Division verkauft
Ascom am Standort Solothurn ist definitiv Geschichte

Den einst stolzen Standort Solothurn der Ascom gibt es nicht mehr. Nach dem Verkauf einer weiteren Division ist der Technologiekonzern im Kantonshauptort nicht mehr präsent.

Franz Schaible
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Dieser Firmenschriftzug wird in Solothurn verschwinden.

Dieser Firmenschriftzug wird in Solothurn verschwinden.

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Das wars. Mit dem am Montag angekündigten Verkauf der Division Network Testing wird der Technologiekonzern Ascom in Solothurn keine Mitarbeitenden mehr beschäftigen. Dies bestätigt Ascom-Sprecher Daniel Lack auf Anfrage.

Ascom hat nach monatelanger Suche einen Käufer für die Sparte mit weltweit rund 400 Mitarbeitenden gefunden. Davon sind, so Lack, fast alle in den USA, Schweden und Malaysia tätig – und aktuell rund 10 in Solothurn. Käuferin sei das französische Unternehmen Infovista, welche auch die Angestellten übernehme.

Damit geht definitiv ein Kapitel in der Solothurner Industriegeschichte zu Ende. Aus hiesiger Sicht stand die 1922 gegründete Autophon AG im Zentrum. Sie produzierte Telefone, Telefonzentralen, Radio- und Fernsehempfänger, Funkgeräte sowie Anzeigeanlagen und galt bis Mitte der 80er-Jahre als schweizweit grösster Telekommunikationskonzern. Für 1986 wies das Unternehmen einen Umsatz von 781 Millionen Franken aus.

1987 kam es dann zur grossen Fusion von Autophon Solothurn, Hasler Bern und Zellweger Uster zur Ascom. Der neue Konzern beschäftigte zu Beginn weltweit rund 14 000 Angestellte, davon 11 300 in der Schweiz. Allein in Solothurn waren es rund 2000 Arbeitsplätze und im Kanton Bern deren 6000. Der Holding-Sitz war in Bern und die operative Leitung in Solothurn.

Noch 75 Angestellte in der Schweiz

Tempi passati. Das vor 29 Jahren zur Ascom fusionierte Technologieunternehmen kam nie richtig in die Gänge. Der Telekom-Ausrüster litt sozusagen als Hoflieferant der damaligen PTT und der Armee unter der Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte, das Monopol der PTT wurde nach der Aufteilung in die Post und Swisscom beendet und die Mobiltelefonie krempelte den gesamten Markt um.

Krise um Krise erfasste die Ascom. Der Konzern speckte ab und nach und nach wurde fast alles verkauft. Nach dem jetzigen Abstossen der Division Network Testing werde die Ascom als «One Business Company« operieren, heisst es denn auch in der Mitteilung. Der Fokus liegt neu ausschliesslich auf dem Gesundheitsmarkt (drahtlose Kommunikation für Spitäler, Heime usw.).

Die Ascom wird nach dem Verkauf global noch rund 1300 Angestellte beschäftigen, in der Schweiz sind es laut Lack noch 75. Davon 60 in Mägenwil (Vertrieb Schweiz) und 15 am Holding-Sitz in Baar und eben keine mehr in Solothurn. Sogar die Bushaltestelle «Ascom» wurde bereits 2006 in «Grenchenstrasse» umbenannt.

Andererseits ist festzuhalten, dass aus der Ascom heraus etliche Firmen in Solothurn und Bern entstanden sind, die bis heute mit vielen Arbeitsplätzen erfolgreich am Markt sind.

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