Solothurn
Ära Jecker ist zu Ende: Ab August verkauft hier das Label Bayard Mode

Jahrzehntelang war das Modehaus Jecker nach dem Bieltor in Solothurn ein Begriff. Jetzt wird das Haus im Besitz einer Thuner Warenhausdynastie umgebaut, und statt unter dem Label Jecker wird ab August Mode der Kette Bayard verkauft.

Wolfgang Wagmann
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Die Jecker AG zieht aus dem eingerüsteten Haus aus, die Bayard Wartmann AG kommt nach der Sanierung.

Die Jecker AG zieht aus dem eingerüsteten Haus aus, die Bayard Wartmann AG kommt nach der Sanierung.

Wolfgang Wagmann

Schon wieder erhält Solothurn eine Grossbaustelle mitten in der Altstadt: Das Modehaus Jecker an der Gurzelngasse 38 hat aufs Monatsende seine Türen geschlossen und wird mit einem neuen Mieter erst wieder am 22. August eröffnet.

Das Berner Mode-Label Bayard will auf zwei Geschossen und 500 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Shoppingmeile der Stadt Fuss fassen. Firmeninhaber Fredy Bayard: «Unser Angebot reicht von trendy über Modern Women bis zu Modern Classic und ist im mittleren und oberen Preissegment angesiedelt.

Die Mode Bayard AG betreibt in der ganzen Schweiz gegen 70 Filialen. Darunter im Langendörfer Einkaufszentrum «Ladedorf» seit fünf Jahren eine Wartmann-Filiale und in der Innenstadt die Filiale von «Esprit». «Gerade die Esprit-Filiale bereitet uns viel Freude und daher sehen wir in der attraktiven Solothurner Altstadt auch Potenzial für eine Bayard-Filiale», erklärt der Berner Geschäftsmann, der im neuen Geschäft mit rund fünf Vollzeitstellen rechnet.

Ära Jecker wird beendet

Besitzer des markanten Eckhauses an der Gurzelngasse, gleich nach der Passage des Bieltors, ist das Familienunternehmen der Schaufelberger AG in Thun. Dort befindet sich im Balliz das Warenhaus der Familie Schaufelberger, die vor 100 Jahren an dieser Stelle einen Basar eröffnet hatte.

Bayard Wartmann AG ist seit Jahren auf Shopping-Tour

1912 begann im Wallis die Firmengeschichte der Familie Bayard mit einem Gemischtwarenladen. Ab 1989 entwickelten Fredy Bayard und seine Frau Silvia das Modehaus bis 2003 mit zehn weiteren Filialen im Oberwallis weiter. 2003 fusionierten Mode Bayard und die Mode Wartmann AG zur Be + We Bayard Wartmann AG. 2005 erfolgte die Integration der Mode Ehrbar in Biel mit Standorten in Brügg und Biel, 2006 dann jene von drei Loeb-Filialen unter dem Label Mix. 2010 folgte die Integration der Krause Senn AG mit sechs Filialen in Zürich und Umgebung und dem Marc O'Polo Shop im Sihlcity sowie dem Esprit Shop im Wankdorf-Center Bern. Zudem beteiligte sich die Mode Bayard Group an der Protexa Online AG und stieg somit in den textilen Onlinehandel ein. 2011 wurde die Mehrheit an der Protexa Online AG übernommen, und zusätzlich eine Krause-Filiale in Zug eröffnet. Der Onlinehandel wird neu ebenfalls von Bern aus betrieben. 2012 wurde die Kottmann Damenmode AG in Sursee übernommen. 2013 folgt die Übernahme von 28 Filialen der Schaad Mode AG und der Gerry Weber Schweiz AG, was das Imperium der Mode Bayard Gruppe auf
49 Fachhandelsgeschäfte,
16 Stores, drei Outlets und einen Online-Shop unter verschiedensten Labels anwachsen liess. (ww)

Weitere Warenhäuser betreibt Bernhard Schaufelberger, der Firmeninhaber in vierter Generation, in Interlaken und Heimberg. Die Solothurner Niederlassung an der Gurzelngasse behielt jedoch den Namen Jecker AG, obwohl diese Familie ihr Haus bereits 1968 an Robert Schaufelberger vermietet hatte. «1997 konnten wir die Liegenschaft sogar erwerben», erzählt dessen Sohn Bernhard Schaufelberger.

In den letzten zwei, drei Jahren habe sich jedoch die strategische Erkenntnis durchgesetzt, dass «wir das Geschäft nicht mehr selber betreiben wollen».

Deshalb wird nun der Begriff Jecker AG definitiv aus der Stadtsolothurner Gewerbewelt verschwinden - nachdem er ohnehin schon seit Jahrzehnten von der Thuner Schaufelberger AG nur noch als Markennamen des ehemaligen Stadtsolothurner Textilhauses weitergeführt wurde.

Gesamtsanierung notwendig

Für den Thuner Hausbesitzer ist eine «umfassende Sanierung» der gesamten Liegenschaft unumgänglich. «Seit 1968 wurde nämlich nie mehr investiert», betont Bernhard Schaufelberger. Ab sofort bis zum August wird nun die Geschäftstätigkeit eingestellt und alles umgebaut.

Nebst den zwei Geschossen, welche die Bayard AG für ihr Modegeschäft mietet, werden in den oberen Geschossen Wohnungen, Büros und Praxisräume entstehen.

Übrigens: Von der Geschäftsaufgabe der Jecker AG sind fünf Personen mit unterschiedlichen Pensen betroffen. Die Geschäftsführerin wird bei der Schaufelberger AG in Thun weiterbeschäftigt. Die anderen vier seien auf der Stellensuche, heisst es in Thun.