Urban Gardening
Auf Solothurns Dächern spriesst so einiges

Urbaner Gartenbau – genannt Urban Gardening - ist voll im Trend. Ein Blick auf Dächer von Grossstädten wie New York, aber auch Berlin oder Wien gibt viele wunderbare, versteckt Gärten preis. Wie sieht es aber auf Dächern und Terrassen Solothurns aus?

Lucilia Mendes Von Däniken
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Urban Gardening in Solothurn
4 Bilder
Nicole Rivar pflegt ihr Dachparadies im Loretoquartier. Ausser Kräutern findet man auf ihren drei Terrassen zwei Nutzpflanzen: Heidelbeeren und Erdbeeren. Sie pflegt gerne das Detail - und hat ein klares Konzept für ihren Garten. «Ich liebe die Kombination von weiss und grün»
Dora Swierczynski hätte gerne einen grösseren Balkon Auf der Rückseite des Hauses pflegt sie auf dem zweiten Balkon ein kleines Gärtchen. Auf wenigen Quadratmetern zieht sie nebst Küchenkräutern auch Auberginen, Tomaten und Peperoni. Die ersten Früchte konnte sie schon ernten. Gerne hätte sie mehr Platz.
Susanne Zeltner und Julian Fröhlich geniessen das Leben auf dem Balkon. «Hier oben wird es viel zu heiss. Sogar die sonst robuste Kürbispflanze hat es hier oben nicht ausgehalten.» Etwas anders sieht es dagegen auf dem Südbalkon aus. An der Hausmauer stehen zwei Tomatenpflanzen, Peperoni und Peperoncini wachsen, und eine Hopfenstaude sowie Kletterpflanzen zaubern Grün auf die Sichtbeton-Fassade.

Urban Gardening in Solothurn

Lucilia Mendes Von Däniken

«Urban Gardening» ist laut Definition die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten oder in deren direktem Umfeld. Vor allem in Grossstädten ist dieser Trend weitverbreitet. Bilder von reichbepflanzten Dachterrassen findet man im Internet und in Gartenzeitschriften zuhauf. Aber ist der Trend in Solothurn auch angekommen?

Am Stadtrand gibt es viele Häuser mit hübschen Gärten – und auch die Schrebergärten in der Weststadt werden noch genutzt. Jedoch im Stadtzentrum gestaltet sich die Suche nach solchen Gärten schwieriger. Trotz Balkonen, Terrassen und grossen Flachdächern zeigt sich, dass reichbepflanzte Gärten dünn gesät sind. Vom St. Ursenturm aus sieht man zwar hier und dort ein paar Blumentöpfe, doch wer bei den dazugehörigen Gärtnern anklopft, erhält nur knapp einen Einblick. Viele wollen ihr kleines Paradies für sich alleine geniessen.

Ein Versuch vor drei Jahren

Auch in den Rabatten mitten in der Stadt sieht man wenig vom urbanen Gärtnern. Diese sind zwar schön, aber konventionell bepflanzt: Blumen, Stauden und Gräser. Stadtgärtner Martin Geissbühler «Wir haben vor rund drei Jahren mal einen Versuch gestartet und die Rabatten mit Gemüse bepflanzt - und die mit Krautstielen oder Kohlarten angereicherten Beete, sind bei den Passanten sehr gut angekommen.» Bis jetzt ein einmaliger Versuch: «Wir werden dies aber sicher irgendwann wiederholen.» Auch wenn es für Geissbühler nicht tragisch gewesen wäre, wenn das Gemüse von Passanten geerntet worden wäre: «In erster Linie diente es schon zur Dekoration.»

Ob privat oder öffentlich: In Städten bepflanzte Grünflächen sind mit viel Zusatznutzen verbunden. Neben der Versorgung mit lokal angebauten Produkten, hilft das Gärtnern in der Stadt auch der Steigerung der Artenvielfalt. Und was ganz wichtig ist: Wer zum Beispiel einen Garten in einer Nachbar-Gemeinschaft pflegt, trägt dazu bei, dass Begegnungen entstehen können.

Dass «Urban Gardening» in Solothurn noch nicht Fuss gefasst hat, liegt wohl daran, dass Solothurn glücklicherweise zu grün ist für den Trend. Zudem: Wer in einer Stadt wohnt, wo in Spazierdistanz zweimal pro Woche frisches Gemüse auf dem Markt verkauft wird, hat vielleicht auch kein allzu grosses Bedürfnis, einen eigenen Garten mit Nutzpflanzen zu pflegen.

Und doch - wer genau hinschaut, findet auch in Solothurn Gärten, wo Menschen mit einem grünen Daumen und viel Neugier am Werk sind. Da ist einerseits die frühere Bankkauffrau, die gerne einen grossen Garten hätte und darum ihren kleinen Balkon mit Tricks vergrössert. Währenddessen hat die in der Nachbarschaft wohnende Künstlerin ihren Südbalkon in eine grün-weissen Oase verwandelt, wo sie im Sommer gerne die Hitze unter dem Sonnensegel geniesst.

Oder das kreative Paar, das gerne ausprobiert, flexible Lösungen sucht, auch Unkraut mal wachsen lässt und hier und dort ein paar Nutzpflanzen in die Wildnis einfügt. Auch in der Vorstadt wird gegärtnert. So wachsen zum Beispiel auf einem Balkon auf der Rückseite des SUVA-Gebäudes die Pflanzen dank geduldigem Giessen sehr fleissig, während auf dem Dach nach gärtnernischen Misserfolgen die Bewohner einfach das Dolce far niente geniessen.