«Nationale Opposition»

Angst wäre eine zu schmeichelnde Widmung

«Nationale Opposition» in Solothurn

«Nationale Opposition» in Solothurn

Dank des hohen Nein-Anteils bei der Masseneinwanderungsinitiative ist Solothurn um den Titel «Liberale Stadt» reicher. Dass nun ausgerechnet diese Stadt zur Zielscheibe Rechtsradikaler wurde, erstaunt trotzdem nur auf den ersten Blick.

Die selbst ernannt «besorgten jungen Eidgenossen» gehen nicht dorthin, wo antidemokratisches Gedankengut fruchtbaren Boden findet. Sondern dorthin, wo man noch düngen will. Es sind nicht typische johlende Neonazis – sondern Neo-Neonazis.

Solche, die einen geraden Satz formulieren können. Zumindest ihre «Masterminds» wissen sich auf dem Flugblatt auszudrücken. Als wäre der Reichspropagandaminister persönlich am Schreibtisch gesessen: «Eine Schweiz, bevölkert von weissen Menschen mit eidgenössischen Wurzeln», das wollen sie – ohne Schreibfehler.

Dass sie ihre radikale Botschaft mit Feuer und weiss maskierten Visagen am Samstagabend kundtaten, soll bedenklich stimmen, aber nicht ängstlich. Angst wäre eine zu schmeichelnde Widmung an die Adresse der «Unsterblichen», jener Gruppe, der sich die Maskierten zugehörig fühlen.

Ebenso wenig haben sie bei ihren Auftritten Publikum verdient: Fast schon symbolisch trotzte am Samstagabend die leer gefegte Altstadt dem Mitteilungsbedürfnis der Agitatoren. Die Demokratie habe versagt, um ihre Forderungen zu verwirklichen, so ihre antidemokratische Begründung für das martialische Auftreten. Es ist aber dieselbe Demokratie, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Meinung kundzutun, so wirr und menschenverachtend diese letztlich sein mag.

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