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Architekt holte sich in Indien Inspiration für den Sikh-Tempel

Für die heutige Einweihungsfeier bereit: Der Gebetsraum bzw. Ruheraum für das heilige Buch, den Guru Granth Sahib, im neuen Gurudwara der Sikh-Gemeinde Schweiz in Däniken.

Für die heutige Einweihungsfeier bereit: Der Gebetsraum bzw. Ruheraum für das heilige Buch, den Guru Granth Sahib, im neuen Gurudwara der Sikh-Gemeinde Schweiz in Däniken.

Der Solothurner Architekt Arjuna Adhihetty berichtete über den Bau des Sikh-Tempels in Däniken. Er hat sein architektonisches Wissen eingebracht und von den Sikhs einige Lebensweisheiten mit auf den Weg bekommen.

Kontakte zur Sikhgemeinde in der Schweiz ergaben sich durch den Umbau des Bahnhofs in Derendingen zu einem indischen Restaurant für Sebi Singh und das jetzige Srignags-House. In einer umgebauten Autowerkstätte war in Däniken der provisorische Sikhtempel untergebracht und Adhihetty ahnte noch nicht, was alles auf ihn zukommen sollte. Die Religion der Sikhs, in Punjab im 15. Jahrhundert entstanden, ist eine monotheistische Religion und beinhaltet Elemente sowohl des Islam als auch des Hinduismus.

Die Sikhs wurden deshalb auch immer wieder verfolgt und heute ist ihr Stammgebiet zwischen Indien und Pakistan aufgeteilt. Weil es sich um eine sehr offene Religion handelt, spielte es keine Rolle, dass Adhihetty kein Sikh ist.

Allerdings trägt ein Sikh-Guru auch den Vornamen Arjun. Auf alle Fälle musste der Architekt sich daran gewöhnen, dass beim Projekt sehr viele Leute mitsprachen, denn die Gemeinschaft wird grossgeschrieben. Zum gemeinsamen Essen nach dem sonntäglichen Gottesdienst sind übrigens alle eingeladen. Einzige Bedingung, sie müssen barfuss sein und den Kopf bedecken und nicht rauchen oder Alkohol trinken.

In Indien inspiriert

Adhihetty hatte den Sikhs ein Modell aus Karton versprochen und das auch an die nächste Sitzung mitgebracht. Bald merkte er, dass sie doch enttäuscht waren, und er hatte ihnen später ein Modell aus Holz angefertigt, das beim Referat auf dem Salvisbergtisch aufgestellt war.

Um sich zu inspirieren, hat Adhihetty eine längere Reise nach Indien unternommen, dabei aber nicht nur den berühmten goldenen Tempel von Amritsar besucht, sondern vorwiegend kleinere Tempel auf dem Lande.

Modernes Bauen kein Problem

Natürlich gibt es Regeln, was ein Tempel aufweisen muss. Auf jeder Ecke des viereckigen Tempelbaus muss ein kleines Türmchen errichtet werden, im Eingangsbereich eine Fahnenstange mit einer gelben Flagge, der Nishan Sahib. Im Innern einen grossen Raum für das Gemeinschaftsessen und entsprechende Küchenvorrichtungen. Dann der eigentliche Gottesdienstraum mit einem mit einem Baldachin überdachten Schrein, auf dem das heilige Buch, der Granth Sahib, aufliegt.

Dieses wird abends zu Bett getragen, sodass es für das Buch auch einen Schlafraum braucht. Adhihetty hat im Erdgeschoss den Speisesaal und die Küche untergebracht, im ersten Stock der Kultraum und im Untergeschoss die Räume für die Priester. Diese kommen aus Indien und bleiben einige Monate bevor sie zu anderen Sikh-Gemeinden weiterziehen. Ebenso befinden sich dort die Räume für den Religionsunterricht.

Von der Bautechnik her durfte modern gebaut werden, so dass die Tempelanlage in Däniken, im Industriegebiet gelegen, gut in die Landschaft passt. Mit dem Rohbau, einer Betonkonstruktion, war die eigentliche Aufgabe des Architekten abgeschlossen, denn die Gestaltung der Innenräume haben die Sikhs selber organisiert. Adhihetty räumt durchaus ein, dass es Momente gab, die für ihn schwierig waren. Er hatte sich daran gewöhnen müssen, nicht einfach Nein zu sagen, sondern zu versuchen zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Die Arbeit an diesem Tempel und die mannigfaltigen Kontakte mit Sikhs haben Arjuna Adhihetty auch zu neuen Einsichten gebracht, vor allem dass das Leben hier und jetzt stattfindet.

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