Die aus Argentinien stammende Silvia Fômina residiert derzeit im Alten Spital in Solothurn. Der Aufenthalt wird durch das Projekt «Artists in Residence» ermöglicht. Dieses bietet jährlich drei ausländischen Künstlern die Chance, während dreier Monate im Künstleratelier des Alten Spitals zu leben und zu arbeiten. Die Kunstschaffenden erhalten so einen Einblick in die Solothurner Kultur und können im neuen Umfeld ihre Projekte entwickeln und umsetzen.

Silvia Fômina ist in erster Linie Komponistin, in zweiter Linie Autorin und Regisseurin. «Mein Beruf ist meine Leidenschaft», erklärt die 55-Jährige. Sie spricht deutsch, allerdings mit einem spanischen Akzent. «Seit etwa 30 Jahren bin ich immer unterwegs. Ich war an vielen Orten in Frankreich, Deutschland und Italien.» Die Schweiz sei dadurch für sie immer eine «unbekannte Insel» gewesen. Nun habe sie auch diese für sich entdeckt. Zuerst sei sie nach Winterthur gekommen, und der Verlag, für den sie arbeite, sei in Bern. «Nun bin ich in Solothurn gelandet. Das ist super, so bin ich in der Nähe meines Verlags.»

Dreidimensionale Klänge

Fômina ist keine gewöhnliche Komponistin, wie man das vielleicht von Mozart oder Beethoven sagen könnte. Ihre Kompositionen haben oder bewirken eine mehrdimensionale Form. «Ich verräumliche die Musik, das bedeutet, ich habe eine dreidimensionale Vorstellung von Klängen.» Bei der Aufführung ihrer Kompositionen erhalten alle ihren individuellen Platz, sowohl Musiker des Orchesters als auch das Publikum. «Durch diese explizite Platzierung entsteht eine mehrdimensionale Form, Klänge verbreiten sich auf verschiedenen Höhen eines Raums und über verschieden lange Distanzen.» Sie müsse natürlich viel Kompromisse eingehen, da auf vielen Bühnen gar nicht alle ihre Ideen umgesetzt werden können. Auch das Publikum könne sie nicht einfach irgendwo platzieren, aufgrund der Sicherheitsvorschriften.

Inspiration erhalte sie von überall her. «Vor allem die Sprache eines Landes und dessen Bewohner sind inspirierend. Derzeit lasse ich mich gerade vom Wasser inspirieren», erklärt sie lachend und zeigt aus dem Fenster auf die Aare. Solothurn gefalle ihr sehr gut, sie habe sich sogar ein bisschen in die Barockstadt verliebt. Die Stadt gebe ihr ein Gefühl der Verbundenheit und fasziniere sie sehr. «Ich werde ein Stück Solothurn in meine neuen Kompositionen einarbeiten.»