Für die weiblichen Stadtangestellten von Solothurn wird es auch künftig keinen eigenen Feiertag geben. Dies entschied am Dienstagabend der Gemeinderat mit 15 gegen 13 Stimmen bei einer Enthaltung. Moira Walter (SP) und Laura Gantenbein (Grüne) hatten im Frühling die Motion «Freier 8. März, Gleichstellung jetzt!» eingereicht, um damit auf die allgemeinen Lohnungleichheiten zwischen Mann und Frau aufmerksam zu machen. Der Feiertag soll – ungeachtet der Verhältnisse bei der Arbeitgeberin Stadt Solothurn – die Vorbildrolle unterstreichen, die von der öffentlichen Hand ausgeht.

«Im öffentlichen Sektor beträgt die Lohnungleichheit 16,6 Prozent», schreiben die Motionärinnen in ihrer Begründung. Davon wiederum mache der Anteil an unerklärbarer Lohndifferenz 40 Prozent aus. Die Stadt Solothurn, so halten Gantenbein und Walter weiter fest, habe kein Instrument, um die Lohnungleichheit zu erheben.

«Wir wollen konkrete Zahlen»

«Solange wir nicht wissen, wie es ist, können wir lediglich annehmen, dass es keine Lohndiskriminierung gibt», bekräftigte Moira Walter anlässlich der Sitzung den Vorstoss. Denn: «Falls es keine Diskriminierung gibt, so kann man dies offen sagen.» Laura Gantenbein hieb in die gleiche Kerbe und forderte «konkrete Zahlen», die die Motion zutage fördern solle.

Wenig Gehör fanden die Worte bei den bürgerlichen und Mitte-Parteien. «Wenn Gleichstellung gefordert wird, so ist das nicht mit falschen Kompensationsmassnahmen zu erreichen, die neue Ungleichheiten schaffen», betonte Franziska Baschung (CVP) mit Bezug auf den geforderten Feiertag.

«Nicht der richtige Weg»

«Wer sich bei der Stadt Solothurn bewirbt, wird nicht nach dem Geschlecht beurteilt, sondern nach den Fertigkeiten», fasste Marco Lupi (FDP) zusammen, was bereits in der Motionsantwort steht; dass nämlich das Bewerbungsprozedere geschlechtsneutral nach definierten Gehaltsklassen und Lohnstufen erfolge. Auch Marianne Wyss (SVP) bezeichnete den Kompensationstag als «nicht den richtigen Weg.» 

Nachfolgend ermutigte Gaudenz Oetterli (CVP) die Motionärinnen dazu an, einen Vorstoss für eine Analyse der Lohndifferenzen fordert – ohne dafür aber vorgreifend einen Feiertag zu fordern.