Solothurn

Artistik und Theater begegnen sich im Zirkus Chnopf

Konrad Utzinger (oben) hat die Gesamtleitung, Matthias Schoch die künstlerische Leitung des Zirkus Chnopf.

Konrad Utzinger (oben) hat die Gesamtleitung, Matthias Schoch die künstlerische Leitung des Zirkus Chnopf.

Das heute beginnende Gastspiel des Zirkus Chnopf in Solothurn steht unter der künstlerischen Leitung von Matthias Schoch.

Das Gastspiel des Zirkus Chnopf in Solothurn gibt Gelegenheit, Artistik und Theaterspiel und die Annäherung der beiden Genres zu beobachten. Wir haben uns mit Matthias Schoch, dem künstlerischen Leiter des Zirkus Chnopf, nach der Aufführung am Festival für aktuelle Zirkuskunst in Aarau unterhalten. Er sieht viele Gemeinsamkeiten. So hat unlängst der renommierte Regisseur Herbert Fritsch eine Inszenierung gemacht, die ohne Worte nur von der Körpersprache der Darstellenden lebt.

Seit 2015 ist Schoch künstlerischer Leiter des Zirkus. Was hat er bewirkt? «Wir sind weg von einer Nummernrevue und haben das Programm auf ein Thema ausgerichtet. Dieses Jahr ist es Panik. Wir haben uns im Vorfeld auch mit der Angst- und Panikhilfe Schweiz getroffen. Der «Chnopf» ist in gewissem Sinne auch professioneller geworden.» Schoch steht heuer erstmals auch nicht mehr selber auf der Bühne, sondern kann sich ganz seiner Aufgabe als künstlerischer Leiter widmen. Dazu gehört auch die Verpflichtung der Regie.

Nach zwei Jahren mit Max Merker ist diesmal Daniel Pfluger dafür verantwortlich. Pfluger hat nicht nur am Tobs Musiktheater inszeniert (Lucio Silla), sondern beispielsweise auch an der Deutschen Oper Berlin. Dass die Produktion dieses Jahr etwas mehr Musik enthält, dürfte auf das Konto des Regisseurs gehen. «Bei seiner Verpflichtung habe ich mir gedacht, dass dies eine Bereicherung für ihn darstellen könnte. Jetzt ist er total auf Zirkus abgefahren.»

Zirkus Chnopf 2017 – Panik! Teaser

Zirkus Chnopf 2017 – Panik!

Wieder mehr Zeit für Theater

Künstlerisch und privat ist Matthias Schoch derzeit im Hoch. Er wird den Zirkus nach dem Gastspiel in Solothurn und Basel nicht mehr weiter begleiten, sondern seine Verlobte heiraten und Ferien machen. Seine mit Max Merker erarbeitete Produktion «Before I speak I have something to say», ein Marx Brothers Reenactement, wurde ans Schweizer Theatertreffen eingeladen. (Diese Produktion ist nächste Saison am Tobs zu bewundern.) Das aktuelle Programm von «Chnopf» wurde ans cirqu’Aarau eingeladen und auch einige musikalische Auftragsarbeiten stehen an.

Eine Fernbeziehung musste er zum Glück nicht leben: Da die Tournee des Zirkus in die Theaterferien fielen, hat ihn seine Verlobte im Wohnwagen begleitet. Nur bei den Gastspielen in Solothurn habe er natürlich zu Hause geschlafen. Er wird nächste Saison am Tobs auch in «Biedermann und die Brandstifter» mitwirken und wird nächsten Sommer in einer Freilichtaufführung in Luzern die Titelrolle in «Jedermann» verkörpern.

Er geht davon aus, dass in diese Inszenierung auch artistische Momente eingeflochten werden. Alle diese Aktivitäten führen letztlich zur Frage: Was macht denn der künstlerische Leiter des Zirkus «Chnopf» eigentlich? «Zuerst einen Regisseur suchen, mit ihm ein Konzept erarbeiten, damit mögliche Sponsoren und Unterstützungsgremien ansprechen und schliesslich das Ensemble zusammenstellen. Dieses besteht aus fünf Artisten und fünf Nachwuchskünstlern.»

Wenn Schoch sich also selber nicht besetzt, macht er viel Büroarbeit. Organisieren der Tournee, Öffentlichkeitsarbeit und letztlich immer wieder Ansprechperson für die Mitwirkenden. Deshalb ist er am Beginn der Tournee auch noch mit unterwegs. Wichtig sei auch das Zirkusquartier in Zürich. Dort könne professionell geprobt werden und er als künstlerischer Leiter ist für den Probenplan zuständig. Schochs Schlusswort: «Theater und Zirkus: Beide können voneinander profitieren, und deshalb ist das Mitwirken in beiden Sparten so faszinierend.»

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