Städtisches Schwimmbad
Auch die Solothurner Badi wäre schutzwürdig

Wird die Solothurner Badi unter kantonalen Denkmalschutz gestellt, so wie dies im Fall des Grenchner Freibads nun geschehen soll? Auch die hiesige Anlage wäre ein würdiger Kandidat für einen Schutz, heisst es seitens Stadt.

Wolfgang Wagmann
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Die Badi Solothurn auf einer Luftaufnahme von 2002. Die einmalige Lage an der Aare und die Aufteilung in den älteren und neueren Teil ist gut ablesbar.
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 Badi-Solothurn . Ruhe vor dem Ansturm !
Kinderbecken, 10 Meter Becken und der Sprungturm
Badi Solothurn
Badi Solothurn (1)
Das Sportbecken im neuen Teil der Badi

Die Badi Solothurn auf einer Luftaufnahme von 2002. Die einmalige Lage an der Aare und die Aufteilung in den älteren und neueren Teil ist gut ablesbar.

Oliver Menge

Grenchen will sein 1956 vom berühmten Schwimmbad-Architekten Beda Hefti erbautes Gartenbad unter kantonalen Denkmalschutz stellen lassen. Nebenzweck der Übung: Bei Sanierungsarbeiten wie jetzt für 600 000 Franken am Hauptbereich der Tribüne sollen kantonale Beiträge auch aus dem Lotteriefonds fliessen.

Macht man sich in Solothurn ähnliche Überlegungen? Immerhin ist das Freibad der Stadt in Teilen wesentlich älter als jenes der Nachbarstadt und der neuere Teil ebenfalls mit einem klingenden Namen des Architekturschaffens im letzten Jahrhundert verhaftet. Nein, unter Schutz stehe die Solothurner Badi nicht, beantwortet Andrea Lenggenhager. Leiterin Stadtbauamt, die erste Schlüsselfrage. «Das Freibad hat keinen Schutzstatus und ist auch nicht im Inventar der Kulturobjekte enthalten.»

Dennoch, schalten und walten kann auch die Stadt in der Anlage nicht. Oder diplomatisch ausgedrückt: «Es können Veränderungen an Gebäuden vorgenommen werden, die im Inventar der Kulturobjekte erfasst sind. Die Grundsubstanz und die Struktur wie das äussere Erscheinungsbild sind jedoch zu erhalten und zu berücksichtigen», so Lenggenhager. «Der Umgang mit Kulturobjekten regelt das jeweilige Bau- und Zonenreglement. Sicherlich sollte im Rahmen von Sanierungen- oder allenfalls Umbaumassnahmen die Denkmalpflege mit einbezogen werden.»

Bereits Gespräche geführt

Zwar ist man in Solothurn noch nicht an dem Punkt angelangt wie Grenchen, das konkret einen Antrag auf Unterschutzstellung gestellt hat. Doch auch im Stadtbauamt macht man sich darüber Gedanken. Andrea Lenggenhager: «Im Rahmen von Umbauarbeiten werden wir die Kantonale Denkmalpflege einbeziehen, respektive wir hatten mit ihr schon Gespräche.» Die Bauten, die aus den Jahren 1927 und den 60-iger Jahren stammen, sind für die Bauamtsleiterin als Ganzes «sicherlich ein Zeitzeuge».

So sei das Solothurner Freibad auch im Buch «Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980» von Michael Hanak erwähnt und werde in seiner Form als erhaltenswert eingestuft. «Somit ist die Unterschutzstellung im Rahmen von Sanierungen sicherlich auch ein Thema und zu prüfen», meint Lenggenhager.

Katastrophe als Auslöser

Eine eigentliche erste Badanstalt ist seit 1835 bei der ehemaligen Kreuzackerschanze überliefert. Eine weitere wurde dann ab 1904 etwas westlich der Eisenbahnbrücke als schwimmendes Aarebad installiert. Das Baden in der offenen Aare war dagegen damals untersagt.

Trotzdem forderte der Fluss am 25. Juli 1921 einen schrecklichen Tribut: Kurz vor der Türöffnung der einen schwimmenden Badanstalt, derjenigen für die Frauen, brach der Zugangssteg unter der Last der wartenden Menge, die vor allem aus Kindern bestand. In der Folge ertranken neun Mädchen und ein Bub im Alter zwischen 3 und 13 Jahren nach dem Sturz in die Aare.

Trotz des tragischen Unglückes dauerte es Jahre, bis man von der bisherigen Form der Badeanstalten abrückte, und ein neues Männer- und Frauenbad in einer zweigeteilten, aber geschlossenen Anlage auf dem Land vorschlug.

Die Gemeindeversammlung beschloss zwar im Oktober 1926 einstimmig, das Projekt für damals 350 000 Franken an die Urne zu bringen, dort allerdings war die neue Badi umstrittener: Von den 1210 Abstimmenden befürworteten nur gerade 622 den Neubau unter Architekt Ernst Fröhlicher, 538 legten ein Nein ein, weil sie eine Steuererhöhung befürchteten. Der Fluch auf der bisherigen Badanstalt blieb übrigens an ihr haften: Nachdem sie ein Hühnerzüchter erworben hatte, brannte sie im März 1927 ab.

1960 bis 1962 wurde die Badi-Anlage um das 50-Meter-Sportbecken mit dem 10-Meter-Sprungturm, einem neuen Garderobentrakt und dem Restaurant mit Kassenhäuschen erweitert. Planer war der damalige renommierte Stadtarchitekt Hans Luder, der allerdings sein Amt schon 1961 verliess.

Das alte Männer- und Frauenbad wurde für beide Geschlechter geöffnet und in den letzten zwei Jahrzehnten mit einer Rutschbahn, Spielgeräten, einem Lernschwimmbecken und einem neu gestalteten Sprungbecken aufgewertet.

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