Solothurn
Anwohner stören sich an einzelnen Bäumen beim neuen Wasserreservoir

Die Anwohnerinformation über das neue Reservoirs Königshof in Solothurn brachte einige Ängste und Besorgnisse zutage. Der Waldsaum am Bauplatz soll erhalten bleiben. Nachbarn befürchten jedoch, dass diese Bäume umstürzen könnten.

Wolfgang Wagmann
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Hier lang gehts künftig zum neuen Reservoir
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Der Weg entlang dem Königshof zur künftigen Baustelle
Auf dem Königshof entsteht ein neues Reservoir.
Die Südfassade des Königshofs, im Hintergrund das Waldstück
Der Königshof wird während der Bauzeit nur von dieser, der Nordseite her erreichbar sein
Das Waldstück mit dem geplanten Reservoir von Norden her
Der Waldrand mit dem Pfad zwischen dem Königshof und der Bergstrasse soll erhalten bleiben
Die Anwohner machen sich Sorgen wegen allenfalls umstürzenden Bäumen am Waldrand
Das alte Reservoir Steingruben, dass nach dem Neubau nicht mehr gebraucht wird
Der rot gefärbte Pfosten markiert die Südwest-Ecke des Reservoirs

Hier lang gehts künftig zum neuen Reservoir

Wolfgang Wagmann

51 Meter lang und 21 Meter breit wird es. Aus dem Boden schaut es maximal 1,5 Meter. «Und das Dach wird begrünt. Natürlich nicht mit Hochstammbäumen, wir müssen schauen, was sich dafür eignet.» Die Rede ist vom geplanten Reservoir Königshof, orientiert dazu werden die Anwohner von Projektleiter Stefan Schluep und dessen Kollegen Marcel Rindlisbacher, Leiter Netze bei der Regio Energie Solothurn.

«Wir hätten es gerne weiter vorne gehabt, am Waldrand», ergänzt Schluep. Denn der geplante Bauplatz liegt mitten in einem Wäldchen oberhalb des Königshofs. Und das kantonale Amt für Umwelt will die Wald-Silhouette hinter dem ehemaligen Patriziersitz mitsamt dem geschützten Landwirtschaftsensemble unbedingt erhalten. Was bei den gut 20 erschienenen Nachbarn grösstenteils auf Unverständnis und Unmut stösst: «Die paar einzelnen Bäume, die vorne am Waldrand noch stehen bleiben können, werden beim nächsten Sturm umstürzen. Vielleicht sogar auf unser Dach.»

Zwei alte weg für ein neues Reservoir

Das im Hang oberhalb der Waisenhausstrasse gut sichtbare Reservoir Steingruben ist das älteste Solothurns und wurde 1880 erbaut. Mit dem Ausbau 1951 erfuhr das Reservoir Steingruben eine Kapazitätssteigerung auf 2000 Kubikmeter. Dort besteht kurzfristiger Sanierungsbedarf, beim 1929 erbauten Reservoir Gisihubel mit 1000 Kubikmetern Fassungsvermögen dagegen nur mittelfristiger Sanierungsbedarf.

Entgegen dem 1934 erbauten Reservoir Sunneschyn weiter nördlich in Rüttenen sollen aber diese beiden älteren Bauten durch das neue Reservoir Königshof ersetzt werden. Dieses wird künftig eine Kapazität von 4000 Kubikmetern Wasser und zusätzlich eine Störungs- und Löschreserve von 1000 Kubikmetern aufweisen. Zusammen mit dem Pumpwerk Aarmatt und dem 1999 erbauten Reservoir Bleichenberg will die Regio Energie Solothurn die Wasserversorgung Untere Zone Solothurn und Zuchwil, aber auch Richtung Weststadt langfristig sichern und optimieren.

Das neue Reservoir Königshof wurde aus vier möglichen Standorten exakt auf der 500-Meter-Höhenkurve oberhalb von Solothurn evaluiert und soll Ende 2016 ans Wasserversorgungsnetz gehen. Die Regio Energie rechnet mit Bau- und Leitungskosten von total 8 Mio. Franken. (ww)

Die Leute kennen sich aus. Zählen Baumarten auf, nennen Förster, mit denen sie die Situation analysiert haben. Schluep versucht zu beschwichtigen. «Wir gehen kein Sicherheitsrisiko ein.» Fragliche Bäume würden mit Experten angeschaut, und entschieden, ob sie stehen bleiben können. «Aber», betont der Projektleiter wiederholt, «wir haben die Auflage des Kantons. Und die lautet: Der Waldsaum ist unbedingt zu erhalten.»

Dabei hat es die Regio Energie pressant: Nach zehn Jahren Evaluation habe man endlich eine Lösung gefunden, denen alle involvierten Kreise zustimmen können. Bis am 24. März liegt das Projekt noch auf, «dann wollen wir roden, ehe der Wald im Saft ist.» Noch 2015 sollen die Bauarbeiten und das Verlegen der Leitungen voran getrieben werden.

Leitungen bis zum Herrenweg

Das neue Reservoir liegt auf Rüttener Boden, das Waldstück gehört der Bürgergemeinde Solothurn, die es der Regio Energie nach Baubeginn verkauft, «aber weiterhin für den forstlichen Unterhalt sorgt», so Stefan Schluep. Natürlich muss das Reservoir über eine 40 cm Durchmesser aufweisende Hauptleitung und eine nur 5 cm weniger dicke Nebenleitung ans Wasserversorgungsnetz angeschlossen werden.

Der Bau der Leitung unterhalb des Königshofs wird ganz nahe am Bebauungsrand erfolgen, weil der Kanton die Landwirtschaftszone und den Alleebereich nicht mit Leitungen belegen will. Was wiederum Besorgnis um die Gartenmauern bei diversen Anwohnern auslöst. «Wir beabsichtigen nicht, etwas zu zerstören, und falls doch etwas passieren sollte, kommen wir für allfällige Schäden auf», versichern die Verantwortlichen der Regio Energie. Die Leitungsstränge, rund 1,20 Meter in den Boden verlegt, werden zuletzt im Bereich Herrenweg/Grenchen-strasse auf der Höhe Altwyberhüsli ans bisherige Wasserversorgungsnetz angedockt.

Allerdings ist der Leitungsverlauf über die Brüggmoos-, Amanz-, Gressly- und erst ganz zuletzt die Bergstrasse vorgesehen. Was auch nicht durchwegs gut ankommt. «Warum wird der Leitungsstrang nicht gleich die Bergstrasse hinab gezogen?», so die Frage aus der Runde. «Die Bergstrasse ist zu schmal und es hat zu viele Werkleitungen drin», so die plausible Antwort. Zudem diene der gewählte Verlauf einer bessern Wasserversorgung der Weststadt.

Eine Frage bleibt offen: Was passiert mit dem später nicht mehr gebrauchten Reservoir Steingruben? «Es liegt in der Zone für öffentliche Bauten. Die Stadt muss im Rahmen der Ortsplanungsrevision bis 2019 entscheiden, was damit geschieht», erklärt Stefan Schluep.

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