Dass sie einen Bundesrat als Gastreferenten in ihren Reihen begrüssen können, kommt bei kantonalen Wirtschaftsverbänden nicht allzu oft vor. Dass sie das einem Sozialdemokraten zu verdanken haben, ist wohl noch seltener. Für die Vereinigung der im Kanton Solothurn tätigen Banken trifft aber beides zu.

Es sei SP-Ständerat Roberto Zanetti gewesen, der ihm den Besuch in Solothurn ans Herz gelegt habe, verriet Finanzminister Ueli Maurer den Bankkadern am Donnerstag in der «Couronne». Was man von ihm auch noch erfuhr: Er hat sein Konto nicht bei einer Grossbank. Und er gehört zu den Leuten, die immer noch alles bar bezahlen. Und solche werde es auch in Zukunft weiterhin geben, so Maurer. Dass die Digitalisierung fortschreiten wird, steht natürlich auch für ihn fest. Aber das Geldgeschäft sei eben doch eines, wo man gern einem vertrauensvollen Partner aus Fleisch und Blut gegenüber steht. Damit sprach er wohl Thomas Vogt aus dem Herzen, dem Präsidenten der Vereinigung und Direktor der Spar- und Leihkasse Bucheggberg. Die Branche müsse aufpassen, dass sie das Kerngeschäft nicht vernachlässigt. Es sei fraglich, ob die Kunden nur noch digital mit ihrer Bank verkehren wollen, meinte dieser zur Begrüssung.

«Finanzplatz Schweiz – wohin geht die Reise?» Unter diesem Titel war der Auftritt des Finanzministers vor den Solothurner Bankern angekündigt worden. Gefallen haben wird ihnen wohl die Aussage, dass im Zug der internationalen Finanzkrise nach Maurers Auffassung das Pendel zu stark Richtung Über-Regulierung ausgeschlagen hat und man das wieder etwas korrigieren müsse. Allerdings machte Maurer auch sogleich klar, dass man sich diesbezüglich keine Illusionen machen dürfe. Eine nächste Bankenkrise etwa in Südeuropa schliesse er nicht aus. Deshalb gehe er davon aus, dass der politische Druck auf eine höhere Kapitalisierung der Banken anhalten wird, beziehungsweise dass allgemein der Regulierungsdruck hoch bleibt.

Bei seinen internationalen Kontakten stelle er fest, dass der Bankenplatz Schweiz einen sehr guten Ruf habe, sagte Maurer. Korrigiert werden müsse eher das Bild im eigenen Land. Dass sich die Rahmenbedingungen für die Schweiz auf dem internationalen Finanzmarkt gross verbessern, dies glaubt der Bundesrat allerdings nicht. Insbesondere was die EU betrifft. Dort sei die Angst spürbar, dass die Union nach dem Brexit auseinanderfällt. In dieser Situation habe die Schweiz keine Geschenke zu erwarten. (mou)