Das am 19. Januar 1953 am Broadway zur Uraufführung gelangte Drama «Hexenjagd» darf heute zu den modernen Klassikern gezählt werden. Wohl ist die Handlung an eine bestimmte Zeit gebunden, doch die Aussage ist zeitlos und behält über Generationen hinweg ihre Gültigkeit. Schon Miller wollte kein historisches Drama schreiben, obwohl sogar die Namen verbürgt sind, sondern eine Parabel auf die in den USA einengende Zeit von Senator McCarthy.

Vor allem Künstler wurden damals wegen unamerikanischer Umtriebe eingeklagt. Die Anklage richtete sich auch gegen Miller selber, weil er sich weigerte andere zu denunzieren. In Salem, einer amerikanischen Kleinstadt, wurde im Jahre 1692 Jagd auf Hexen gemacht und der Verleumdung, Rache und Denunziation waren Tür und Tor geöffnet. Nicht Kommunistenjäger gaben damals den Ton an, sondern die so genannten frommen Geistlichen und Staatsmänner. Ein Wahn, welcher um sich griff und zahlreiche Hinrichtungen zur Folge hatte. In Form dieser dramatischen Geschichtsstunde versuchte Miller, seine Zeitgenossen aufzurütteln. Heute, 60 Jahre später, liessen sich immer noch Beispiele für die Verfolgung und Ausrottung Andersdenkender finden.

Die Inszenierung

Nicht weniger als 18 Rollen und 17 Mitwirkende auf der Bühne zählt diese von Nico Barth verantwortete Inszenierung. Barth hat auch den Text für diese Aufführung überarbeitet und spielt zugleich die Rolle des selbstgerechten Pastors Samuel Parris. Glücklicherweise gelingt es dem Teatro Mobile immer wieder, neue Leute fürs Theater zu gewinnen. Vier Personen haben sich erstmals auf der Mausefalle-Bühne präsentiert. Thanuja Sithamparam ist für die Rolle der Dienstmagd Tituba prädestiniert.

Gleich in zwei kleinen Rollen (Ann Putnam und Sarah Good) kann sich Zora Drieghe präsentieren. Einen fulminanten und bestechenden Einstand gibt Dieter Loosli in der Rolle des machtgierigen Danforth, Stellvertreter des Gouverneurs. Patrick Streit als Ezekiel Cheever ist genau richtig in der Figur, welche einfach Befehlen gehorcht. Höhepunkte der Inszenierung sind unbestreitbar die Szenen, in den John Proctor und Pastor Hale aneinandergeraten, denn Freddy Vestergaard und Felix Fels gehen auch physisch an ihre Grenzen und im Publikum wird es mucksmäuschenstill.

Ausser der Rolle der Abigail Williams (ausgezeichnet Sofia Mészàros) sind die Frauenfiguren eher eindimensional gezeichnet, doch sorgen Thea Burkhardt (Betty Parris), Melanie Egger (Susanna Walcott), Nina Spiegel (Mercy Lewis), Jana Zimmermann (Mary Warren), Franziska Bussmann (Rebecca Nurse) und Linda Gygli (Elizabeth Proctor) für packende Momente. Bei Gregor Wild spürt man, wie er als Giles Corey in die Rolle eines von Satan Besessenen gedrängt wird und nicht weiss, wie ihm geschieht. Patrick Kappeler (Thomas Putnam) und Remo Streit (Richter Hathorne) bringen die Selbstgerechtigkeit ihrer Figuren treffend über die Rampe.

Das Bühnenbild lässt sich durch wenige Veränderungen an die verschiedenen Schauplätze anpassen und die Darsteller sind in Kostüme gekleidet, welche die Zeit der Handlung wiedergeben. Die Technik wird von Maleewan Drieghe adäquat besorgt. Trotz der mehr als zweistündigen Spieldauer möchte man keine Minute des packenden Geschehens missen.

Weitere Daten: Fr, 22. Mai, Fr, 29. und Sa, 30. Mai, je 20 Uhr.