Solothurn

Auf der Krummturmschanze wird in letzter Minute «abgerüstet»

Noch bis morgen Freitag gibt die städtische Baubehörde Solothurn dem Artillerieverein Zeit, um fünf provisorisch platzierte Geschütze von der Krummturmschanze zu entfernen. Quasi in letzter Minute wird der Verein der Aufforderung nachkommen.

Die Tage - nein, Stunden - des Freiluft-Artillerie«museums» auf der Krummturmschanze sind gezählt. Bereits morgen Freitagmittag bis zum frühen Nachmittag werden fünf der insgesamt sieben historischen Armeegeschütze wieder per Kran von der Bastion entfernt. Besitzer der Kanonen ist der Artillerieverein, dessen Frist zur Entfernung der Geschütze just morgen Freitag abläuft.

Wie Turmschreiber und Aktuar Markus Reber informierte, werden die Geschütze dezentral an drei verschiedenen Standorten in der Stadt aufgestellt: «Es war schon bald klar, dass sie nicht als Ensemble zusammenbleiben können, sondern verteilt werden». Eine entsprechende Halle konnte nicht gefunden werden. So werden zwei Geschütze bei der Liegenschaft Müllerhof, wo sich Ständerat Pirmin Bischofs Anwaltsbüro befindet, und zwei beim ehemaligen «Pulverhof» (wo früher das Schiesspulver gelagert wurde) zu besichtigen sein. Ein weiteres Geschütz wird in einem privaten Park ausgestellt, wo bereits zwei andere Kanonen stehen.

Aus seiner Sicht hätten die Geschütze als Ensemble aber sehr gut auf die Schanze gepasst: «Die Krummturmschanze war eine Befestigungsanlage, auf der schon früher Kanonen standen», erklärt Reber in einem Pressecommuniqué: «Deshalb wäre es naheliegend gewesen, die Kanonen dort für ein interessiertes Publikum aufzustellen.»

Artilleriemuseum für ein Jahr

Der Akt der morgigen Last-Minute-«Abrüstung» wird indes vertraut vorkommen und an die damalige «Aufrüstung» erinnern: Vor nicht ganz einem Jahr - im Juli 2011 - wurden die militärischen Exponate mit gleichem Effort unter Federführung des Artillerievereins auf das Areal gehievt. Dieser hatte sich beim Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS um historisches Armeematerial beworben.

Und dies erfolgreich: Neben der bereits auf der Schanze installierten Radgürtelkanone von 1889 und der 10,5-Zentimeter-Haubitze wurde die «Sammlung» der Artilleriefreunde nach Zusage des VBS um eine Feldkanone 03/40, eine Kanone 35, zwei Haubitzen 42 sowie einer Haubitze 46 erweitert. Installiert wurden sie in nächster Umgebung ihres Vereinslokals im Krummen Turm.

Zwischenlösung oder definitive Platzierung?

Stadtpräsident Kurt Fluri gestattete die Platzierung dieser Geschütze als «Zwischenlösung», nicht zuletzt um auszutesten, ob ein Nebeneinander mit den Sommerfilmen des Alten Spitals möglich wäre. Der Artillerieverein interpretierte das Wohlwollen seitens Stadt allerdings etwas anders – definitiver: Für zwei der fünf Geschütze habe man eine «klare Zusage», drei weitere seien lediglich provisorisch bewilligt gewesen, so Reber.

Was aber weder Reber noch Fluri zu jenem Zeitpunkt ahnen konnten: Der museale Artilleriepark mit allen fünf «neuen» Geschützen würde auf weitaus weniger Interesse stossen als erhofft - dafür auf viel mehr Widerstand als befürchtet. Dieser regte sich aus den Reihen des Alten Spitals, deren Betrieb der «Sommerfilme» durch die Kanonen beeinträchtigt wurde.

Interpellation gegen die Kanonen

Die Verärgerung zeigte sich aber auch in der breiten Bevölkerung und mündete schliesslich auch in einer SP-Interpellation, die die Rechtmässigkeit eines Artillerieparks kritisch hinterfragte. Letztlich musste Kurt Fluri angesichts der abneigenden Haltung in der Öffentlichkeit schliesslich annehmen, dass der Gemeinderat als entscheidungsberechtigte Instanz der dauerhaften Stationierung der Geschütze kaum zustimmen würde. Ergo wurde die provisorische Bewilligung von drei Monaten nicht verlängert, womit die verordnete Räumung ein knappes Dreivierteljahr ausblieb.

Ultimatum: morgen Freitag

Mit dem 15. Juni, also morgen Freitag, legte die Baubehörde schliesslich das ultimative Datum fest. «Wenn der Verein der Aufforderung bis dahin nicht nachkommt, wird die Baubehörde beim Oberamt die Räumungsverfügung beantragen», informierte Stadtschreiber Hansjörg Boll im Vorfeld. Wie es scheint, dürfte der Artillerieverein nun einlenken – quasi in letzter Minute.

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