Seit Mitte Februar arbeitet Daniela Rieder auf den Philippinen in der Entwicklungshilfe mit. «Ich finde es auch spannend zu reisen. Da ich aber einige Zeit am gleichen Ort verbringe und mit den Leuten hier lebe, bekomme ich einen viel tieferen Einblick in die Kultur und den Alltag vor Ort.» Die 27-Jährige aus Solothurn wohnt in Lagawe in einer Gastfamilie mit drei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren. Mittlerweile gehe es ihr gut und es gefalle ihr auch, erzählt sie. Am Anfang hätte sie aber vor allem grosse Mühe mit zwei Dingen gehabt: Planung und Zeit. «Für das Schweizer Denken läuft vieles sehr ungeplant. Man kann etwas für den nächsten Tag vereinbaren, dann klappt es aber oft nicht. Pläne für die nächsten Wochen oder sogar Monate zu machen, kennt man hier nicht. Zudem läuft alles hier viel langsamer ab als in der Schweiz.»

Beziehungen auf den Philippen bezeichnet die Logopädin als bedeutend. «Es ist wichtig, die Leute kennen zu lernen und Beziehungen zu pflegen.» So werde man meistens erst einmal zum Kaffee eingeladen, um Neuigkeiten auszutauschen. «Erst nach einiger Zeit, kommt man auf das wirkliche Thema des Besuchs zu sprechen», so Rieder. Auch beim Arbeiten sei es angebracht, Pausen einzulegen und gemeinsam mit den anderen Merienda, also ein «Znüni» oder «Zvieri» zu essen und zu plaudern. «Hier herrscht nicht das Leistungsdenken wie in der Schweiz. Das ist eigentlich schön, aber sehr ungewohnt.»

Spezielle Aufgaben im Praktikum in der katholischen Schule des Apostolischen Vikariats Bontoc-Lagawe hat sie nicht. «Die Idee ist es, dass ich bei den Aktivitäten meiner Praktikumsbetreuer dabei bin, um einen Einblick in ihre Arbeit zu erhalten.» Diese sind vor allem in Dörfern unterwegs und mobilisieren die Menschen, sich gegen die Korruption zu wehren. Zusätzlich hat die 27-Jährige die Freiheit, in Projekten der Pfarrei mitzuhelfen. So hat sie beispielsweise bei einem Abfallmanagement-Wettbewerb tatkräftig mitgeholfen und eine Fotodokumentation für ein kleines Dorf erstellt, das teilgenommen hat. Im Kaffeehaus hilft sich beim Kochen und Abwaschen mit und hat die Lagawer auch schon in die Kunst des Zopf-Backens eingeführt. Auch wie Kaffeerösten funktioniert, weiss Daniela Rieder inzwischen.

Neugierige Menschen

Die Verständigung mit den Einwohnern ist für sie kein Problem. «Auf den Philippinen gibt es diverse Sprachen und Dialekte, aber da in der Schule alle vom Kindergarten an Englisch lernen, klappt die Verständigung mit Englisch ziemlich gut.» Sowieso seien die Leute sehr fröhlich und herzlich. «Die meisten freuen sich, dass ich hier bin. Viele Leute sind neugierig und fragen, woher ich komme, was ich hier mache und wie die Schweiz ist.» Was sie an der Schweiz besonders vermisst? Nebst Freunden und Familie («zum Glück gibt es e-Mail und Skype, so dass ich auch hier mit den Leuten zu Hause im Kontakt bin») nennt sie auch Joghurt. «Das gibt es hier nur in grossen Läden und in Touristenorten, aber nicht in Lagawe.»

Bis sie das nächste, echte Schweizer Joghurt geniessen kann, muss sie sich noch ein wenig gedulden. Mitte Mai, wenn das dreimonatige Praktikum zu Ende geht, will Daniela Rieder noch zwei Monate auf den Philippinen herumreisen.