Ursprünglich wollten die Asylbewerber ihr Lager bis zum Montag räumen. Doch noch immer harren die zehn Männer aus dem Nahen und Mittleren Osten auf dem Solothurner Bahnhofsplatz aus und warten auf eine Reaktion der Behörden. Ab morgen wollen sie sogar in den Hungerstreik treten.

Bisher habe man von Behördenseite noch keine Hilfe erfahren, berichtet Kadim Catak. Der 32-Jährige aus Solothurn hat sich inzwischen zur Gruppe hinzugesellt. Er versorgt die Männer mit Essen und fungiert als Sprecher gegenüber Passanten und Journalisten. Weitere Unterstützung würden sie durch Teile der SP, der Juso und den Jungen Grünen erhalten.

Seit gestern sei es zu weiteren Anfeindungen gekommen, berichtet Catak. So habe nachts jemand versucht, Hab und Gut der Männer mit Milch zu überschütten.

«Eine gewisse Zeit muss man damit leben»

Anders tönt es derweil von Seite der Passanten. Wie viele Leser betont auch der 71-jährige Ulrich Kirchhofer: «Wir haben im Militär in den gleichen Unterkünften gelebt und es hat gut funktioniert. Und schliesslich kann man auch mal nach draussen gehen.»

Schwester Sara Martina, die in Solothurn Randständige betreut, teilt eine ähnliche Meinung: «Ich habe zwei Winter lang mit zehn Drogenabhängigen in der Notschlafstelle gelebt. Die Luft war häufig schlecht, aber es gab schliesslich eine Lüftung. Man muss nun mal eine gewisse Zeit damit leben.»

Dass sich von Behörden und Gemeinden aber niemand um die Versorgung der Männer kümmert, versteht Schwester Sara Martina nicht. Und sie beschliesst: «Ich werde jetzt sofort Essen für alle besorgen.»

SBB wird nicht aktiv

Bei den Schweizerischen Bundesbahnen sieht man keinen Handlungsbedarf in Sachen Sitzstreik. „Wir beobachten die Situation aufmerksam, haben derzeit aber keine Veranlassung aktiv zu werden“, sagt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig auf Anfrage der az Solothurner Zeitung / Grenchner Tagblatt.

Weder werde durch den Sitzstreik bisher der Kundenverkehr beeinträchtigt, noch hätten sich im Bahnhofgebäude eingemietete Ladenbesitzer beschwert. „Der Lead liegt klar bei den Behörden des Kantons Solothurn, die sich aktiv um eine Lösung bemühen“, so Ginsig.

Friedlicher Protest

Gemäss Claudia Hänzi, Chefin des kantonalen Amtes für soziale Sicherheit (ASO), befindet sich der Kanton im Gespräch mit den Asylsuchenden. Man werde ihm Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten den Handlungsspielraum nutzen. «Wir wollen jedoch einen offenen Konflikt vermeiden und die Situation ruhig lösen», sagte Hänzi.

Übers Wochenende habe man bereits Alternativen angeboten. Die Asylsuchenden seien nicht darauf eingestiegen und hätten sich nicht kooperativ gezeigt. Die Leute hätten sich aber friedlich verhalten, niemanden belästigt und niemanden bedrängt, hielt Hänzi fest.

Auch gemäss Bruno Gribi, Mediensprecher der Solothurner Kantonspolizei, haben die Asylbewerber bislang keine Probleme gemacht. Es bestehe daher kein Grund zum Intervenieren. (ckk/ums/sda)