Hotel Krone
Aus bescheidener Schenke wurde ein «Schloss»

Rund ums Traditionshaus ist in über 500 Jahren schon einiges an Geschichte(n) zusammengekommen, denn das Hotel Krone zählt zu den ältesten Gasthäusern in der Schweiz.

Katharina Arni-Howald
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 Kronenplatz mit St. Ursenkathedrale um 1910 (zvg)
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 Krone, Hauptgasse 62 und Jesuitenkirche (zvg)
 Das Gasthaus mit der Krone. (Foto: Wolfgang Wagmann)
 (Foto: K. Krebs)
 Hotel de la Couronne (Krone) und «Professorenkirche» (Postkarte Edition Photoglob Zürich)
Das Solothurner Traditionshaus «Krone» im Laufe der Jahrhunderte
 Bald schliessen sich die Pforten des Traditionshauses. (Foto: Oliver Menge)
 Die Nordfassade der «Krone». (Foto: Wolfgang Wagmann)
 Die Erneuerung des Soldbündnisses mit Frankreich 1777 – hier nach einem Stich von Midart – war ein grosses Spektakel und sorgte für viele Schaulustige auch an den „Krone“-Fenstern. (zvg)

Kronenplatz mit St. Ursenkathedrale um 1910 (zvg)

zvg

Dass es sich schon früh zu einer weitherum bekannten Herberge entwickelte, verdankte sie über lange Zeit der günstigen Verkehrslage und dem engen Aare-Übergang, der bereits im frühen Mittelalter benutzt wurde.

Adelige Herren mit Gefolge und Warentransporte belebten die wichtige Verkehrsachse. Aber auch der Reiz der Gegend und die historische Vergangenheit lockten Gäste aus aller Welt nach Solothurn. Eine wichtige Rolle spielte auch der Platz vor dem majestätischen Bauwerk, wo sich im Angesicht der St.-Ursen-Kathedrale seit eh und je die grossen Festivitäten und Ereignisse der Stadt abspielen.

Sein Ansehen steigern konnte das Haus nach dem Einzug der französischen Botschaft im Jahre 1554. Die französischen Gesandten bemühten sich, während der 240 Jahre ihrer Anwesenheit in Solothurn das Leben am königlichen Hof zu Versailles nachzuahmen: Aus der bescheidenen Herberge wurde ein vornehmer Gasthof. Die prunkvollen Bälle und Empfänge des höchsten Adels brachten viel Blaublütiges in die Stadt am Jurasüdfuss.

Und die illustren Gäste trugen den Namen der Herberge mit königlichem Namen weit über die Landesgrenzen hinaus in alle Welt. Unter ihnen befanden sich im Laufe der Zeit auch zahlreiche Fürsten, Kaiser, Zaren, Kleriker und Dichter.

«Partys» bis zum Morgengrauen

Einer der Höhepunkte war der Einzug des französischen Botschafters und der eidgenössischen Gesandten zur Erneuerung des Bündnisses mit Frankreich 1777. Wie Quellen berichten, wurde auch unter freiem Himmel und in den Sälen der Gesandtschaft ausgiebig und meist bis in den nächsten Tag hinein gefeiert. Die «Krone» hatte oft das Nachsehen und konnte höchstens noch den ermatteten Hotelgästen für wenige Stunden Unterkunft gewähren. Nicht selten liessen offenbar aber auch die Einheimischen die «Krone» links liegen und verbrachten ihre Zeit lieber in einer der zahlreichen Zunftstuben.

Ihr Renommee verlor die «Krone» deswegen nicht. Sie blieb das erste Haus am Platz. Besitzerwechsel gab es wenig. Zahlreicher war dagegen der Wirtewechsel, der jedoch erst Mitte des 20. Jahrhunderts Thema wurde. Es brauchte viel Geschick, ein so grosses Haus zu führen, umso mehr, als sich auch die Gewohnheiten der Gesellschaft zu ändern begannen.

