Solothurn/Rumänien
Aus den 30 Rindern sind inzwischen 132 geworden

Die Mutterkuhherde samt Muni, die der Solothurner Bernhard Oetterli vor dreieinhalb Jahren nach Rumänien gebracht hatte, hat sich munter vermehrt. Kürzlich hat Oetterli die Tiere wieder besucht.

Andreas Toggweiler
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Solothurner Rinder in Rumänien vermehren sich
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Prärie wie in Texas
Muni Timbo wiegt schon über 1200 Kilo
Fischtag im Kloster Risca
Ab zum Futtern
Der erstgeborene Bulle Hardy

Solothurner Rinder in Rumänien vermehren sich

Es ist eine Pracht, zu sehen, wie sie sich auf der weitläufigen Weide in der Bukovina ausbreiten – fast wie in der Prärie in Texas; nur das Gras ist hier besser», lacht Bernhard Oetterli.

Alles hatte im Dezember 2009 mit einer Zitterpartie begonnen. Der Transport der 30 reinrassigen Angusrinder aus der Schweiz bereitete am rumänischen Zoll Schwierigkeiten. Um die Tiere auf dem Lastwagen nicht unnötig warten zu lassen, entschloss sich der Chauffeur damals, auf eigene Faust weiterzufahren. Immerhin galt es noch, die Karpaten zu überqueren, bis die Rinder an ihrem Bestimmungsort in der Bukovina in Nordost-Rumänien anlangten.

Weil bei einigen Tieren eine Krankheit (Leptospirose) festgestellt wurde, musste Oetterli zudem noch mit dem Lieferanten über die Medikamentenkosten verhandeln. «Ich konnte aufgrund der Inkubationszeit nachweisen, dass die Tiere schon in der Schweiz krank waren. Am Ende lief alles glimpflich ab. Nur ein Rind musste geschlachtet werden.»

Heute ist die Viehherde der Stolz von Bernhard Oetterli. Muni Timbo ist inzwischen ein Prachtexemplar von 1250 kg Gewicht. Er ist Vater von Dutzenden von Angusrindern geworden, welche aufgrund des guten Genmaterials vorerst zur Weiterzucht verwendet werden. Die Tiere würden regelmässig Preise an rumänischen Viehschauen einheimsen, berichtet Oetterli.

Die Herde ist auf einen Bestand von 132 Tieren angewachsen. Sie leben auf einer 250 Hektaren grossen Farm. Ein Freilaufstall nach Schweizer Vorbild wurde errichtet. Stier «Hardy», ein Sohn von Timbo, hat inzwischen auch seine Arbeit als Samenspender aufgenommen. «Die Idee besteht, die Farm als Kooperative weiter auszubauen», erzählt Oetterli. Bereits wurde ein rumänischer Angus-Züchter-Verein gegründet.

Da Angus-Beef eigentlich ein Luxusprodukt sei, würde sich das zarte Fleisch ideal als Exportprodukt eignen, meint Oetterli. «Es hätte noch sehr viel Platz für solche Vieherden. Man könnte weitere Tiere zur Aufzucht hierher bringen und das Fleisch danach exportieren. Das wäre für einen Investor interessant, aber auch für die Handelsbilanz des Landes», meint Oetterli. «Auch mein Geld steckt jetzt eigentlich in diesen Rindern», lacht er.

Doch ums Geld geht es dem 70-jährigen Solothurner nicht. Schon früher hat er verschiedene Hilfsaktionen und Benefizkonzerte für das Land organisiert, das sich 1989 aus den Klauen einer kommunistischen Diktatur befreien konnte und bis heute ökonomische Probleme hat. Fortschritte seien aber vielerorts sichtbar und belegten, dass das Engagement nicht vergeblich sei.

So hat Oetterlis Vieh-Lieferung einen Grundstein gelegt für einen grossen Landwirtschaftsbetrieb. Heute hilft die EU mit, beispielsweise mit modernen Landwirtschaftsmaschinen. Auch sind zehn Gästezimmer geplant. Die schöne Landschaft eigne sich gut für den Agrotourismus.

Der Solothurner reist immer noch regelmässig nach Rumänien, um zu schauen, wie es den Rindern geht, und um Freundschaften zu pflegen. So war er am 5. Mai zur Osternachtsfeier ins orthodoxe Moldaukloster Risca eingeladen, mit dessen Abt Mihail Oetterli gut befreundet ist. «Die Feier dauerte zwar viereinhalb Stunden, aber es war ein sehr eindrückliches Erlebnis.»

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