Solothurn

Aus der Not kürzerer Partys hat das Kofmehl eine Tugend gemacht

Während sie den Verwaltungsgerichtsentscheid betreffend Öffnungszeiten abwarten, freuen sich Programmleiter Chrigu Stuber (l.) und Gesamtleiter Pipo Kofmehl über die positive vergangene Saisonbilanz.

Während sie den Verwaltungsgerichtsentscheid betreffend Öffnungszeiten abwarten, freuen sich Programmleiter Chrigu Stuber (l.) und Gesamtleiter Pipo Kofmehl über die positive vergangene Saisonbilanz.

Die Leitung der Kulturfabrik zeigt sich zufrieden über die vergangene Saison. Dies, trotz bestehender Unsicherheiten was die Öffnungszeiten angeht. Denn noch wurde kein Urteil in Sachen Schliessungszeit gesprochen.

Man war unter erschwerten Bedingungen in die Saison 2011/12 gestartet: Seit August des vergangenen Jahres gilt in der Kulturfabrik bereits um zwei Uhr Lichterlöschen. Zuvor galt die Praxis drei Uhr, was im laufenden Rechtsverfahren mit aufschiebender Wirkung gewährt worden war. Schliessung um zwei hingegen bedeute «einen Abbruch der Party», so Pipo Kofmehls damaliges Bedenken. Aber: «Wir waren parat. Wir mussten im Voraus planen, im Wissen, dass die aufschiebende Wirkung wegfallen könnte», wendet er ein.

Jedoch beschert nach wie vor der ausstehende und längst erwartete Verwaltungsgerichtsentscheid eine hohe Planungsunsicherheit für die Programmgestaltung: «Es war auch nicht ganz einfach, mit diesen Unsicherheiten in die Saison zu starten», so Kofmehl. So sei man schon im letzten August vor entsprechenden Herausforderungen gestanden: «Einerseits gibt die Gesetzgebung den Rahmen zwei Uhr vor, den wir einhalten müssen. Auf der anderen Seite haben wir ein Publikum, das an den früheren Öffnungszeiten mehr oder weniger Gefallen findet. Die klassische Sandwich-Situation.»

Das sagt Pipo Kofmehl zur vergangenen Saison der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn

Das sagt Pipo Kofmehl zur vergangenen Saison der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn

Eine, die das Team jedoch zu bewältigen wusste, wie er heute rückblickend feststellt. «Trotz fehlender Planungssicherheit hatten wir mit der Polizei, dem Werkhof und dem Transportdienstleister Moonliner ein gutes Einvernehmen.» Auf der anderen Seite ergänzt Programmleiter Chrigu Stuber die aufwendige, nicht ganz einfache Kommunikation mit dem Kofmehl-Publikum: «Unsere Security-Leute - bekleidet mit einem ‹Sorry›-T-Shirt - kamen mit den Gästen ins Gespräch, um ihnen klar zumachen, dass Trotz nichts bringt.» Trotz, der in Vandalismus und Lärm münden und auf diese Weise im noch laufenden Verfahren schlimmstenfalls gar zum Aus der Kulturfabrik führen könnte.

Wenige negative Rückmeldungen

Nach Einschätzung von Pipo Kofmehl und Chrigu Stuber wurde der Spagat zwischen Umsatz und Akzeptanz selbst unter diesen erschwerten Bedingungen gemeistert.

80 000 Besucher - 5000 mehr als im Vorjahr - verteilt auf 220 Anlässe: «Von den Besucherzahlen her die beste Saison in der 20-jährigen Geschichte», beurteilt Pipo Kofmehl den Erfolg. Das positive Ergebnis ist nicht zuletzt auf konzertante Anlässe zurückzuführen, Anlässe also, die kaum je ein Wachbleiben bis länger als zwei Uhr morgens erfordern. «Gleichzeitig erreichen uns sehr wenige negative Rückmeldungen», informiert Kofmehl weiter. «Wir stehen auch in gutem Kontakt mit den Anwohnern und der Stadtverwaltung.» Und die meisten der spärlich gesäten Polizeieinsätze bestanden darin, bereits ausgesprochene Hausverbote durchzusetzen.

Nach dem Erfolgsrezept in schwieriger gewordenen Zeiten befragt, meint Pipo Kofmehl: «Wir mussten einfach besser, interessanter, cooler werden, ohne einfach die Rezeptlösung einer anderen Stadt zu kopieren, die ebenfalls mit der Öffnungszeitenfrage konfrontiert ist.» Besser und cooler - was aber nicht von alleine geht, wie auch die Anzahl der geleisteten Stunden der rund 250 Freiwilligen zeigt: Mit 40 000 waren es 10 000 Stunden mehr als in der vorherigen Saison. Nicht zu vergessen die Vielfalt, die «es auch mal ermöglicht, dass Jugendliche ihre Eltern für eine ‹Forever Young›-Party hier abgeben», sagt Pipo Kofmehl schmunzelnd. Eine Vielfalt, die bereits in der Reihe der vergangenen Saisonhighlights widerhallt: «Erika and the Bitterlins» (besser bekannt als «Patent Ochsner»), «Uriah Heep», «Züri West» und weitere Formationen sorgten für ausverkaufte Hallen.

Facebook als Statistikinstrument

Als ein wichtiges Arbeitsinstrument erachtet Pipo Kofmehl die sozialen Netzwerke. Mit 14 600 Mitgliedern ist «Kulturfabrik Kofmehl» die grösste Facebook-Gruppe. «Auf diese Weise können wir die Zielgruppe eines Anlasses zum vorherein gut einschätzen: Wer kommt? Wie alt? Und woher?», erklärt Kofmehl. Entsprechend werden auch die Behörden - darunter die Stadtpolizei und kantonale Jugendpolizei - wöchentlich über die Anlässe und für deren bessere Planung erwartbaren Begleitumstände informiert. Aus Kofmehls Sicht hat die frühere Schliessungszeit weder im positiven noch im negativen Sinn viel mit der ansehnlichen Saisonbilanz zu tun. Sondern: «Ich schreibe den Erfolg mehr unseren vielen Massnahmen, die greifen, vor allem aber der grossartigen Arbeit des ganzen Teams zu.»

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