Veloverkehr
Aufhebung des Fahrverbots: Herrscht bald freie Fahrt durchs «Ypsilon»?

Es war seinerzeit ein «Riesenpolitikum» bei der Ausgestaltung der Altstadtsperre: Dürfen Velos im Herzstück der Altstadt, im «Ypsilon» zirkulieren oder nicht? Eine Mehrheit fand nein, der Fussgängerschutz gehe vor. Nun soll das Fahrverbot fallen.

Wolfgang Wagmann
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Für den Veloverkehr brauchts hier an der Einmündung zur Gurzelngasse eine komplexe Signalisation. Bald wird sie offenbar Geschichte sein.

Für den Veloverkehr brauchts hier an der Einmündung zur Gurzelngasse eine komplexe Signalisation. Bald wird sie offenbar Geschichte sein.

Wolfgang Wagmann

Wer ab 11.30 Uhr mit seinem Drahtesel in die Gurzelngasse einfährt, müsste spätestens beim Manor-Brunnen absteigen und seinen fahrbaren Untersatz bis zum Kronenplatz schieben. Es war eine heiss diskutierte Massnahme bei der Ausgestaltung der Mittagssperre in der Innenstadt gewesen, das Velo-Fahrverbot durch die Pulsader des Einkaufszentrums Solothurn, dem sogenannten «Ypsilon» von Gurzeln- und Hauptgasse.

Die Veloskeptiker setzten sich durch – doch die Pedaleure kümmerte das wenig. Sie blieben im Sattel, ja ignorierten sogar die auf das Verbot hinweisenden Stadtpolizisten. Diese triste Erkenntnis führt nun dazu, dass das Verbot fallen soll, so ungefähr nach dem Motto: «Blibt der Drohtesu nid stoh, gitt der Gschider haut noh.»

Verwirrliche Situation

Zur Ehrenrettung des Veloverkehrs ist festzuhalten, dass das 2005 beschlossene und später auf 11.30 Uhr vorverlegte Verbot signaltechnisch eine echte Herausforderung auch für die «User» darstellt. Denn es gilt nur bis 19 Uhr und vor allem an den Markttagen auch schon vormittags. So wurde beispielsweise bei der Einmündung von der Friedhofgasse her in die Gurzelngasse ein wahrer Schilderwald mit einem teuren Wechselsignal nötig, damit dann doch kaum jemand vom Sattel stieg. Linksabbiegen verboten ausser für Velos, darunter ein Rechtsabbiegeverbot und nochmals darunter ein Schildli mit einem Velo und der Uhrzeit 11.30 bis 19 Uhr – das alles ist nun doch schwierig nachvollziehbar.

So beantragte letzten Herbst das Stadtbauamt bei der Stadtpolizei die Aufhebung des Fahrverbots. Diese hält zwar fest, dass sich mit dem Aufkommen der E-Bikes die Situation «etwas» verändert habe. Laut Gesetz dürfen E-Bikes mit gelben Nummern und eingeschaltetem Elektromotor nicht durchfahren. Sobald sie ihn aber ausschalten schon. Aber – so die Stadtpolizei – «dies ist in der Praxis gar nicht überprüfbar».

Da in den letzten fünf Jahren keine Unfälle mit Personenschaden durch Velos zu registrieren waren, sprach sich die Gemeinderatskommission GRK einstimmig für die Aufhebung des Fahrverbots aus. Ja, man solle sogar in der ganzen Altstadt auf Velo-Fahrverbote verzichten. Ein Pilotversuch wurde abgelehnt, und damit dürfte die ganztägige Freigabe des «Ypsilons» im Gemeinderat vom 15. Mai nur noch eine Formsache sein.

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