Honolulu

Auch wenn man es nicht glaubt: Es geht noch grösser am Solothurner Fasnachtsumzug

Am grossen Umzug standen Themen wie der Klimawandel, das Stadtjubiläum, der amerikanische Wahlkampf oder abtretende Solothurner Altrocker im Zentrum.

Ein hochstehendes Spektakel boten die Zünfte, Guggen und Gruppen einem mehr als gut gelaunten Publikum. Der Umzug war beeindruckend und vielfältig. Die Narren gaben alles, um bunt, mit tollen Wagen, Kostümen, Larven sowie musikalisch zu begeistern. Umzugschef Yves Hauri war zufrieden: «Mir ist aufgefallen, dass immer mehr Zusatzwägeli kommen, noch grösser gebaut wird, obwohl man glauben könnte, es gehe fast nicht mehr».

Würdig zum 2000 Jahr-Jubiläum der Stadt eröffnete der Trommelwirbel des Tambourenvereins als rot-weisse Waggis. Eine Novität: Stammsektion und Trommelschule vereinten sich. Der Nachwuchs wurde letztes Jahr neu eingekleidet, jetzt zogen die Aktiven nach. 150 Jahre Fasnacht in der Vorstadt huldigte die Vorstadtzunft. Sie feierte mit einem Riesenjubiläumsbuch und alten Kostüms aus dem Fundus. Ohne eigentliches Sujet liessen die dunkel gewandeten Aarejätter die ersten Guggentöne erschallen.

Der Solothurner Fasnachtsumzug 2020 im Zeitraffer

Der Solothurner Fasnachtsumzug 2020 im Zeitraffer

Im Schotten-Kilt – mit Whisky-Fässern

Erstmals zuckersüss wurde es durch die Gassefäger. Sie präsentierten das Candyland mit übergrossem Bonbon als Kopfschmuck. Ihren Rammbock verzierte die Narrenzunft Honolulu mit einer Solothurner Torte, um als Römer die Stadt zu erobern. Rotweisse Kaufleute und ein Relax-Zelt gehörten auch dazu. Als «Uncles Sams» wollte die Mamfi-Guggemusig mit «Breaking the Wall» auch eine Mauer durchbrechen. Im Schotten-Kilt rockten die Altstadt-Rueche, stilecht mit Whisky-Fässer. Flüssig ging es bei den Glänggelern mit Wodka weiter. «Na zdorov’ye» untermalten sie russisch. Die Grashüpfer bastelten Riesen-Emojis: So reden sie wortlos miteinander. Die Pistazien liessen die Kathedrale mit südamerikanischen Vögeln umschwirren. Hochtechnische Fachdiskussionen unter den verschiedenen Musikleitenden bestimmen nicht nur das Sujet, sondern auch die Stückwahl der Sümgaggophoniker.

Littering und Lärm, das Thema der Hudibras-Chutzen. Ihre Patrouilleure nahmen Krawallmacher und Gassen-Pisser in die Konfetti-Mangel. Dem Stadtklima widmeten sich die Kladeredätsch. Sie verwandelten als Bäume die Stadt in einen Riesenwald. Das letzte Wort im Sujet «Jo säg au» verbanden die Ambassadonner mit Au-Wädenswil, der dortigen Bettwaren-Fabrik und deren TV-Werbung. Die Derendinger Herregääger verabschiedeten der Rockgruppe Krokus und Kiss, die sich seit zehn Jahren auf ihrer Adiö-Tournee befinden. «Sweet, Sugar, Candygirls» – die Wybeeri-Gugge eine weitere zuckersüss-farbige Augenweide.

Den ersten Nachwuchsteil bestritten vom Schmutzigen Donnerstag die Hinterwäudler, So Baröckis, Heidehubu-Räuber-Bande, M.O.P.S., Nachwievorstadt – die Pop-up-Zunft und die Spielgruppe s’Wärchstettli. Auch bäumig daher kam die 11i-Schränzer-Kindergugge. In ihrem Urwald sind die Masken dem kleinen Baum «Groot» aus dem Film «The Guardians oft he Galaxy» nachempfunden. Die Chnopfllöcher, Höfli-Hüpfer, AareBarBare, Jaul und Papperlapp bildeten den zweiten Nachwuchsblock.

Die Konfettifrässer zogen bei ihrer Premiere als eigene Umzugsnummer Hand in Hand ins Candyland mit Wagen und Candyshop-Verkäufer in einer Candy-Baby-Maske. Ägyptisch präsentierte die Sans Gêne-Zunft aus Zuchwil Pharao Tutanchamun. Düstere Gewänder und Gringe, die Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker heuer. Auch sie verzichteten auf ein Motto. Es hiess nur, sie würden blau starten. Ins Schlaraffenland verführten die Stedtli-Gumslen mit süssen und salzigen Leckereien auf ihrem Wagen. Auf den Schneemangel spielten die Guggetschi an: «Baud kene me». Diese Auswirkung der Klimaerwärmung inspirierte zu weissen Kostümen. Die Gugge Donna Bloosetta rief auf, das Licht zu löschen, wenn sie zu spielen anfingen – bei schummrigem Licht könne man sich ganz auf die musischen Sinne konzentrieren.

In den amerikanischen Wahlkampf mischte sich die Tannewägzunft ein. Sie baute nicht nur das Weisse Haus nach, sondern brachte Winnetou als Kandidaten. Immer ein Film-Motto, so die Muttiturmbiisser. Dieses Jahr ist es «Game of Thrones». Ihr Wagen stellte eine trutzige Burg dar. Die aktuell 15 Grad liessen die Weihere Schränzer nicht abhalten, den Polarkreis näher zu bringen. Die kühlen hellblauen Kostüme kaschierten sie mit heissen Rhythmen.

Gleich zweimal Adieu: für Krokus und fürs Astoria

Ein zweites Mal Abschied nehmen von den Krokus, diesmal mit der Weschtstadtzunft. Grosser Tournee-Wagen, grosse Bühne und ein Anhänger für die Entsorgung der Instrumente. Die Fussgruppe der Glunggehüpfer fragte sich farbenfroh, ob wirklich 30 Jahre seit ihrer Gründung vergangen seien. Einen wilden Angriff mit Steinschleuder startete die Wagenbau-Gruppe «Die Wüude» aus Oberdorf: «Gring abe, mir chöme, eifach angersch...». Eine Hommage ans Aus Ende Januar des geschlossenen Hotels Astoria widmeten die Guggeschränzer dessen Patron Toni Farese.

In die 70er und 80er zurück beamten die Zuchwiler Provinznarren. Ihre mobile Disco verströmte legendären Sound. Fliegend kamen die Schanzenarre. Das Remake auf den Actionfilm «Top Gun» untermalten sie mit Flugzeugträger, Flugzeug- und Tower-Nachbau. Magisch wurde es mit den Konfettistampfern. Schwarz-dunkelblau verzauberten sie musikalisch. Schwedisch gab sich der Hauptgass-Leist. Ein Wal, ein mächtiges Wikingerschiff sowie Anspielungen auf ABBA und Ikea-Möbel fehlten ebenso wenig wie die Greta-Larven.

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