1942 kauften einige Industrielle das Hotel Krone. Drei Jahre zuvor war das stattliche Gebäude unter kantonalen Schutz gestellt worden. 1943 wurde der dringend nötige Umbau in Angriff genommen. Vorrang hatte die in die Jahre gekommene Gaststube, die in ein aus zwei Teilen bestehendes Café-Restaurant umgewandelt wurde. Neu dazu kam der zwei Stufen höher gelegene Grillraum (Ambassadorenstube), von welchem eine kleine Treppe ins Zwischengeschoss des Treppenhauses führte.

Dort befand sich nun auch die Réception mit zwei dazu gehörenden Büros. Nebst dem Einbau einer moderneren Küche sorgte auch eine Abluftanlage mit einem stündlich achtmaligen Luftwechsel «für das Wohl der Raucher (!)» Auch die Toilettenanlagen waren veraltet und genügten den Anforderungen nicht mehr. Die Solothurner Zeitung berichtete über die Wiedereröffnung am 6. Mai 1944 in einer Sonderbeilage.

Nebst weiteren Innenrenovationen im Laufe der Siebzigerjahre wurde mit Hilfe von Bund und Kanton 1972 auch die Gebäudehülle renoviert. Auf ausdrücklichen Wunsch des Bundesexperten wurde für die Fassade ein Rosé-Mauve-Farbton gewählt. Anlass zu Diskussionen gab das schmiedeiserne Balkongitter mit der eingelassenen Krone, nachdem bekannt geworden war, dass dieses vornehme Verwandte im Ausland hat. «So schöne Schmiedearbeiten findet man nur noch an der Place Stanislas in Nancy und im Schloss Hampton Court in England», klärte der damalige Denkmalpfleger, Gottfried Loertscher, die Unwissenden auf. Keine Ahnung von diesem Juwel hatten wohl auch die Behörden, als das vornehme Wirtschaftszeichen 1896 durch eine Kohlenbogenlampe mit einer grossen Glaskugel ersetzt wurde. Die Krone setzte man kurzerhand mit neu befestigten Stangen an den Aushänger.

Glanzzeiten unter Josef Küng

Die meisten Geschäftsführer, die in der «Krone» während der Von-Roll-Ära ihre Spuren hinterliessen, sind inzwischen verstorben. Im Restaurant «Zum Grüene Aff» in Altreu treffen wir jedoch Josef Küng, der das Hotel Krone 1978 als Geschäftsführer übernahm und während 17 Jahren überaus erfolgreich führte. Küngs Aufenthalt in der «Krone» war anfänglich auf drei Monate befristet. «Ich arbeitete damals für eine Beratungsfirma, doch dann wollte mich die Von Roll unbedingt behalten», erinnert er sich.

Auch in der Zeit, in der er der «Krone» sein Gepräge gab, kam es zu etlichen Veränderungen. Neu gab es in der «Krone» nun auch eine Bar und Seminarräume. Küng erkämpfte sich zudem die Bewilligung für eine Terrasse, was für Solothurn vollkommen neu war. «Ich hatte im Tessin gelebt und wusste, was eine Aussenbestuhlung bewirken kann. Nach etlichen Diskussionen bewilligte die Polizei 24 Sitzplätze, aber schliesslich wurden es 80», schmunzelt Küng noch heute. Nun gab es in der «Krone» auch viermal am Tag frische Gipfeli von der damaligen Bäckerei Zurmühle. Pro Tag gingen zwischen 200 und 300 Kaffees über die Theke.

Ein reines Vergnügen für Promis

Dauergast war Oberst von Sury d’Aspermont, der während 30 Jahren die Schweizergarde in Rom geführt hatte und nun in der «Krone» logierte, wo er auch seinen 100. Geburtstag feiern konnte. «Wir umsorgten ihn und brachten ihm auf Wunsch ein ‹Einerli› aufs Zimmer», erinnert sich Küng. Stolz ist der Hotelier, unter dessen Führung die «Krone» vom Drei- zum Viersternhotel wurde, auf sein Gästebuch, in dem Namen wie «Sophia Loren», «Jane Fonda», «Lilo Pulver» und «Henry Kissinger» verewigt sind.

Aber auch Theo Gärtner alias Privatdetektiv Josef Matula sowie bekannte Sportler, Staatspräsidenten und Politiker logierten während Küngs Ära im Hotel Krone. «Ihr Hotel ist ein Juwel. Es war ein reines Vergnügen bei Ihnen zu sein», schrieb Inge Meisel. Doch auch Küng weiss, dass die guten alten «Krone»-Zeiten der Vergangenheit angehören. Inzwischen habe sich die Gastroszene an den Landhausquai verlagert. «Das kann man nicht ändern.»

Seit 1995 in Familienbesitz

Eine weitere Zäsur erfuhr das Haus 1995, als sich die Von-Roll-Eisenwerke entschlossen, die «Krone» abzustossen und sich nur noch auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Im selben Jahr noch erwarben Marie-Thérèse und Gerry Dörfler die «Krone». «Damit ging für meinen Mann ein Traum in Erfüllung, den er eigentlich gar nie richtig zu träumen wagte», sagt Marie-Thérèse Dörfler nicht ohne Wehmut, denn 2008 starb Gerry Dörfler während eines Ferienaufenthalts im Ausland, und Marie Thérèse Dörfler führte den Gastronomiebetrieb zusammen mit ihrem Sohn Gregory bis zum jetzigen Verkauf allein weiter. Wie viele ihrer Vorgänger hatten auch Dörflers den Wunsch, der «Krone» wieder zu ihrem einstigen Glanz zu verhelfen und ihr einen ganz besonderen Stempel aufzudrücken.