Solothurn

Asylbewerber wollen bis Montag auf dem Bahnhofplatz ausharren

Zehn Asylsuchenden passt es nicht, dass sie nach Kestenholz SO in die Unterkunft wechseln müssen. Sie protestieren seit Freitag am Bahnhof Solothurn für eine bessere Bleibe.

Es war eine ruhige Nacht für die zehn Asylsuchenden, die seit Freitagmittag beim Bahnhof Solothurn campieren. Man habe sie nicht behelligt, erzählt der Syrer Mahmoud. Ein Bekannter habe bis fünf Uhr morgens Wache gestanden, so dass die anderen ein wenig schlafen konnten.

Asylbewerber wollen nicht in Unterkunft

Asylbewerber wollen nicht in Unterkunft

Um 7 uhr morgens schlafen einige von ihnen fest in Decken gehüllt am Boden. Es sei kalt, meint Mahmoud mit zitternden Lippen. Zu zweit stehen sie neben dem Gepäck und den schlafenden Männern.

Passanten diskutieren

«Niemand versteht uns», so Mahmoud. Einige Passanten seien auf sie zugekommen und hätten sie angesprochen. Man habe sie gefragt ob sie in einem 5-Stern-Hotel leben wollen und weshalb sie nicht einfach eine Unterkunft annehmen. «Wir wollen nicht einmal ein 1-Stern-Hotel», so Mahmoud. Man wolle einfach ein Haus, wo sie leben könnten.

Die zehn Männer bleiben dabei: Sie wollen nicht in das «Kellerloch» in Kestenholz ziehen. Und sie wollen auch nicht auf den Balmberg, wie es ihnen der Kanton am Samstagnachmittag angeboten hat. «Auf den Berg», so die Ansicht, würden nur Kriminelle und Leute, die Probleme machten, abgeschoben.

«Niemand will da bleiben»

In den Unterkünften in Selzach und auf dem Balmberg haben die Asylsuchenden bisher gewohnt. Jetzt müssten sie nach Kestenholz in die Zivilschutzanlage. Das wollen die zehn Männer aus Syrien, Afghanistan, Palästina (Israel), Kurdistan (Türkei) und Ägypten nicht akzeptieren und protestieren deshalb seit Freitagmittag am Bahnhof Solothurn.

Mahmoud müsste vom Asylzentrum in Selzach nach Kestenholz wechseln. Jeder, der nach Kestenholz fahren würde, um sich den Platz anzuschauen, würde aber nicht bleiben wollen, erklärt er. «In diesem Haus gibt es einen Raum für 12 Leute.» Es rieche sehr schlecht, es gebe keine Fenster und keine Luft. «Niemand will da bleiben. Es ist nicht gut, da zu leben», so Mahmoud.

Einen friedlichen Protest wollen die Asylsuchenden am Bahnhof Solothurn. Die Gruppe wurde aber auch schon angefeindet. Am Samstagnachmittag schüttete ein Mann zweimal Bier über das Gepäck und wollte sogar darüber urinieren. Ein anderer machte den Hitlergruss.

Aggressive Leute

«Die Leute sind aggressiv. Es wird gefährlich hier», so Mahmoud am Samstagabend. Dennoch wollen sie bis am Montag auf dem Bahnhofplatz ausharren, um dann weiterzuschauen. Mahmoud macht sich Sorgen, habe aber keine Angst, erzählt er. Er habe in seinem Heimatland Syrien mit ansehen müssen, wie Leute erschossen wurden.

Mit Flugblättern und Plakaten machen die Asylsuchenden auf ihr Problem aufmerksam. Noch hat niemand eine Ahnung, was als nächstes auf sie zukommt. «Wir leben auf der Strasse. Wo sollen wir hin?», fragt sich der Kurde Abdullah.

Zwei Asylsuchende in Kestenholz

In der Asylunterkunft Kestenholz, wo die zehn Männer vom Bahnhof hätten wohnen sollen, leben derzeit zwei Asylbewerber aus Syrien. Auch sie bemängeln die Unterkunft.

«Es ist nicht unsere Pflicht, die Asylsuchenden zurück zu holen», sagt Arno Bürgi, Gemeindepräsident von Kestenholz, gegenüber TeleM1. Die zehn Asylsuchenden seien der Gemeinde Kestenholz zugeteilt. «Sie müssten wieder nach Kestenholz kommen, wenn sie ein Dach über dem Kopf wollen.»

Am Bahnhof Solothurn können die Männer laut Polizei bis auf weiteres bleiben - sofern es zu keinen Problemen kommt. (ldu/cze)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1