Stadtbummel Solothurn
Auf dass die Köpfe rollen

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Die Wahlplakate können bald wieder abgenommen werden.

Die Wahlplakate können bald wieder abgenommen werden.

Partick Lüthy

Zwischenzeit nennen wir heute eher die frühere Fastenzeit. Noch ist nicht Frühling, auch wenn der Cheschtenemuni von dannen zieht und die Störche schon auf dem Fegetz-Kamin nisten. Zu viele Konfetti grüssen noch aus den Ritzen des Gassenpflasters, die letzten Fasnachts-Dekos haben sich hartnäckig noch bis diese Woche in einzelnen Schaufenstern gehalten. Doch zuletzt ist alles weggeräumt, ja schon bald vergessen. Wo Don Kiwi Shot noch vor kurzem kaum durchs Partyvolk reiten konnte, tut sich jetzt ein Loch auf.

Möglich, dass ein verblichener Rittersmann zum Vorschein kommt. Für den Fall der Fälle sieht die Kantonsarchäologie schon mal in der Kronen-Garage nach, ob sich unter dem bier-kontaminierten Boden-Beton nicht doch ein Restchen von Urs und Viktor findet. Immerhin wurden die beiden im Mittelalter in schönem Abstand immer wieder ausgegraben. Meist kopflos, wie es sich gehört. So richtig sicher war man sich aber nie, ob es die «richtigen» Thebäer waren. Doch der Glaube versetzt Berge – vielleicht haben wir auch deshalb weiterhin einen Weissensteintunnel.

Vorbei die Zeiten, als Solothurn sein Allzeit-Hoch als Messestadt erlebte. Drei Messen wurden damals am Wochenende sogar in der fernen Weststadt-Kirche St. Marien gelesen. Dann aber blieben die Messebesucher mehr und mehr aus. Nicht ganz so schlimm war die Entwicklung bei den weltlichen Messen. Doch bei drei grösseren Messen, davon gleich zwei im Frühling, war es zuletzt halt schon eine zu viel gewesen. So erinnert sich kaum mehr jemand an die still verblichene Socasa bei der Reithalle – alles pilgert dieses Wochenende frohgemut an die verbliebene Eigenheim-Messe im wieder etwas aufpolierten CIS-Center. Da haben wir eben keine Wahl mehr, aber beklagen wollen wir uns nicht: Zu wählen gibts dieses Wochenende ja mehr als genug.

Zeitenwandel ist angesagt. Bald haben wir wieder jene herrliche Zeiten wie zu Urs und Viktors Nichtmehr-Lebzeiten: Die Köpfe sind weg! Wer nächste Woche glaubt, nachts ein leises Stöhnen zu hören, mag so falsch nicht liegen: Auch Laternenpfähle können durchaus erleichtert reagieren...

Zeit, sich zu freuen? Weit gefehlt, ihr lieben Laternenmasten! Es kommt bald eine Zeit, da werdet ihr wieder «beköpft»: am rechten Strassenrand grinsen dann die Fluris, am linken die Fränzis. Aber was, wenn wir aus der Gegenrichtung kommen? Ach, immer dieses plakative Schema-Denken. Doch bitte, bitte keinen zweiten Wahlgang: Sonst ist erst im September Kurt furt und das Plakat von Fränzi ein «Schränzi».