Solothurn
Auf der richtigen Höhe und im gerodeten Wald: Hier entsteht das Reservoir Königshof

Der Bau zum Reservoir Königshof startet. Regio Energie Solothurn will damit die Wasserversorgung der nächsten hundert Jahre prägen.

Fabio Vonarburg
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Spatenstich für das Reservoir Königshof. Noch ist die Lichtung leer.
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Reservoir Königshof
Der Bagger ist einsatzbereit
Für Diskussionen sorgte in den vergangenen Jahren die Waldrodung, die für die Umsetzung des Projekts notwendig war.

Spatenstich für das Reservoir Königshof. Noch ist die Lichtung leer.

Tom Ulrich / fotomtina

Der Spatenstich war auf 500 Meter über Meer. Eine zu irrelevante Information, um damit den Zeitungsartikel zu beginnen? Im Gegenteil: Beim Bau eines Reservoirs ist die Höhe ein wesentlicher Punkt. So auch beim Reservoir Königshof, dessen Bau nun offiziell beginnt. Mit dem Spatenstich am Mittwoch in der Gemeinde Rüttenen auf 500 Meter über Meer.

Das Reservoir Königshof wird zukünftig gleich zwei Reservoire der Regio Energie Solothurn ersetzen. Einerseits das 1880 gebaute Reservoir Steingrube, anderseits das mit Baujahr 1929 etwas jüngere Reservoir Gisihubel. «Beide haben Erneuerungsbedarf», führte Felix Strässle, Direktor von Regio Energie Solothurn, beim Spatenstich aus. Und wurde noch konkreter: «Es gibt immer mehr zu flicken.» Doch es ist nicht nur altersbedingt, dass Regio Energie schon vor Jahren der Bau eines neuen Reservoirs ins Auge fasste. Und damit sind wir bei der Höhe.

Austausch von Wasser dank der richtigen Höhe

Das Reservoir Steingrube liegt sieben Meter tiefer als sein designierter Nachfolger Königshof. Sieben entscheidende Meter. Denn auf der 500 Höhenmeterlinie liegt auch das Reservoir Bleichenberg in Zuchwil. Und mit Zuchwil geht Solothurn zukünftig einen Verbund ein, den sie Wareso nennen. Oder ausgeschrieben: Wasserverbund Region Solothurn. Dadurch dass die beiden Reservoire auf gleicher Höhe liegen, kann das Wasser einfacher verteilt werden, ohne dass auf Grund eines Höhenunterschieds die Gefahr der Überfüllung oder der Entleerung eines Reservoirs entsteht.

Entsprechend glücklich zeigte sich Felix Strässle darüber, dass mit dem Platz oberhalb des Königshof in Rüttenen, ein Standort auf dieser Höhenlinie gefunden werden konnte. Dies sei die Voraussetzung gewesen, so Strässle, «für eine nachhaltige Wasserversorgung in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden». Derzeit gibt es eine Zusammenarbeit nur mit Zuchwil, doch der Verbund sei offen für weitere Partner.

«Zu Gunsten von uns sowie unserer Nachkommenschaft»

In Rüttenen beginnt nun der Aushub für das Reservoir Königshof, das voraussichtlich im April 2022 in Betrieb genommen werden kann. Die Anlage wird 51 Meter lang und 26 Meter breit und die zwei Kammern fassen insgesamt 5000 Kubikmeter Wasser. Davon 4000 Kubikmeter Trinkwasser und 1000Kubikmeter Löschwasserreserve. Rund neun Millionen Franken kostet das Projekt, das Regio Energie Solothurn mit Unterstützung der Solothurnischen Gebäudeversicherung und mit Fördergeldern des Kantons Solothurn finanziert.

Der Direktor von Regio Energie Solothurn spricht von einem Jahrhundertprojekt, «zu Gunsten von uns sowie unserer Nachkommenschaft». Mindestens für die nächsten 100 Jahre soll das Reservoir ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung von Solothurn sein. Einmal fertig wird man von diesem Bauwerk nicht mehr viel sehen. Einzig die Zufahrt soll sichtbar bleiben. Der Rest der Anlage ist versteckt unter der Erde.

Verzögerung wegen Streit um Waldrodung

Eigentlich hätte der Spatenstich vom Mittwoch um einige Jahre früher stattfinden sollen. Doch wegen juristischen Auseinandersetzungen mit der Anwohnerschaft hat sich das Projekt um rund vier Jahre verzögert. Der Streitpunkt: Die Rodung von 3440 Quadratmeter Wald auf dem Gemeindegebiet von Rüttenen. Diese war nötig geworden, da der Waldrandsaum hinter dem Königshof aus Gründen des Ensembleschutzes bewahrt werden musste und somit in den Wald als Bauplatz ausgewichen wurde. Die Gegner der Waldrodung wurden mit dem Argument beschwichtigt, dass das Wasserreservoir von grossem öffentlichen Interesse sei. Dennoch wählten einige den juristischen Weg. Sie scheiterten aber mit der Einsprache gegen den Erschliessungsplan, ebenso gegen das Rodungsgesuch. Rüttenen wies die Einsprache ab, der Solothurner Regierungsrat die anschliessende Beschwerde. Letztlich scheiterten die Einsprecher auch mit einer Beschwerde vor dem Verwaltungsgericht.

Regio Energie Solothurn betont, dass es sich bei der grössten Fläche, die gerodet wurde, nur um eine provisorische Rodung handelt. Sprich nach Abschluss der Bauarbeiten werden Ersatzaufforstungen an Ort und Stelle vorgenommen. Allerdings wird es an dieser Stelle keine Bäume mehr geben. Stattdessen kommen über das Reservoir flachwurzelnde Büsche und Sträucher. Der Grund: Bei Bäumen bestünde die Gefahr, dass dessen Wurzeln irgendwann das darunterliegende Bauwerk beschädigen würden. Definitiv ist die Rodung dort, wo die Zufahrt zum Reservoir Königshof vorgesehen ist. Diese Fläche von 310 Quadratmeter wird jedoch ebenfalls aufgeforstet. Und zwar in Subingen auf einer entsprechenden Ersatzfläche. (fvo)

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