Dass es sich schon früh zu einer weitherum bekannten Herberge entwickelte, verdankte sie über lange Zeit der günstigen Verkehrslage und dem engen Aare-Übergang, der bereits im frühen Mittelalter benutzt wurde.

Adelige Herren mit Gefolge und Warentransporte belebten die wichtige Verkehrsachse. Aber auch der Reiz der Gegend und die historische Vergangenheit lockten Gäste aus aller Welt nach Solothurn. Eine wichtige Rolle spielte auch der Platz vor dem majestätischen Bauwerk, wo sich im Angesicht der St.-Ursen-Kathedrale seit eh und je die grossen Festivitäten und Ereignisse der Stadt abspielen.

Sein Ansehen steigern konnte das Haus nach dem Einzug der französischen Botschaft im Jahre 1554. Die französischen Gesandten bemühten sich, während der 240 Jahre ihrer Anwesenheit in Solothurn das Leben am königlichen Hof zu Versailles nachzuahmen: Aus der bescheidenen Herberge wurde ein vornehmer Gasthof. Die prunkvollen Bälle und Empfänge des höchsten Adels brachten viel Blaublütiges in die Stadt am Jurasüdfuss.

Und die illustren Gäste trugen den Namen der Herberge mit königlichem Namen weit über die Landesgrenzen hinaus in alle Welt. Unter ihnen befanden sich im Laufe der Zeit auch zahlreiche Fürsten, Kaiser, Zaren, Kleriker und Dichter.

«Partys» bis zum Morgengrauen

Einer der Höhepunkte war der Einzug des französischen Botschafters und der eidgenössischen Gesandten zur Erneuerung des Bündnisses mit Frankreich 1777. Wie Quellen berichten, wurde auch unter freiem Himmel und in den Sälen der Gesandtschaft ausgiebig und meist bis in den nächsten Tag hinein gefeiert. Die «Krone» hatte oft das Nachsehen und konnte höchstens noch den ermatteten Hotelgästen für wenige Stunden Unterkunft gewähren. Nicht selten liessen offenbar aber auch die Einheimischen die «Krone» links liegen und verbrachten ihre Zeit lieber in einer der zahlreichen Zunftstuben.

Ihr Renommee verlor die «Krone» deswegen nicht. Sie blieb das erste Haus am Platz. Besitzerwechsel gab es wenig. Zahlreicher war dagegen der Wirtewechsel, der jedoch erst Mitte des 20. Jahrhunderts Thema wurde. Es brauchte viel Geschick, ein so grosses Haus zu führen, umso mehr, als sich auch die Gewohnheiten der Gesellschaft zu ändern begannen.

Auch ein Pisoni legte Hand an

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die «Krone» 1474 im Tagebuch eines sächsischen Pilgers, der auf seiner Reise nach Südfrankreich in Solothurn Halt machte. Bevor die «Krone» aber eine richtige Herberge wurde, stand an jetziger Stelle das Wohnhaus des Edelknechts Diethmar von Halten. 1487 verkaufte der erste aktenkundige Besitzer Bernhard Marschalk die Herberge an die Familie Kissling, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts Eigentümerin blieb.

Während dieser Zeit – vermutlich 1524/25 – muss ein neues, grösseres Gebäude entstanden sein. Ein 1669 durch Viktor Münch errichteter Neubau liess Schützenhauptmann Franz Josef Schmid, der die «Krone» 1751 kaufte, 20 Jahre später durch das heutige Gebäude ersetzen. In den Ratsmanualen ist von der Bewilligung von enormen Mengen Bauholz für die Erweiterung der «Logements» die Rede.

Als Architekt und Baumeister wurde kein Geringerer als Paolo Antonio Pisoni aus Ascona verpflichtet, der später auch die Kathedrale nach den Plänen seines Onkels Gaetano Matteo Pisoni vollendete. Wahrscheinlich war Schmid geschäftlich so erfolgreich, dass er in der Folge auch die südlich anstossenden Häuser an der Kronengasse erwarb, wo lange Zeit auch die Stallungen untergebracht waren. Das Gesicht seiner hübschen Ehefrau kann noch heute auf einem Altarbild in der Kathedrale bewundert werden.

Umbauarbeiten in den 50er Jahren

1804 ging das Haus für die damals hohe Summe von 85000 Franken ins Eigentum von Franz Jakob Brunner über. Nebst dem Gasthof Rössli in Balsthal besass die rechtschaffene Gastwirtfamilie noch andere Gasthöfe im Thal und bekleidete verschiedene amtliche Würden (siehe Kasten zu «Kronen»-Wirtin Domenica Brunner). Von 1872 bis 1908 war das Hotel im Besitz der Familie Huber-Müller. Jakob Huber war bekannt für auserlesenen Wein.

1909 verkaufte Huber das Haus an Fritz und Martha Nussbaumer. Bereits Ende der Dreissigerjahre befand sich das Hotel jedoch erneut in einem Zustand, der grössere Umbauarbeiten und Renovationen unumgänglich machte.

Da das Ehepaar Nussbaum nicht über die nötigen Geldmittel verfügte, wurde ein Verkauf unumgänglich. 1942 erwarben einige in der Industrie tätige Solothurner die «Krone» und führten sie in eine Aktiengesellschaft über. Nur so war es möglich, das Hotel «der Stadt und ihren Bürgerfamilien» zu erhalten und in der «althergebrachten Tradition» weiterzubetreiben. Die Umbauarbeiten, die bis 1950 dauerten und den Saal, das Restaurant, die Halle und einige Zimmer sowie die Fassade betrafen, beliefen sich auf zwei Millionen Franken.

Als ein Kaiser kurz vorbeischaute

Eine der prominentesten Figuren im Zusammenhang mit der «Krone« ist Napoleon, der 1797 auf seiner Durchreise im Hotel angemeldet war. Für sein Wohlbefinden hatten der Rat und der damalige «Krone»-Wirt, Franz Josef Schmid, unzählige Vorbereitungen getroffen. Napoleon aber, verärgert über den kühlen Empfang der Berner Regierung und den Radbruch in Fraubrunnen, hatte Angst vor einem Attentat.

Anstelle des minutiös vorbereiteten Mahls begnügte sich der französische Kaiser mit einem Glas Wasser. Er bedankte sich mit einer Goldmünze und reiste weiter. Die Rechnung hat der französische Staat nie beglichen. Sie hing, eingerahmt, bis heute ebenfalls im Foyer der «Krone». Zu den 1165 Louis d’Or für das Mahl kamen noch 1417 Louis d’Or für das Auswechseln und die Verpflegung der Pferde. Auch für das Heizen der Räume und das Essen für die Dienerschaft hatte der «Krone»-Wirt selber aufzukommen.