Fasnacht Stadt Solothurn
Aus den Witzkanonen wird auch dieses Jahr wieder viel Munition abgeschossen

Die Solothurner Fasnachtszeitungen, namentlich der «Hudibras», der «Postheiri» und das «Amzblatt» treten auch dieses Jahr wieder gegen die Langeweile und Unlustigkeit an.

Andreas Kaufmann
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Ein grosses Thema finden die diesjährigen Fasnachtszeitungen in Christian Wanner.

Ein grosses Thema finden die diesjährigen Fasnachtszeitungen in Christian Wanner.

Zur Verfügung gestellt

Zugegeben: Fasnachtszeitungen sind weit davon entfernt, als ernstzunehmende städtische Chroniken eine Rolle zu spielen. Und doch fassen sie – gerade im Falle «Honolulus» – bunt, umfassend und erfrischend respektlos zusammen, was die Stadt und die Region, was urbi et orbi im vergangenen Jahr umtrieb.

Neben der ersten närrischen Abhandlung – dem Gratisblatt «11 Minuten» – liegen nun auch die Traditionsblätter «Postheiri», «Hudibras» und das gewohnt-minimalistische «Amzblatt» auf.

Um es gleich vorwegzunehmen: alt Regierungsrat Wanner schaffte es bei beiden Illustrierten zwar nicht als Covermodel vorne drauf, aber hinein – und zwar nicht zu knapp. Doch zum Chrigu-Bashing später mehr...

Vom einen VR zum andern wannern

Beim «Postheiri» riecht man noch die Druckfarbe, schaffte es nämlich noch eine olympische Meldung auf die Titelseite: «Yuri z Sotschi siegen tut, yugendlich im Übermut». Ansonsten widmen sich die Narrenschreiber vor allem dem Jahr 2013, das es an Munition für Witzkanonen nicht mangeln liess.

Politisch wird «der Alpiqtraum Chrigu Wanner» durch die Mangel gedreht. Er, der «vo eim VR zum angere wannert» und nicht operativ, sondern nur noch aperitiv tätig ist. Unter der Rubrik Kunst wird die «Enthutterung der Kanti» thematisiert. Der «Postheiri» schlägt stattdessen vor, «im Schache» verschnörkelte Hutter-Gitter zur künstlerischen Aufwertung des Knast-Alltags einzusetzen.

Auch die Tour d’Horizon von Hilarius Immergrün und Tochter Elisi darf im «Postheiri» nicht fehlen: Ihr Rundgang ist aber aus aktuellem Anlass auf 30 Stundenkilometer heruntergedrosselt. Somit werden sie von Skateboard-Kantischülern oder Rollator-Senioren aus dem «Wengistein» überholt.

Mit Kurzweil und hoher Pointendichte punktet das Frühlingsprogramm der «Akademenz der Generationen». So referiert besagter Wanner zum Thema «Ökonomisch richtiges Sitzen zahlt sich im Alter aus». Stadtschreiber Bolls Vortrag über den «Goldrausch im Tal des Todes» nimmt den Fall Krematorium-Zahngold aufs Korn.

Unterdessen hält Boris Banga seine Abschiedsvorlesung zum Thema «Der beste Grenchnerwitz». Apropos Westen: Von dort werden auch die Schweinchen «geliefert», die am HESO-Säulirennen mitspurten.

So illustriert es zumindest die gewohnt reich und bunt gestaltete «Göiferkätsch»-Mittelseite, optisches Gegenstück zu Immergrüns Stadttour. Spass macht auch der Einblick in die Stabsübergabe von Regierungsrat Straumann an Fürst. Besonders wichtige Punkte im Terminkalender werden dabei besprochen: Ratspausen, Apéros und Feierabendbiere.

Warum Banga Grindelwald meidet

Die Spuren des Bombardements gegen das Solothurner Rathaus sind auch beim «Dr Hudibras» – heuer im elften Jahrgang – sichtbar. Die leicht zerknitterte Mode der Kantonsexekutive auf dem offiziellen Pressebild wird kommentiert mit: «Hoffentlich büglet der Regierigsrot besser als er glettet.» Und in «Wanners Memuharen» lassen die Investigativnarren in Pedrolenz’schem Tagebuchstil tief in die Seele eines «Regierigen» blicken.

Noch etwas grosszügiger als der «Postheiri» schiesst «Dr Hudibras» Richtung Uhrenstadt. Nach dem Niedergang der Mia werden dort neue Messdiener gesucht. Und auf den Uhrencup folgt der Hurencup im «Tropical».

Dass ausserdem Banga die Jungfrauregion meidet, erklärt sich von selbst; will er doch Wanderwege zur Kleinen oder Grossen Scheidegg um jeden Preis meiden.

Auch das Politikum Tempo 30 wird aufgegriffen und klar auf das rot-grün-schwarze Wollsockenquartier zwischen «Wengistein» und Bergstrasse lokalisiert. Verkehrspolitisch äussert sich der «Hudibras» auch zur Weissensteinbahn und prophezeit ihr frühes Ende. Dass die Gondeli blau sind, habe seine Gründe: «Blau» gehe auf dem Occasionsmarkt besonders gut weg.

Witzig wird auch das Wirken von Stapi Fluri Revue passiert. Sein Herausforderer bei der Stadtpräsidentenwahl Jeffrey Murphy «hätt’ noch fasch gemacht das Rönnen, hätt’ er noch lesen/schreiben können».

Aber eben: Fluri regiert weiter, und wie historische Quellen belegen, tut er es schon ewig: Seine Amtszeit ist 150 Jahre länger als bisher angenommen, wie ein Fund im Stadttheater beweise. Beweisgegenstand: Fluris Inthronisationsurkunde aus dem 16. Jahrhundert. Womit wir um eine historische Erkenntnis reicher wären...

Mauerloch als Gefängniskunst

Auch die Schreibergarde des «Amzblatt» spitzte zum vergangenen Jahr wieder Ohren und Federn. So berichtet sie über das Bedauern des Nationalrats über den Sitzschwund der Solothurner Kollegen, «die durch ihre Voten doch immer für Erheiterung des Ratbetriebs sorgen».

Dafür hat die Nationalbank mit der Stadt Solothurn einen Deal abgeschlossen: Da sie ihre Goldkäufe wieder ankurbelt, besteht neu ein Exklusivlieferungsabkommen mit dem hiesigen Krematorium. Auch das städtische Geschehen findet Erwähnung: zum Beispiel im interaktiven Kaminfegerspiel, mit Urs Rudolf, der sogar die «Chemis» teuer vermietet, oder mit dem «Russissimo», wo man immer noch an den Storchen glaubt.

Und auch ein Ellbogenkick in die Grenchner Seite fehlt nicht, dort, wo derzeit die Massenschweinwanderung hohe Wellen schlägt. Zu guter Letzt fehlt auch das «im Schache» realisierte Kunstkonzept nicht. Dort steht die künstlerische Installation namens «Aussicht» zur Debatte – eine zwei Meter grosse Öffnung in der Gefängnismauer ...