Eigentlich hätte er längst einen Anerkennungspreis verdient. Für ein Minimum an Marketing mit einem Maximum an Ertrag. Zwei Mann - in diesem Fall Marco Lupi und Martin Stebler - suchen drei Comedy-Kunstschaffende mit Ausstrahlung. Drei Restaurants melden sich von selber. Denn drei Abende nacheinander sind sie voll. Am «Dreigänger».

Im «Stephan», im «Kreuz» und im «Salzhaus» sei alles ausgebucht, freut sich Co-Initiant Marco Lupi. Die 700 Plätze waren «innert vier Tagen verkauft.»

Seit zwölf Jahren belebt das Organisatoren-Duo im Frühling ein Solothurn, das gerne isst und lacht. «Wir achten auch darauf, dass möglichst immer neue Künstlerinnen und Künstler auftreten», betont Lupi, «und zwar auch junge.» Reprisen könne es aber durchaus geben, «wenn jemand ein neues Programm hat, können wir uns einen zweiten Auftritt gut vorstellen.»

Zum Trio brauchts einen Vierten

Nun, im «Salzhaus» gabs tatsächlich ein Déjà vu: Vor drei Jahren hatte Andreas Thiel seinen Donnerstagsauftritt versemmelt, dem Dreigänger-OK aber selbst aus der Patsche geholfen. Mit dem Engagement von Nicole Knuth und Olga Tucek, kurz «Knuth & Tucek». Doch davon später. Dazu gesellen sich heuer der Wahlzürcher Slampoet Simon Chen und seine Berner Kollegin Michéle Friedli.

Der vierte, der Kochkünstler, bleibt beim «Dreigänger» stets im Hintergrund und erntet keinen Applaus. Dennoch, im «Salzhaus» fanden die drei «Pointen» von Chefkoch Christian Härtge Gefallen: Zum Voraus Welsfilet an Taboule und Raijta, als Hauptgang ein Maispoulardensuprême mit Bärlauchstampf und Rüebli, gefolgt von einem saisonalen Dessert, Rhabarbermousse begleitet von Sauerrahmglace.

Die, die Eier hat

Wesentlich deftiger jedoch der erste Gang der geistigen Art: die rotzfreche Slampoetry-Göre Michéle Friedli hatte zwar selbstkritisch angekündet: «Es bruucht scho chly Eier, do vore z' stoh.» Doch sie hatte Eier, die zierliche Bernerin, die keine Tabus kennt. Die Abgründe eines Besuchs beim Frauenarzt verschlugen jedoch kaum den Appetit, sondern weckten den Wunsch nach mehr.

Und Friedli legte nach: «S Niveau wird nid höcher.» Auch damit hielt die Mundart-Slammerin, was sie versprach: «S Gruusigscht zletscht.» Um eine höchst plastische Antwort auf die Frage zu geben: «Ab wenn darfsch vor Dim Partner fürzle?»

«Du bist gut!»

Simon Chen, einziger Mann im hochkarätigen «Frauen-Sandwich», hatte deshalb im «Salzhaus» nicht den leichtesten Stand, konnte aber später als Schlussmann im «Kreuz» nebenan bejubelte Zugaben geben. Höhepunkt seines Auftritts war genau die Situation «ein Mann und die lieben Frauen» - sein exzellent erzähltes Märchen um ein katholisches Paar, das nur eine Nachwuchssorge kennt, ist ein Leckerbissen für alle, die heute am «Dreigänger» mehr als nur essen gehen.

Die Delikatesse aber sind die aktuellen Trägerinnen des Deutschen Kleinkunstpreises: Nicole Knuth, Enkelin des legendären Gustav Knuth, und Olga Tucek, ein wahrer Lavastrom eruptiver Ausbrüche am Akkordeon. Sie sangen sich eine regelrechte Schneise in das «Salzhaus»-Publikum.

Köstlich ihre Version des «Good Swiss Fellow», des «Schweizerknaben»; hinreissend ihre schmachtenden Frühlingsgefühle, die bei Olga Tucek nicht enden wollten. «Wir wissen nicht, was mit uns passiert», hatten beide zuvor prophezeit - wie wahr!

Definitiv sprang der Funke in den Saal über, als beide in Gospel-Manier ihre «good vibrations» an die Frau und den Mann brachten. Mit der einfachen Message: «Du bist gut, Du bist gut!» Ein Refrain, der nachhallte und Lust machte auf mehr als einen Schlummerbecher.