Domenica Brunner: Wirtin mit Geschäftssinn, Herzlichkeit und Geschmack

Unter den überragenden Persönlichkeiten, die der «Krone» den Stempel aufdrückten, sticht Domenica Brunner, geborene Maria Beatrix Schnyder von Wartensee, hervor. «Trixli», wie sie liebevoll genannt wurde, stammte aus einem vornehmen Elternhaus und wuchs im Kloster St. Urban auf. 1799 heiratete die hochgebildete und sprachgewandte junge Frau- zuerst gegen den Willen ihrer Familie - den Sohn einer wohlbekannten Gastwirtfamilie, Jakob Brunner. Sie zog ins Gasthaus Rössli in Balsthal ein, wo sie in Küche und Haus Hand anlegte. 1804 kaufte das Paar die «Krone». Zehn Jahre später starb Jakob Brunner, und Domenica Brunner, inzwischen Mutter von vier Kindern, führte das Hotel alleine weiter. Ihr Lebensmotto: Auf Gott vertrauen, Treue und Pflichtbewusstsein beweisen, Durchhalten und sich in jeder Lebenslage auf Tradition und Herkunft besinnen. Ihre Führung war beispielhaft. In dem von ihr angelegten Gästebuch ist der Kronprinz Ferdinand von Preussen ebenso verewigt wie Seine Majestät Friedrich Wilhelm III., der mit 13 Wagen und 51 Pferden anreiste. Die Gastgeberin nahm ihre Gäste mit so viel Lebensgewandtheit und Herzlichkeit auf, dass die Stadt sie und ihre Kinder bald ins Bürgerrecht aufnahm. Ihr Talent für Raumgestaltung, edles Tafelgerät, kostbare Wandschränke und Biedermeiermöbel waren ebenso wenig zu übersehen wie ihr Geschäftssinn. Die Vielseitigkeit der beliebten Wirtin erkannte auch der Initiant des Kurhauses Weissenstein und der damals angepriesenen Molkenkuren, der Arzt Karl Kottmann. 1827 übernahm Brunner zusammen mit ihrem 21-jährigen Sohn Josef auch das Zepter im neu eröffneten Kurhaus. Die Betriebsgemeinschaft «Krone und Weissenstein» befruchtete sich gegenseitig und fand überall Wohlwollen. Domenica Brunner starb 1864 83-jährig hoch geachtet in Solothurn. Nebst der «Krone» und einigen Stallungen in der Vorstadt hinterliess sie den Landsitz Glutzenhof, den sie Brunnershof getauft hatte, und einen Stadtsitz an der Gurzelngasse. Ihren Sohn Josef und vorgesehenen Nachfolger überlebte sie um fünf Jahre. (ka)

Auch ein Pisoni legte Hand an

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die «Krone» 1474 im Tagebuch eines sächsischen Pilgers, der auf seiner Reise nach Südfrankreich in Solothurn Halt machte. Bevor die «Krone» aber eine richtige Herberge wurde, stand an jetziger Stelle das Wohnhaus des Edelknechts Diethmar von Halten. 1487 verkaufte der erste aktenkundige Besitzer Bernhard Marschalk die Herberge an die Familie Kissling, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts Eigentümerin blieb.

Während dieser Zeit – vermutlich 1524/25 – muss ein neues, grösseres Gebäude entstanden sein. Ein 1669 durch Viktor Münch errichteter Neubau liess Schützenhauptmann Franz Josef Schmid, der die «Krone» 1751 kaufte, 20 Jahre später durch das heutige Gebäude ersetzen. In den Ratsmanualen ist von der Bewilligung von enormen Mengen Bauholz für die Erweiterung der «Logements» die Rede.

Als Architekt und Baumeister wurde kein Geringerer als Paolo Antonio Pisoni aus Ascona verpflichtet, der später auch die Kathedrale nach den Plänen seines Onkels Gaetano Matteo Pisoni vollendete. Wahrscheinlich war Schmid geschäftlich so erfolgreich, dass er in der Folge auch die südlich anstossenden Häuser an der Kronengasse erwarb, wo lange Zeit auch die Stallungen untergebracht waren. Das Gesicht seiner hübschen Ehefrau kann noch heute auf einem Altarbild in der Kathedrale bewundert werden.

