Immer mehr Leute erheben Anspruch auf den Wald. Ob Wanderer, Mountainbiker, Autofahrer, Jäger oder Waldbewirtschafter – wo verschiedene Menschengruppen zusammenkommen sind Konflikte vorprogrammiert. Um die verschiedenen Interessen in einem sensiblen Gebiet befriedigen zu können, muss nach Lösungen gesucht werden. «Ansprüche an den Wald - Konfliktpotenzial und Lösungsansätze» hiess deshalb das Thema, dem sich der Verband der Bürgergemeinden und Waldeigentümer Solothurn-Lebern-Wasseramt (BW SO-LE-WA) an seiner diesjährigen Präsidentenkonferenz annahm.

Zum Thema Stellung genommen haben Rolf Studer, Vizepräsident des Verwaltungsrates der Seilbahn Weissenstein AG, Thomas Studer, Revierförster und Kantonsrat, Stefan Schader, Vertreter des SAC Weissenstein, Reto Burki vom Tropical Bike Shop in Solothurn, Anton Pürro, Präsident Hegering Leberberg, Sergio Wyniger, Präsident der Bürgergemeinde Solothurn und Roger Dürrenmatt, Projektleiter beim Amt für Umwelt, Solothurn. Durch den Abend im Keller der Bürgergemeinde Solothurn führte der Präsident der BW SO-LE-WA, André Hess, während der Präsident des Waldwirtschaftsverbandes Schweiz, Markus Brunnen, Fragen stellte.

Wandern allein genügt nicht

Kurz vor der Eröffnung der neuen Seilbahn auf den Weissenstein lag der Fokus der Diskussion auf den geplanten Freizeitanlagen und den Vorkehrungen zur Lenkung der Besucher. «Wir wollen kein Disneyland, keinen Europapark, aber auch keine Blechlawine mehr», äusserte sich Rolf Studer einmal mehr zu einem bereits im Vorfeld heiss diskutierten Thema. Festhalten wolle man hingegen an den bisherigen Veranstaltungen und den gebotenen Dienstleistungen. Dass im vernünftigen Rahmen neue dazukommen, schliesst er hingegen nicht aus. «Wegen dem blossen Wandern kommt keiner mehr auf den Berg», so sein Argument. Gerade wegen des zu erwartenden Besucheransturms sei es wichtig, dass die verschiedenen Parteien miteinander redeten und dem Wildwuchs mit Lenkungsmassnahmen und Kontrollen entgegengewirkt werde.

Als Waldbewirtschafter nannte Thomas Studer einige Konfliktpunkte im Wald überhaupt. Nebst dem wilden Parkieren seien oft auch Waldspielgruppen ein Problem, die ihren Spielplatz ausdehnten und sogar kleine Holzhütten aufstellten. Dazu kämen die «Hobbysoldaten», die tausende Hartplastikkügelchen m Wald liegen liessen oder auch Reiter, die kreuz und quer durch den Wald streiften. Als Gefahrenpotenzial für den Wald sieht er aber auch die «Hundenannys», die oft bis zu zehn Hunde im Wald frei laufen liessen. Als Lösungsmöglichkeit sieht er ein entsprechendes Waldgesetz oder die gut angelaufene Waldpädagogik.
Dass viele Leute am Berg unterwegs sind und Konfliktpotenzial vorhanden sei, bestätigte auch Stefan Schader. Während den einen die Landschaft und die schöne Aussicht, genügten, verlangten andere nach mehr. Als Belastung werde vermehrt die Felsenkletterei empfunden, die zu Problemen führe. Oft werde nämlich vergessen, dass man sich in einem Naturreservat befinde und die Vögel vor allem in der Brutzeit gestört würden. «Auch die Jagd ist ein Störfaktor», gab Anton Pürro zu bedenken. Allerdings nehme diese im Vergleich zur Pflege des Wilds nur wenig Platz ein. Auch Pürro macht sich Sorgen um den Wald und die Unvernunft vieler Waldgänger: «Nur wenige denken daran, dass Wild im Wald ist und ein intakter Lebensraum für dessen Überleben notwendig ist.»

Ehrenkodex der Biker

«Was das Mountainbiking betrifft haben wir einen Ehrenkodex und halten uns an die ausgeschilderten Wege», gab Reto Burki zu bedenken. Eine Gefahr sieht er darin, dass die Biker nun dank der neuen Seilbahn leichter auf den Berg kommen und sich dann nicht an die Regeln halten: «Man kann das Velo einladen und schon ist man oben.» Trotzdem sei er zuversichtlich, dass ein Miteinander und Nebeneinander möglich sei.

«Auch in der Bürgergemeinde ist der Wald ein grosses Thema», äusserte sich Sergio Wyniger und erwähnte als Beispiel die Einsiedelei. «Die Menschen, die in die Schlucht kommen haben unterschiedliche Bedürfnisse.» Diese reichten vom Spaziergänger über den Velofahrer bis hin zu Menschen, die Ruhe suchten und die Einsiedelei als mystischen Ort betrachteten. Das Konfliktpotenzial sei entsprechend gross. «Trotzdem funktioniert es erstaunlich gut, aber eigentlich hat die Bürgergemeinde kein Interesse, dass noch mehr Leute in die Einsiedelei kommen.»

Zum Abschluss der Gesprächsrunde stellte Roger Dürrenmatt das Hochwasserschutzprojekt Emme vor und räumte ein, dass auch da Konflikte unausweichlich seien.