Solothurns Bäche Teil II
Auch Exoten tauchen in den Solothurner Bächen immer wieder auf

Die Bäche in Solothurn werden in der Öffentlichkeit wenig beachtet. Dabei herrscht dort reges Leben und Treiben – gesteuert von Mensch und Tier. Experte David Gerke weiss viel über das aktuelle Leben in den Stadtbächen.

Wolfgang Wagmann
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Der Kiesfangsee des Wildbachs in der Weststadt
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Experte David Gerke am wichtigsten Aufzuchtgewässer des Fischvereins, dem Dürrbach.
Solothurner Bäche und was sich alles darin verirrt
Forellen aus dem Dürrbach gibts künftig in der Aare nicht mehr
Der aus Amerkia stammende Signalkrebs macht sich überall breit
Der Edel- oder Dolenkrebs ist durch die Krebspest bedroht
Ein Biber geht am Wildbach in die Fotofalle

Der Kiesfangsee des Wildbachs in der Weststadt

Wolfgang Wagmann

Ein wichtiges Scharnier ist der Fischereiverein Solothurn und Umgebung mit seinem Präsidenten David Gerke, der vieles über die städtischen Bachläufe weiss.

Zum Beispiel: «Der Dürrbach ist unser Aufzuchtgewässer. Jährlich werden dort im März 5000 frisch aus den Eiern geschlüpfte Forellen ausgesetzt und dann im Herbst/Winter wieder eingefangen.» Gegen 1000 «Sömmerlinge», 10 bis 14 cm lange Fischlein, werden dann vor allem in der Emme ausgesetzt. Und nicht mehr in der Aare. «Aktuell wollen wir beobachten, wie sich der Forellenbestand in der Aare entwickelt, wenn kein Besatz erfolgt.» Gerke glaubt, dass sich ein Bestand durch eine Naturbelaichung gerade auch in den Bächen halten kann.

Der Koi im Obach

Als Aufzuchtgewässer braucht der Verein den Obach aktuell nicht mehr, doch stellt David Gerke gerade diesem Bachlauf mitten in der Wohn- und Industriezone des Obach-Quartiers ein gutes Zeugnis aus: «Wir haben dort viel mehr Fischarten als in den anderen Bächen. Neben den Forellen gibts die Bachschmerle, den Gründling, die Groppe, den Alet und vereinzelt auch Egli.»

Sommerserie Solothurns Bäche

Die Bäche von Solothurn bildeten früher eine wichtige Lebensgrundlage für die Stadt. Nebst der Wasserversorgung dienten sie den Betrieben von Müllern, Gerbern und andern Handwerkern. Heute sind viele Bachläufe unter dem Boden verschwunden. So der Stadt- oder Goldbach, der Obach teilweise, der Wildbach ist begradigt und gezähmt. Natürliche Läufe weisen noch der St. Katharinen- oder Verenabach und der Dürrbach auf, während die Entwässerungsgräben des Brunn- und Brühlgrabens künstlich angelegt wurden. Auch der Lauf des Hunnenbachs in der Vorstadt wurde mehrfach verändert. In drei Teilen gehen wir auf die Bäche Solothurns ein: Nach einer historischen Einführung zeigen wir mit einem Experten den heutigen Zustand der Bäche auf, und im letzten Teil versuchen wir ihre Chancen in der Zukunft abzustecken. (ww)

Und einmal fand sich auch ein Exot: ein Koi-Karpfen, ein begehrter japanischer Zierfisch, der wohl ausgesetzt worden war.

Sorgenkind Signalkrebs

Der Verenabach, auf Solothurner Boden St. Katharinenbach genannt, ist für seinen Forellenbestand bekannt. Rund um die Einsiedelei finden sich in den aufgelassenen Steinbrüchen aber auch wertvolle Biotope für Amphibien aller Art, und auch die harmlose Ringelnatter fühlt sich dort wohl. Unter den Biologen hat es der Bach aber auch zu eher trauriger Berühmtheit gebracht: Dort trat erstmals ab den Neunzigerjahren der amerikanische Signalkrebs auf – warum genau ist unbekannt. Er verbreitete sich rasch in der Aare, inzwischen hinab bis Aarau. Da er gegen die Pilzkrankheit der Krebspest immun ist, verschleppt er diese und steckt die dagegen wehrlosen, einheimischen Dohlenkrebse an, die deshalb sukzessive verschwinden.

«Vor wenigen Jahren wurde im Oberlauf des Verenabachs noch ein Restbestand Dohlenkrebse entdeckt», meint Gerke, der sich die Aufgabe gestellt hat, diese in sichere, weil höher gelegene Standorte zu evakuieren, wo der Signalkrebs noch nicht hingekommen ist. Übrigens: Der «Ami-Krebs» ist durchaus essbar und wurde von Kennern auch schon aufgetischt. Ihn zu fangen, würde jedoch nichts bringen, glaubt David Gerke. «Es sind zu viele. Der Kanton gibt aber auch nur sehr zurückhaltend eine Fangerlaubnis heraus.» Mit gutem Grund: Werden nämlich gefangene Signalkrebse beispielsweise bis zur «Chochete» in einem Brunnen am Leben gehalten, können sie ohne weiteres ausbüxen. Und man hat die ungeliebten Scherenträger an einem neuen Standort, wo man sie nicht haben möchte.

Tote Kaninchen im Bach

Der Hunnenbach, der neben dem Vorstadtschulhaus vorbei bei der Dreibeinskreuzkapelle in die Aare fliesst, war früher ebenfalls Aufzuchtbach, «jetzt nutzen wir ihn als Jungfischerbach», so Gerke.

Den Wildbach dagegen hat er mit fünf Kollegen als Fischenz gepachtet – er weist neben der Forelle auch Gruppen auf. Eine Besonderheit ist der Kiesfänger gleich südlich der Bielstrasse, der den Bach westlich der St. Marienkirche zu einem ansehnlichen Teich staut. «Jetzt ist das Kies gerade ausgebaggert worden», verweist David Gerke auf diesen periodischen Vorgang, «dann hat es jeweils wieder Wasser im Teich.» Im Kiesfänger sammelt sich allerdings jeweils viel Dreck und Abfall, die der Wildbach auf seiner recht rasanten Fahrt von Ober- und Langendorf herbringt. Auch tote Kaninchen habe er schon feststellen müssen, «wenn sie oberhalb der Bielstrasse, wo der Bach in einer tiefen Betonrinne verläuft, hineinfallen, kommen sie nicht mehr raus.»