Umbauarbeiten in den 50er Jahren

1804 ging das Haus für die damals hohe Summe von 85000 Franken ins Eigentum von Franz Jakob Brunner über. Nebst dem Gasthof Rössli in Balsthal besass die rechtschaffene Gastwirtfamilie noch andere Gasthöfe im Thal und bekleidete verschiedene amtliche Würden (siehe Kasten zu «Kronen»-Wirtin Domenica Brunner). Von 1872 bis 1908 war das Hotel im Besitz der Familie Huber-Müller. Jakob Huber war bekannt für auserlesenen Wein.

1909 verkaufte Huber das Haus an Fritz und Martha Nussbaumer. Bereits Ende der Dreissigerjahre befand sich das Hotel jedoch erneut in einem Zustand, der grössere Umbauarbeiten und Renovationen unumgänglich machte.

Dreiteilige Serie zur «Krone»

Die «Krone» ist untrennbar mit der Geschichte von Stadt und Kanton Solothurn verbunden. Als gesellschaftliches und politisches Zentrum spielte sie oft eine entscheidende Rolle - das war auch der Hauptgrund, warum Stadt und Kanton sie vor kurzem für 9 Mio. Franken erworben haben. Mit dem Umbau des Investors und Baurechtsnehmers Credit Suisse Funds AG wird es jedoch eine Zäsur geben: Zwar wird das Haus weiter ein Hotel und Restaurant beinhalten, doch die «Alte Krone» mit ihren Stammgästen dürfte Geschichte sein. Diese nochmals aufleben zu lassen, versuchen wir in einer dreiteiligen Serie. Dieser Teil behandelt die Geschichte des Gasthofs bis zur Übernahme durch die Von Roll AG, der zweite Teil die jüngere Geschichte seit Mitte des
20. Jahrhunderts. Teil drei ist den Stammtischen und Institutionen gewidmet, die ihre Aktivitäten in der «Krone» abgehalten haben. (ww)

Da das Ehepaar Nussbaum nicht über die nötigen Geldmittel verfügte, wurde ein Verkauf unumgänglich. 1942 erwarben einige in der Industrie tätige Solothurner die «Krone» und führten sie in eine Aktiengesellschaft über. Nur so war es möglich, das Hotel «der Stadt und ihren Bürgerfamilien» zu erhalten und in der «althergebrachten Tradition» weiterzubetreiben. Die Umbauarbeiten, die bis 1950 dauerten und den Saal, das Restaurant, die Halle und einige Zimmer sowie die Fassade betrafen, beliefen sich auf zwei Millionen Franken.

Als ein Kaiser kurz vorbeischaute

Eine der prominentesten Figuren im Zusammenhang mit der «Krone« ist Napoleon, der 1797 auf seiner Durchreise im Hotel angemeldet war. Für sein Wohlbefinden hatten der Rat und der damalige «Krone»-Wirt, Franz Josef Schmid, unzählige Vorbereitungen getroffen. Napoleon aber, verärgert über den kühlen Empfang der Berner Regierung und den Radbruch in Fraubrunnen, hatte Angst vor einem Attentat.

Anstelle des minutiös vorbereiteten Mahls begnügte sich der französische Kaiser mit einem Glas Wasser. Er bedankte sich mit einer Goldmünze und reiste weiter. Die Rechnung hat der französische Staat nie beglichen. Sie hing, eingerahmt, bis heute ebenfalls im Foyer der «Krone». Zu den 1165 Louis d’Or für das Mahl kamen noch 1417 Louis d’Or für das Auswechseln und die Verpflegung der Pferde. Auch für das Heizen der Räume und das Essen für die Dienerschaft hatte der «Krone»-Wirt selber aufzukommen.