Mitten im 2. Weltkrieg, am 15. September, 1941, eröffnete Werner Heri Senior mit seiner Frau Maria das Fachgeschäft Foto Heri beim Bieltor. Kein günstiger Zeitpunkt für ein solches Vorhaben. Doch der Gründer ahnte nicht, welche Höhenflüge und Tiefschläge die nächsten 78 Jahre für seine Nachfolger bringen würden. «Als meine Mutter Anita und mein Vater – Werner junior - das Geschäft 1982 übernahmen, ging es uns glänzend», stellt ihr Sohn Dominik Heri im Rückblick fest. Schon der Wechsel in die ehemalige «Schweizerhalle» an der Hauptgasse 28, mit dem Umbau 1965, hatte sich als Wurf erwiesen, 1990 erfolgte der erneute Umbau zu einem modernen Fotofachgeschäft auf drei Geschossen, das 1999 dann in der dritten Generation von Dominik Heri übernommen wurde. «Damals hatte die Digitalisierung schon voll eingesetzt», so Heri, der seine Lehre zum Foto-Fachmann im Oltner Fachgeschäft Wolf absolviert hatte. «Aber auch das gibts heute nicht mehr».

Rückgang an allen Fronten

Vor allem kleinere Foto-Geschäfte traf der technologische Wandel inzwischen hart. Ein Beispiel: Früher hingen die beliebten Chesslete-Porträts made by Heri wochenlang im Schaufenster und konnten im Geschäft bestellt werden. «Dann knipsten die Leute Bilder von ihren Fotos mit dem Handy. Da habe ich damit aufgehört.»
Zwar machten Innovationen wie das Mini-Lab, das innert einer Stunde fertig entwickelte Bilder lieferte, den Betrieb schneller. «Wir hatten zu tun, aber es war immer weniger Fleisch am Knochen», zeigt Heri ein Hauptproblem seiner Branche auf: die Margen-Erosion. «Ich bekomme Marken-Geräte gar nicht mehr zu dem Einkaufspreis, wie sie der Onlinehandel direkt an die Kundschaft abgibt. Die Grossen haben auch nur eine Gewinnspanne von 10 oder 20 Franken, doch sie verkaufen die Dinger tausendfach.»

Machs mit dem Handy

Aber auch das Fotografen-Handwerk sei rückläufig: Bei Hochzeiten werde ein Kollege angeheuert, «er hat ja eine Spiegelreflex-Kamera», und die früher beliebten Gruppenbilder bei Familienfesten schiessen die Leute heute mit dem Handy. «Die Papierkopie bringt zwischen 90 Rappen und 7 Franken. Manchmal kann ich dazu noch einen Rahmen verkaufen.» Ärgerlich sei auch, dass der Staat die Bebilderung der biometrischen Pässe selbst übernommen hat.
«Wir haben wirklich viel probiert», verweist Heri auf Kurse; «zuletzt haben wir noch einen zur Schwarzweiss-Fotografie analog geplant. Ein Trend, der bei Jungen wieder in ist.» Aber die angestrebte Ankurbelung des Zubehör-Umsatzes sei damit nicht wie gewünscht eingetreten, und dann nagt am Geschäftsführer noch eine Erkenntnis: «Früher hatte man sich in Solothurn gegenseitig viel mehr unterstützt.»

Ende August ist Schluss

Als Heri die Stelle eines renommierten Kameraherstellers für dessen Verkaufsschulung erhielt, entschied er sich zum Ausstieg. «Im Juli fange ich an; Ende August ist hier Schluss.» Eine der zwei Lernenden werde die Lehre noch abschliessen, die andere könne diese anderswo beenden. Die einzige noch verbliebene 80-Prozent-Angestellte findet Unterschlupf im Geschäft ihrer Eltern, «Und meine Mutter wird endlich pensioniert.» Anita Heri besorgt noch – mit 75 – die Buchhaltung.