indischen Schwestern bemühen sich, das Kloster als spirituelles Zentrum zu erhalten», relativiert Pater Antony.

Schweiz für ihn «ein Vorbild»

Obschon er es gewohnt ist, regelmässig an neuen Wirkungsstätten stets wieder von vorne zu beginnen, fällt es ihm diesmal doch nicht so leicht, das Gewohnte zu verlassen. «Ich bin wirklich froh, dass ich in der schönen und friedlichen Schweiz so eine lange Zeit verbringen durfte. Ich bin zahlreichen guten und freundlichen Menschen begegnet. Auch habe ich nirgends auf der Welt eine so perfekte Ordnung, Disziplin und Verlässlichkeit angetroffen. Ein Vorbild.» Auch das Bildungswesen der Schweiz sei nahezu perfekt, lobt er. Um so gleich anzufügen, die Zukunft wäre noch verheissungsvoller, wenn Kinder und Jugendliche mehr spirituelle Werte mit auf den Weg bekämen. Für sich selber zieht er das Fazit: «Ich konnte viele Menschen zum Glauben motivieren. Bei einigen ist es mir hingegen nicht gelungen. C’est la vie ...!»

Am Samstag, 1. Dezember, 9 Uhr, findet in der Klosterkirche Visitation ein vom Förderverein für die Bevölkerung organisierter Abschiedsgottesdienst mit Apéro statt. Am Sonntag, 8 Uhr, wird Pater Antony letztmals die Sonntagsmesse zelebrieren.